La Dispute – Somewhere at the Bottom of the River between Vega and Altair 2008 – No Sleep Records La Dispute veröffentlichten “Somewhere at the Bottom of the River between Vega and Altair” im Jahr 2008 und das Album brach wie eine Flutwelle über mich herein. Die vertrackte, für mich nicht in Genre-Schubladen zu steckende Musik, gepaart mit der unglaublich intensiven Art von Storytelling, mit der Sänger und Texter Jordan Dreyer ein asiatisches Märchen mit seiner Erzählung und Verarbeitung zweier zerbrochener Beziehungen verknüpft fing mich von Beginn an ein. Die offensichtliche Verzweiflung des Erzählers ist intensiv und ehrlich, die Musik treibend und ständig wechselnd zwischen kurzen Ruhephasen und aufbrausendem Sturm. Dieses Album riss die engen Grenzen von Hardcore bzw Post-Hardcore selbstbewusst ein und paarte großartige Poesie und Wortmalerei mit unfassbar intensiver stimmlicher und instrumentaler Emotionalität. Noch heute, zehn Jahre später, kann ich dieses Album hören, ohne dass es an Gänsehaut-Faktor verloren hätte. Mein persönliches Highlight ist das monumentale „The Last Lost Continent“, eine zwölfminütige Kriegserklärung und Abrechnung mit psychischen Krankheiten wie Depression, an deren Ende der Triumph als Hoffnung bleibt. Es wäre der perfekte Schluss für dieses Album gewesen, doch stattdessen folgt der seichte letzte Song, der mit dem ebenso seichten Opener eine leider enttäuschende Klammer für die Geschichte gibt, die La Dispute zu erzählen haben. Diese zwei kurzen Songs, die so losgelöst vom restlichen Album funktionieren, sind die einzigen Schwachstellen in einem ansonsten fantastischen Album. Das Nachfolgealbum „Wildlife“ behandelt größere Themen und „Rooms of the House“ zeigt, wozu die Band über Wut und pure Emotion hinaus im Stande ist. Nichtsdestotrotz ist für mich „Somewhere at the Bottom of the River...“ nach wie vor ein perfektes Manifest des lyrischen und musikalischen Schaffens der Band.
Zugezogen Maskulin – Alle gegen Alle 2017 – Buback In „Alle gegen Alle“ kotzen sich Grim104 und Testo aggressiv, dicht und gekonnt aus über eine falsche Gesellschaft, in der es kein richtiges Leben geben kann. Keine (Rand-) Gruppe entgeht ihrem Furor.
Brand New – The Devil and God are Raging inside Me 2006 – Interscope Records „The Devil and God...“ ist Brand New’s Meisterstück. Intensive Texte, verzaubernde Melodien und Jesse Lacey’s Stimme brachten diesem Album zu Recht den Ruf ein, ein Meilenstein des Post-Hardcore/Emo zu sein.
Thursday – Full Collapse 2001 – Victory Records Weniger weinerlich und selbstbemitleidend als manche Kollegen schufen sich Thursday mit diesem Album ihren Platz unter den Großen dieses (zu Beginn der 2000er noch kreativen und vielschichtigen) Genres.
The Wonder Years – The Upsides 2010 – Run for Cover Records Pop-Punk done right. Sänger Dan Campbell verarbeitet Angst und Depression auf diesem Album, untermalt mit zuckersüßen Melodien und sorgfältig verteilten Ausflügen in härtere Punk-Gefilde.
Have Heart – The Things We Carry 2006 – Bridge 9 Records Wenn es eine Band gibt, die meinen Einstieg in den Hardcore Punk symbolisiert, dann sind es Have Heart. Die Band sprüht auf diesem Album vor Energie und unbändiger Wut über die bestehenden Verhältnisse.
Descendents – Everything Sucks 1996 – Epitaph Records Die größte Pop-Punk Band aller Zeiten hat mit „Everything Sucks“ ihr Meisterwerk geschaffen. Auf 30 Minuten frühstücken die Descendents das Altern als Punk ebenso ab, ebenso wie ihre ewige Liebe zum schwarzen Kaffee.
Tony Sly – Sad Bear 2011 – Fat Wreck Chords Tony Sly, der viel zu früh gestorbene traurige Bär des Skate-Punk, zeigt sich auf seinen Soloalben von seiner verletzlichen, melancholischen Seite. Das Album zeigt, warum er als einer der größten Songwriter seiner Szene galt.
Captain Planet – Wasser kommt, Wasser geht 2007 – Zeitstrafe Der Erstling der Hamburger Band ist auch ihr stärkstes Album. Vielschichtige Texte gepaart mit Zeitstrafe-typischem Punk und mehrstimmigem Gesang. Textlich für mich eine der besten deutschsprachigen Bands, mit großartiger Bildsprache.
Jeff Rosenstock – Worry. 2016 – SideOne Dummy Records Mit „Worry.“ zeigt Jeff Rosenstock, dass er einer der kreativsten Köpfe der US-Indie/Punk-Szene ist. Fröhlich, chaotisch, aggressiv und textlich immer mit einem Augenzwinkern. Auch seine anderen Projekte (Antarctigo Vespucci!) sind großartig!
fast wäre dies die erste liste geworden, auf der mir noch nicht mal die namen der protagonisten je bewusst begegnet sind (von der musik ganz zu schweigen). aber "zugezogen maskulin" war mir nun doch schon ein begriff. das wird doch alles sehr interessant hier!
Das einzige auch bei mir vorhandene Album dieser Liste ist "Brand New – The Devil and God are Raging inside Me" Ansonsten fange ich einmal damit an, bei La Dispute und Captain Planet reinzuhören...
"Good taste is the worst vice ever invented" (Edith Sitwell)
ZM sind mir seit urzeiten sympathisch, durfte die auch mal interviewen, erzähle den peinlichen teil dieser geschichte aber lieber nur auf forentreffen. ich mag aber den alten sound ein bisschen lieber. live sind sie aber immer ein brett, kann ich nur empfehlen.
Bis auf Zugezogen Maskulin kenne ich da nichts, und Punk ist auch nicht direkt meine bevorzugte Richtung. Anhören werde ich das aber natürlich schon, es gibt ja immer mal positive Ausreißer ;-)