Gerade in der Kulturzeit zum ersten mal davon erfahren. 2008 beschlossen und jetzt ist es scheinbar zu teuer. Ich finde den Entwurf großartig. Eine große Wippe sozusagen. Sobald auf der einen Seite 30 Menschen mehr als auf der anderen Seite sind, fängt es sich auf der schwereren Seite an zu senken.
durch tv-formate wie kulturzeit oder ttt ist mir die debatte um das einheitsdenkmal vertraut. die grundidee, ein denkmal zu schaffen, dass fremde menschen zu einer sozialen interaktion bewegt werden, gefiel mir ganz gut, auch wenn ich grundsätzlich denkmälern eher skeptisch gegenüber stehe. die aufschrift "wir sind das volk. wir sind ein volk" mag ich allerdings überhaupt nicht. selbst zu zeiten der einheit, als diese sätze noch in einem anderen zusammenhang standen, als es zumindest der erste satz heute tut, kamen mir regelmässig beklemmungen wenn massen von menschen ihn riefen. kommentarlos, vielleicht sogar an der ehemaligen grenzlinie, anstatt vor dem schlossplatz, wo gerade eine betonversion des hohenzollernschlosses gebaut wird, hätte mir die installation besser gefallen. sasha waltz, als eine der mitgestalter, ist schon vor jahren aus dem projekt ausgestiegen.
☟ smog in berlin. nichts wie hin. weil du mich küsst, bin ich kein tourist.
Zitat von Lumich im Beitrag #5 "wir sind das volk. wir sind ein volk" mag ich allerdings überhaupt nicht.
Das ist mir auch ein wenig aufgestoßen. Wenn man das Denkmal 1992 gebaut hätte, wäre es für mich aber noch in Ordnung gewesen. Jetzt verbinde ich "Wir sind das Volk" eher mit den Spaziergängen in Dresden.
vielleicht sollte man gerade aus diesem grund den satz wieder in den richtigen zusammenhang setzen. wie überhaupt begriffe wie "volk" und "heimat" den glibschigen pranken der identitären wieder entrissen werden sollten. das spiel läuft doch schon seit jahrzehnten so: die rechten patschen mit dreckpfoten auf die wörter wie der kleine bruder aufs wurstbrot, und rufen dazu "meins!". und danach will es kein anderer mehr anfassen. so gibt man sprachliches wie auch gedankliches terrain preis. ich finde, wir müssen das volk wieder als diejenigen definieren, die sich gegenseitig ertragen können, und damit ein gemeinwesen prägen. björn höcke fällt also schon mal raus.
dass der begriff "volk" zur ab- und ausgrenzung verwendet wird, ist nicht ganz neu. ich fürchte, da gibt es keine positive tradition, an die man anknüpfen könnte.
☟ smog in berlin. nichts wie hin. weil du mich küsst, bin ich kein tourist.
Als Kunstwerk ganz nett; nichts dagegen, wenn sich die Neue Nationalgalerie das in den Innenhof stellen wollte. Aber braucht Berlin ein weiteres Denkmal? Die Touris werden doch eh schon durch einen Denkmal-Themenpark geschleust. Dem Deutschen Volke wurde schon vor über 100 Jahren in Form des Reichstags ein Denkmal gesetzt.
Als Denkmal für den Sieg des Kaiserreichs über die DDR gibt es bereits den von Lumich erwähnten Betonscheiß mit vorgehängter Schlossfassade.
"Wir sind das Volk" war ursprünglich die weniger bedenkliche Parole: Das Volk im Sinne des "We the People" der US-Verfassung machte darauf aufmerksam, dass es von der Regierung nicht vertreten wird. "Wir sind ein Volk" kam erst später, als die Nationalisten das Ruder übernahmen: Da ging es um die nicht mit der Bevölkerung eines Staates identische "Volksgemeinschaft", die Wessis, Schlesier, Ostpreußen etc. einschließt, aber alle ausschließt, die das nicht in der soundsovielten Generation sind oder aus wasweißichwelchen Gründen nicht dem Deutschenbild der Nationalisten entsprechen.
ZitatDas Kunstwerk Der Bevölkerung von Hans Haacke wurde im Jahr 2000 im nördlichen Lichthof des Reichstagsgebäudes nach Beschluss des Bundestages errichtet. Es besteht aus einem Kasten, gefüllt mit Kies und Erde, aus dem verschiedene Pflanzen sprießen, und in dessen Mitte der von innen beleuchtete Schriftzug „DER BEVÖLKERUNG“ angebracht ist. Der Schriftzug ist von allen Etagen des Gebäudes aus zu lesen. Die Förderung aus öffentlichen Mitteln dafür betrug umgerechnet ca. 200.000 €. Das Kunstwerk wurde im Rahmen von „Kunst am Bau“ realisiert.[1]
Die Arbeit bezieht sich auf den Schriftzug „DEM DEUTSCHEN VOLKE“ am Reichstag. Der Künstler spielt mit dem Bedeutungsunterschied zwischen Volk und Bevölkerung: Der Begriff Bevölkerung schließt alle Menschen ein, die in einem Land leben. Hans Haacke hat sich bei seiner Aktion von einem Satz Bertolt Brechts inspirieren lassen:
„Wer in unserer Zeit statt Volk Bevölkerung […] sagt unterstützt schon viele Lügen nicht.“[2]
Mitglieder des Deutschen Bundestages sind aufgefordert, Erde aus ihrem Wahlkreis in die Arbeit einzubringen. Die Pflanzen wachsen spontan aus zufällig gelandeten Samen.
☟ smog in berlin. nichts wie hin. weil du mich küsst, bin ich kein tourist.