angesichts des nahenden neuen albums wird's mal zeit, der coolsten, sympathischsten (bitte weitere superlative dazu denken) band des planeten einen eigenen thread zu widmen.
gerade gab es auf 3 sat kulturzeit einen erfreulich langen bericht. demnächst in der mediathek - im letzten drittel der sendung.
so, weiteres folgt dann später. derweil kann sich ja großfan lumich hier austoben.
okay, chronologisch, und ganz vorsichtig… denn tatsächlich gehört "pod" zu den alben, die mich nachhaltig vom hocker gerissen haben, dass ich bis heute auf keinem hocker mehr so sitzen kann wie früher. dabei habe ich dieses album erst recht spät entdeckt, denn vor last splash, oder genauer dessen single cannonball hatte ich nie von den breeders gehört, aber hey, im jahre 1990 wurde ich gerade mal 13 jahre alt. zu der zeit waren queen, depeche mode und the cure wahrscheinlich die wichtigsten bands für mich (erstere von den dreien bedeuten mir heute deutlich weniger als damals).
wikipedia fasst ein paar statements zusammen über die entstehung des albums, die für mich ganz wesentlich sind:
ZitatWriter Martin Aston notes that Albini "stress[ed] live performances and quick takes". Wiggs has recalled that Albini's main concern was ensuring the best sound possible from the musical equipment, rather than attempting to improve the band's performances; as long as the group succeeded in playing each song all the way through, Albini considered that take good enough for the album. According to Wiggs, Albini's "hands-off" style of engineering greatly helped to shape the sound of the recordings. Albini's contributions included convincing the band members to reduce the number of harmonies in the songs and give more prominence to Deal's vocals; Donelly believes this improved the album, by making the performances "more effective and sadder and ... focused"
ohne einen tonmeister wie albini wäre dieses album, möglicherweise die gesamte band, nichts geworden. diese entscheidung, der natürlichen dynamik den vorzug zu geben, gegenüber der möglichkeit durch nachträgliche bearbeitung eine vermeintliche perfektion zu erreichen, ist genau das, was den unterschied macht. zu der zeit, wo ich die breeders kennenlernte, durchlebte ich auch im musikalischen sinne meine pubertät. war ich doch bis dahin noch zu beeindrucken von technischen spielfertigkeiten und perfektion, wie es im metalbereich stets hochgehalten wird, begann ich mich diesbezüglich radikal umzuorientieren. und das, obwohl es in meinem damaligen freundeskreis nicht viel zuspruch dafür gab. ich finde das heisst schon was, für einen heranwachsenden. aber zurück zu pod: bevor ich das album kannte, kannte ich bereits eine live-version von iris, welche sich auf irgendeinem sampler befand. seither war ich extrem neugierig auf dieses album. diese mischung aus fast bedrohlichen, langsamen stücken wie dem eröffner glorious, hin zu süffisant beschwingten tracks wie fortunately gone, hin zu explosiven ausbrüchen, wie bei iris, und alles ist dabei so aufgenommen, als würde man sich in einem raum mit denen befinden. dieses konzept wurde auf dem nachfolger (mit ep dazwischen!) last splash weiterentwickelt, aber diese rohheit von pod wird immer seinen eigenen stellenwert behalten. ein wunder, dass sie überhaupt daran anknüpfen konnten. die safari-ep liess das nicht unbedingt vermuten, auch wenn die songs an sich gut waren.
☟ smog in berlin. nichts wie hin. weil du mich küsst, bin ich kein tourist.
Ein wenig Off-Topic an dieser Stelle: Welch toller Grafikdesigner Vaughan Oliver doch nur ist. Ich stelle es immer wieder fest. Immerhin ist dieses Artwork hier ja noch aus einer Zeit vor Photoshop.
Nach ein paar mal Hören des neuen Albums sage ich mal: gutes Album. Kein Vergleich zum Quatsch der jüngeren Pixies-Geschichte. Gerade den analog rumpelnden Sound finde ich eine Wohltat. Ich kann bei Rockbands gerne auf steril klingende Gitarren-Sounds aus dem PC verzichten. Auch die Songs sind gut bis sehr gut. Vielleicht fehlt der überragende Hit und sind ein oder zwei ruhige Songs zu viel drauf. Aber das ist dennoch alles grundsolide, auch wenn es emotional nicht mehr so rein haut wie in den 90ern. Fazit: Nicht begeistert, nicht enttäuscht, aber zufrieden.
läuft gerade ... und ... läuft. geht mir aber ähnlich wie dir. dein fazit kann ich vollumfänglich unterschreiben. nur ein richtiger schwachpunkt ist dabei: "archangel's thunderbird" ist leider ein mieses "cannonball"-selbstplagiat mit ziellos herumschlingernder melodieführung, aber ansonsten: immer wieder gern gehört.
ME-Leser 1984 bis 2016 - ME-Forum seit 30.04.2003 - Erster Beitrag: "Wo kann ich mich hier wieder abmelden?" Heavy Rotation → ◉ Jake Bugg (2024) A Modern Day Distraction ◉ Julie (2024) The Ant-Aircraft Friend ◉ Towa Bird (2024) American Hero ◉ The Courettes (2024) The Soul Of... The Fabulous Courettes ◉ Noga Erez (2024) The Vandalist
Da sich der Flight 13 mittlerweile i.d.R. 2 Wochen Zeit lässt, Bestellungen zu verschicken (wogegen eine Bestellung vom Sonntag bei Munster Records in Spanien völlig unerwartet schon gestern ankam. Ich habe schon Banküberweisungen innerhalb von Deutschland erlagt, die länger bebraucht haben. Ganz zu schweigen von Briefen von Neukeferloh nach München), bleibt genug Zeit, erst noch mal das bisherige Werk der Breeders und ihrer Spin-offs anzuhören:
Pod (28.5.1990) Man kann die spätere Qualität erahnen, aber wirklich aufregend ist das nicht. Definitiv nicht meine Lieblingsbestzung der Breeders. 7/10 Übrigens gab es vor zwei Wochen einen neuen Song von Belly, den ich ebenfalls eher ganz nett als wirklich super finde.
Safari 12" (6.4.1992) Jetzt ist Kelley mit dabei und die Gitarren klingen fetter.
Cannonball 12" (9.8.1993) "Cannonball" steht für mich auf einer Suife mit "Satisfaction" und "My Generation": Von vorne bis hinten perfekter Rockhit, auch nach dem 1000sten mal hören noch nicht abgenudelt.
Last Splash (30.8.1993) Superlative wie "bestes Album aller Zeiten" sind natürlich völliger Quatsch: Ist "What's going on" besser als "Kind of blue"? Schmeckt Mousse au chocolat besser als Schweinsbraten? Aber was E-Gitarren-dominierte Musik betrifft, konnte es nach "Last Splash" nur noch bergab gehen. 10/10.
The Amps - Tipp City 12" (9.10.1995) The Amps - Pacer (30.10.1995) Wenig überraschend klingt das sehr nach den Breeders. Etwas roher. Melodien stehen nicht im Vordergrund. Wer die Platte noch nicht hat: Der Mono in München-Haidhausen hat die CD um €2,50. 8/10
The Kelley Deal 6000 - Go To The Sugar Altar (4.6.1996) Es fäng richtig toll an, mit dem Hit "Canyon". Ein paar weitere gelungene Song kommen noch, aber vieles ist nur Übungsraum-Gedaddel. Laut Obi-Strip waren The Kelley Deal 6000 im Dezember 1996 auch in Deutschland auf Tour. Wurde die Tour abgesagt? Wenn nein, warum war ich nicht da? 6/10.
The Josephine Wiggs Experience - Bon Bon Lifestyle (1996) Schwierig. Langsam. Folkiger Gesang. Die zugänglichern Tracks sind noch die instrumentalen, teilweise jazzig anghauchten. 4/10.
Climbing The Sun/Forced To Drive (Loho Version) 7" (1997) Breeders Digest Mailorder only und der Rest der Welt hat wenig versäumt, wie sich uns nicht-Mailorderer ein paar Jahre später zeite, als die beiden Tracks mit der "Huffer"-CD-Single in den regulären Handel kamen.
The Kelley Deal 6000 - Boom! Boom! Boom! (26.8.1997) Hier habe ich mich auf die die CD-Single "Brillo Hunt" beschränkt. Eingängige Melodie, fast kinderliedmäßig. Aber die durchwachsene Erfahrung mit "Go To The Sugar Altar" ließ mich dann wohl vom Albumkauf absehen. Wobei ich mich auch nicht erinnern kann, das Album jemals in einem Laden gesehen zu haben.
Off You 10" (25.3.2002) Mutig, einen langsamen und schwer zugänglichen Track als vorab-Single zu wählen.
Huffer CD-Single (29.4.2002) Das war schon her Material für die Indie-Disco.