Anlässlich des 25. Todestags von Kurt Cobain kann man schon mal einen Thread für Nirvana aufmachen finde ich.
Heute wird mir besonders bewusst, wie alt ich inzwischen geworden bin Ich war zwar 1994 erst 10 Jahre alt, kann mich aber noch ziemlich genau erinnern, wie über den Tod von Kurt Cobain berichtet wurde. Wir waren bei unseren Verwandten (für mich immer toll, weil die Kabelfernsehen hatten und wir nicht) und ich schaute wie immer mit meinen Cousinen und Cousins MTV (das amerikanische Original damals noch). Ich weiß noch, wie die Berichterstattung am frühen Mittag anfing und wir bis in die Abendstunden auf weitere Neuigkeiten gewartet haben. Meine Cousinen und Cousins waren am Boden zerstört, ich kannte die Band damals natürlich noch überhaupt nicht und hab erst einige Jahre später intensiv angefangen Nirvana zu hören. Trotzdem ist mir der Tag wirklich im Gedächtnis geblieben.
Nirvana gehört jetzt sicherlich nicht zu meinen absoluten Lieblingsbands, aber ich hab nie verstanden, warum viele sie als völlig überbewertet bezeichnet haben. Die Band war einfach mit ihrem Sound zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Um den medialen Hype haben Nirvana sicherlich nie gebeten. Und Kurt Cobain halte ich nach wie vor für einen sehr guten Songwriter, dessen Karriere zu verfolgen sicherlich extrem spannend gewesen wäre.
Neulich bin ich auf eine großartige Live-Demontage von "Love Buzz" gestoßen - vom Reading Festival 1992. Überhaupt ein sehr guter Auftritt, der die Band auf der Höhe zeigt - inklusive ikonischem "Krankengewand", das doch auf komisch-tragische Weise selbstironisch gewesen ist.
Hinsichtlich Nirvana kann man bei mir nur offene Türen einrennen - aber war auch eine meiner ersten wirklichen Lieblingsbands so mit 12 oder 13.
Klar, für meine Generation gab es damals kein Entkommen vor Nirvana. Selbstverständlich weiß ich noch, wann und wo ich zum ersten Mal einen Ton von der Band gehört habe ("Smells like teen spirit" als Neueinstieg in den Radiocharts, ausgerechnet mitten in meiner HipHop Phase), wie wir im Schullandheim zu "Nevermind" getanzt haben und natürlich wo mich die Todesnachricht von Kurt Cobain erreichte (bei der Rückkehr vom Schüleraustausch in Frankreich, während einer Pause auf einem Rasthof). Zur späteren musikalischen Emanzipation gehörte dann auch die eingeredete Gewissheit, dass Nirvana natürlich absolut überbewertet waren, entsprechend landeten die Alben in irgendeiner Kiste auf dem Dachboden bzw. wurden verkauft ("Unplugged in New York"). Mit der Gelassenheit des Alters habe ich mich erst in den letzten Monaten wieder sporadisch mit der Band befasst, die Kiste vom Dachboden geholt, ein paar Sachen (u.a. das großartige "Live at Reading") nachgekauft und viele Clips geschaut. Nicht nur eine schöne Zeitreise in die eigene Jugend, sondern musikalisch unerwartet lohnenswert. Mein Highlight ist ausgerechnet die einst verkaufte Unplugged Session. Beeindruckend, wie sich die Band auf dem Höhepunkt ihres Schaffens und teilweise sehr nervös (das ist auf den neuen "Unedited"-Videos gut zu sehen) allen Erwartungshaltungen verweigert, kaum Hits spielt, dafür gleich sechs Coverversionen, von denen drei von einem bestenfalls Insidern bekannten Album der Meat Puppets von 1984 entstammen, deren Gründer-Brüderpaar dafür mit auf die Bühne durfte. Zum Abschluss dann "Where did you sleep last night?" in der Version von Leadbelly. Vermutlich das wichtigste Einzelkonzert des ganzen Jahrzehnts.
Oh me (Meat Puppets Cover, Unedited)
Where did you sleep last night? (Leadbelly Cover, Unedited)
Es gibt eine Menge Hintergrundgeschichten über die Unplugged-Session, wie z.B. dass Kurt Cobain eigentlich krank war und fast gar nicht auftreten konnte. Es gab auch erhebliche Sound-Probleme, weil Dave Grohl seine Lautstärke nicht ausreichend drosseln konnte. Einige lautere Stücke aus dem Nirvana-Katalog konnten sie so nicht spielen, was ich damals wie heute sehr bedauere.
☟ smog in berlin. nichts wie hin. weil du mich küsst, bin ich kein tourist.
Kann man auch als Glücksfall sehen, der uns die originelle Setlist beschert hat. Aber ja, Dave Grohl ist schon sehr auf geringe Lautstärke bedacht, das sieht man ihm an. Lustig/originel/traurig/zynisch auch, dass sich Kurt Cobain während des Konzerts über den geforderten Preis für die Leadbelly Originalgitarre von einer halben Million Dollar amüsiert, während er eine Gitarre in der Hand hält, die 2020 mit dem Mindestgebot von einer Million Dollar versteigert werden soll.
Starkes Statement, aber wer möchte da widersprechen? Mist, ich bestelle mir die CD jetzt wieder, 23 Jahre nachdem ich sie verscherbelt habe. So was nervt fiskalpolitisch natürlich.
Die Rehearsal tracks wären ein netter Bonus, aber die gibt es nur digital oder auf Vinyl. Na super, was nun? Das ständige Lösen von First World Problems ist wirklich anstrengend. (Kann man das nicht outsorcen?) Egal, ja, ich nehme jetzt erstmal die DVD.
Ein neues Remaster nach nur 5 Jahren und eine Handvoll Konzert-Aufnahmen, eins davon (Live at the Paradiso, Amsterdam) auch als Blu-Ray - empfehlen kann man das wirklich nur Fans und KomplettistInnen. Das Großformatige Begleitbuch ist ein reines Foto-Album, teils mit den bekannten Bandfotos von damals, teils mit weniger bekannten - zusätzliche Informationen gibt es keine. Das vorherige Box-Set zum 25. Jubiläum ist in vielerlei Hinsicht ergiebiger.
Den Paradiso-Auftritt kannte ich schon von zahlreichen Bootlegs, aber die Videoaufnahme, ich nehme mal an für das niederländische Fernsehen gedreht, auf jeden Fall im 4:3-Format, kannte ich zumindest nicht in Gänze. Das macht einen alten Mann schon mal wehmütig, wegen der verpassten Gelegenheiten. Das Album, so totgenudelt es für viele sein mag, war vielleicht der wichtigste Gamechanger in meiner musikalischen Sozialisation. Ich musste mir seit je her dafür viele dumme Sprüche anhören, aber das hat mich nie interessiert. Der Trend hat mich ebensowenig interessiert, ich liebte einfach diese Band, egal ob sie gerade alle mochten oder eben nicht mehr mochten.
Die Produktion, so sehr vor allem Kurt Cobain damit gehadert hat, kann man noch immer zeitgemäß finden. Trotz aller Zugeständnisse haut der Sound heutzutage nicht weniger rein. Ich hätte gern einen komplett neuen Mix gehört, der den damaligen Ansprüchen der Band eher genügt hätte, aber ich kann trotzdem nicht sagen, dass ich den Mix, so wie man ihn kennt, nicht mögen würde - ganz im Gegenteil. Inwieweit sich dieses Remaster von dem letzten vor 5 Jahren unterscheidet, kann ich nicht wirklich beurteilen. Das ist mir auch nicht so wichtig.
Irgendwann in nächster Zeit höre ich mir die restlichen Live-Aufnahmen an. So oft höre ich sonst die Sachen nicht mehr, aber ich freue mich, mal wieder einen Anlass dafür zu haben.
Nirvana haben ihr letztes Konzert/ oder eines der Letzten in München gegeben. Und ich war da. Leider nur VOR der Halle, weil ich in meiner damaligen Naivität/Hochnäsigkeit dachte, man könne noch ein Abendticket bekommen.
Ja, ich hatte auch ein Ticket für Berlin. Was das ganze noch bitterer macht ist, dass zwei Jahre zuvor, zur Nevermind-Tour (Urge Overkill im Vorprogramm) mich noch ein Freund gefragt hatte, ob ich mit ihm da hingehen würde. Ich war 14 und hatte kein Geld und hatte überhaupt gerade erst meine ersten Konzert-Erfahrungen gemacht, und kannte auch das Album bis dahin noch nicht - war lediglich hellauf begeistert von "Teen Spirit". Ich darf gar nicht daran denken…
☟ smog in berlin. nichts wie hin. weil du mich küsst, bin ich kein tourist.
mir wären sie auch fast durch die lappen gegangen, als sie im rahmen des ersten "monsters of spex" in köln angekündigt waren und dann wurden sie an der niederländisch-deutschen grenze aufgehalten (dreimal dürft ihr raten warum) und es hieß erstmal, sie kämen nicht, aber dann haben sie es doch noch geschafft und sie haben sie noch irgendwie ins programm gequetscht und es war toll. "nevermind" war noch gar nicht draußen, aber man merkte bereits: da kommt großes auf uns zu.