Nach einem Jahr Pause durfte ich endlich zum 7. Mal zum wunderschönen Haldern Pop fahren, es ist immer so, als würde man irgendwie nach Hause kommen. Das Haldern Pop ist mein Festival-Zuhause. Zum ersten Mal habe ich nicht dort gecampt, sondern im Luxuhotel LFB residiert. Das Haldern ist zwar eines der Festivals, auf denen ich tatsächlich auch gerne campe, aber eine entspannte Dusche am Morgen, ein ausgedehntes Frühstück und ein weiches Bett sind nicht zu verachten. Danke dafür! :)
Am Donnerstag ging es dann in die Kirche. Obwohl...eigentlich habe ich zuerst diesen tollen Haldern Pop Shop für mich entdeckt, und gleich mal drei Platten gekauft. Da sage ich nur: Wenn man schon in einem Dorf wohnen will/soll/muss, dann sollte es Haldern sein! Es gibt einen wunderschönen Plattenladen, eine tolle Bar, und das beste Festival. Jedenfalls ist dieser Shop eine schöne, relativ neue Einrichtung.
Ach ja, die Kirche. Low Roar hatten mich beim Reinhören nicht unbedingt gepackt, aber doch neugierig gemacht. Und wie sich vor zwei Jahren zeigte, ist der Festivalbeginn in der Kirche etwas Besonderes. Gleichzeitig konnte man so vor der brütenden Hitze flüchten. Und, wie schon zwei Jahre zuvor, war es wieder der perfekte Start ins Wochenende! Ich habe immer noch keine Ahnung, was die da so gemacht haben, und gesehen habe ich auch nichts, aber Dat Blatt bringt es mit den Worten "Hier werden Postrock-Elemente mit minimalistischen Klängen kombiniert" dann wohl doch auf den Punkt. Live ist das eine feine Sache! Anspieltipp: Vampire On My Fridge.
Ambi und ich sind dann einfach mal noch sitzen geblieben, wurden von einer Freundin mit Wasser versorgt und haben geduldig auf Bear's Den gewartet. Die kamen dann auch und enttäuschten mich direkt mal. Vor zwei Jahren hatte ich sie schon im Spiegelzelt gesehen, damals war das noch ein großer Spaß. Jetzt war es eine lahme Show, und erst, als das Orchester einsetzte, wurde es etwas interessanter. Ich habe bei dem Auftritt vollkommen jeglichen Schwung vermisst. Die Leute haben trotzdem gejauchzt, während ich versucht habe, das Beste aus einer Kirchenbank heraus zu holen.
Danach haben wir dann mal den Marsch zum eigentlichen Festivalgelände angetreten. Da war es dann auch, das echte Haldern-Feeling. Man muss nur die Lohstraße hinauf gehen, und schon ist es da. Wunderbar! Ich bin ja eine AnnenMayKantereit-Mögerin, da ich sie aber schon zweimal in diesem Jahr gesehen habe, habe ich mir lieber erstmal ein Handbrot gegönnt. Für Dan Deacon war ich dann wieder bereit, und dieser lustige Typ macht einfach gute Laune, und war die perfekte Vorbereitung auf Bilderbuch. Deshalb ging es danach dann mit dem Squonk in die erste Reihe. Was gut ist, ist gut, und bleibt auch beim dritten Liveerlebnis in diesem Jahr gut. Die Jungs sind fein drauf, machen super Mucke und machen vor allem eine Menge Spaß!!
Zur späten Stunde folgte dann mein Tageshighlight. Public Service Broadcasting. Funktioniert nur mit Leinwand? Nix da. Ich stehe ja sehr auf die beiden Alben, das geht schon klar so! Natürlich war es aber live und mit Leinwand noch besser und erfreut durfte ich den Ansagen lauschen, die von einer Computerstimme getätigt wurden. Der Regenschauer hat dann auch nicht gestört und erst ein herabstürzender Ast der höher angesiedelten Größenordnung, der uns fast erschlagen hätte, holte mich wieder ganz in die Realität zurück.
2. Tag. Hauptbühnenzeit. Endlich. Aber zuvor: Spiegelzeltschlange, Ängste, und dann doch: geschafft! Villagers um 14 Uhr bei gefühlten 40°C im Zelt live. Ich habe die ruhige Stunde genossen, trotz Hitze. Conor O'Brien macht seine Sache gut. So wurde ich auch für das Konzert von vor zwei Jahren entschädigt, bei dem nervige Teenies das ganze Konzert über herum geblubbert haben.
Nun ging es wirklich zur Hauptbühne. Mammút. Mal was anderes. Hat Spaß gemacht, hat ein bissel gerockt, hat ein bisschen Schwung in den Tag gebracht, hätte meiner Meinung nach aber auch noch viel krachiger sein dürfen.
Danach dann Alcoholic Faith Mission. Für mich auch die dritte Liveshow der Band in diesem Jahr. Aber sie nutzen sich einfach kein Stück ab!! Kein bisschen! Vor allem war das Zusammenspiel mit Cantus Domus eine neue Note, die mir sehr gut gefallen hat. Außerdem bewundere ich immer wieder die Energie, die vor allem die Sängerin versprüht. Der Band hat es Spaß gemacht, und dem Publikum auch. Das war mal wieder ein frühes Vorhighlight! Schön auch, dass es dem Squonk so gut gefallen hat, diese Band braucht mehr Fans! :)
Für Olli Schulz habe ich mich dann wieder vor die Bühne gestellt. Ich mag ihn. Er ist einfach ein grundweg sympathischer Typ, der viel Quatsch erzählt, und schöne Songs schreibt und singt. Ich freue mich auch immer wieder über den Effekt, wenn Kat Frankie anfängt zu singen, und Olli Schulz etwas doof dasteht. Guter Humor dort auf der Bühne! Olli Schulz - Ein Gute-Laune-Garant!
Von den Savages wusste ich eigentlich nur, dass ich die Musik okay finde, und nicht wirklich viel darüber weiß. Aber erste Reihe, hey! Wie schon zuvor von meinen Festivalfreunden erwähnt: Die erste 40 Minuten sind anders, als der Rest. Ich finde sie gut, unterhaltsam, vor allem die neuen Songs wissen zu gefallen. Aber dann gibt es plötzlich eine super live Show, die einen hibbelig zurücklässt und einen daran erinnert, warum Konzerte und vor allem diese Überraschungen auf dem Haldern Pop so wundervoll sind. Das neue Album erhält auf jeden Fall eine Chance!
Ich bin dann mal schnell dem LFB ins Spiegelzelt hinterher gerannt, um Viet Cong zu sehen. Ein bisschen mehr hatte ich mir dort schon erhofft, krachig war's, laut, es gab pogende Menschen und 2-3 wirklich gute Songs. Für mich hat's funktioniert, aber ich brauche mehr Songs wie Continental Shelf.
Nach Viet Cong bin ich sehr schnell aus dem Zelt gerannt - Kiasmos rufen! Zum Glück haben sie etwas später angefangen, so habe ich so gut wie nichts verpasst und mich direkt unter die tanzende Menge gemischt. Den ambi konnte ich leider nicht mehr finden, also habe ich mich ganz der Musik gewidmet und mein bestes gegeben. Definitv das Higlight des Tages! Solche Acts dürfen gerne öfter nachts auf dem Haldern Pop spielen. Ich habe ja gar nicht so viel mit solcher Musik zu tun, aber manchmal, da gibt es Bands, die mich einfangen. Kiasmos und Weval gehören in diesem Jahr dazu.
Am Samstag geht es dann wieder früh los. Ich schwächle. Ein Liegestuhl rettet mich. Zu den letzten Klängen von Heisskalt (uah) stopfe ich mir noch die Oropax rein, das ertrage ich nicht. Danach wollte ich mir eigentlich aktiv The Districts anschauen, doch dann hat es nur für ein passives Zuhören gereicht. Kein Kaffee, kein Mate-Tee wusste mir zu helfen. Das wird keine Herzensband, aber live sind sie schon ein guter, mittäglicher Einstieg in den Festivaltag.
Danach raffe ich mich auf und erobere erneut das Spiegelzelt, The Bronze Medal werden auftreten. Der Platz hinterm Mischpult (hinterm Ventilator) war sehr angenehm, die Musik war gut, nur leider fehlte das gewisse Etwas. Die Band schien nicht gerade spielfreudig zu sein, die Ansangen waren lahm. Da fehlte ein bisschen der Charme. Funktioniert dann vielleicht doch abends, oder in einem noch kleineren Club besser. Schade drum.
Danach wollte ich nicht so richtig zuhören, stattdessen bin ich etwas über das Gelände geeiert und habe es dann tatsächlich verpasst, bei The Slow Show in der ersten Reihe zu stehen. Na ja. Zweite Reihe geht auch. Während des Wartens begann es wieder zu regnen. Der Regen wurde stärker. Und noch stärker. Und dann waren wir nass. Aber was tut man nicht alles für The Slow Show. Die Band durfte ja mit Chor und Orchester auftreten, und es war wunderschön und wundervoll und bärenstark und die Menschenmasse in den bunten Regenklamotten hat es geliebt. Schön! Hätte mich im Dunkeln wohl noch etwas glücklicher gemacht. So war ich aber immerhin glücklich genug, um aufgeben zu wollen. Ich war nass. Ich wollte nicht mehr. Aber: Es ging ins Zelt, Freeman ist der beste Motivator ;) Zum Glück wusste ich schon, was für eine Grusel-Kombo mich mit Tour Of Tours erwarten würde, also habe ich mich komplett auf das Trocknen konzentriert. Das Trocknen hat nicht funktioniert, aber von der Musik habe ich zum Glück wirklich nicht so viel mitbekommen. Ich konnte lediglich wieder feststellen: Bah bah bah! Bei Iceage habe ich das Trocknen weiter entwickelt, die Musik war ganz gut, der Körper war aber noch immer klamm und kalt. Doch dann endlich, bei Courtney Barnett, konnte ich das Trocknen beim aufopferungsvollen Pogen zum letzten Song perfektionieren. Gute Show. 45 Minuten einfach nur gute Songs. Sympatische Courtney, perfekter Festivalabschluss.
Erwähnt werden soll natürlich noch, dass die 5 anwesenden Herren das Festival sehr bereichert haben! Es war mir eine Freude! Am 1. Oktober wird das Ticket für das nächste Jahr gekauft. Wer ist dabei? :)
Und trotzdem habe ich den LFB öfter gesehen, als dich! ;) Hmm aber stimmt schon, irgendwie hörst du, LFB, dann doch eher die DMA's und ich Alcoholic Faith Mission...
Vorab: Keine Ahnung, warum die Fotos alle im Querformat angezeigt werden. Ich lasse sie aber trotzdem mal drin.
Haldern.
Es war ein für mich kurzfristig arrangiertes Vergnügen und ich war froh doch dabeigewesen zu sein, hätte ich es mir kaum verzeihen können auf Savages oder Nils Frahm zu verzichten. Zunächst einmal gewinnt das Haldern, welches das stärkste Line-Up seit meinem ersten Besuch 2011 am Start hatte, auch durch das Begleiter-Line-Up und die Gastfreundschaft der LFB-Familie. Mein viertes Haldern ist somit auch gut möglich mein liebstes gewesen, auch wenn mir musikalisch andere Festivals doch wesentlich näher wären, aber auf elektronisches wie gerapptes konnte ja auch gebaut werden.
Der sonnendurchflutete Donnerstag begann in der Kirche, wo sich Low Roar die Ehre gaben. Nun vernahm das Auge nicht besonders viel, das Ohr allerdings wusste zumindest am Anfang und am Ende bezirzt zu werden als etwas mehr mit dem Schlagzeug gearbeitet wurde, und das akustische Gejaule etwas von den "Beats" verdrängt wurde. Trotzdem ein netter Auftakt. Lust auf mehr wurde gemacht. Das Dorf ist mittlerweile um einen kleinen Plattenladen reicher, eine Institution, die nun wirklich jedem steht. Im Anschluss runter aufs Gelände, wo White Fence auf der mittelgroßen Stage, die an Tag das noch nicht geöffnete Hauptgelände vertritt, an den Start gingen. Netter schrammeliger 60s-Quengel-Rock, gefiel mir live dann sogar besser als beim reinhören, und die Giitarristin (wohl nach Recherche nur als Live-Aushilfe verpflichtet) gewann den cuteness-award, allerdings durfte ich ihr diesen nicht verleihen, es musste schonmal ins Spiegelzelt...
Dort musste ich erst einiges ertragen, bevor ich mich an Reihe 1 heranrobbte. Dotan hieß das musikalische Verbrechen, diese Ödnislandschaft der "ooooh oooooh ooooh"s ein dahergrinsendes Stück Power-Folk-Indie-Schmindie, welches den Mädchen zu meiner rechten Sätze wie "die Stimme ist soooo schön" und "boah, und geil sieht der aus" ausspucken ließ. Grauenhaft. Als das überstanden war, stellte ich mich mit dem realen Neo in die erste Reihe zum ersten Highlight Ibeyi. Man muss die spirituell aufgeladenen Texte ignorieren, dann erhält man eine auch auf Albumlänge hübsche Mischung aus R&B und verscheppten Electrobeats. Dazu bin ich ein riesengroßer Fan der Cajon und eine solche wurde für allerlei rhytmisches Experiment genutzt. Sehr gerne.
Dann ging es bereits wieder raus, das Zelt sollte ausnahmsweise nicht der Hauptdarsteller des Wochenendes blieben, trotz Courtney. Aber oweit sind wir ja noch nicht. Nach einem famosen Handbrot war Dan Deacon an der Reihe, ein Kumpel von Flying Lotus und optisch eher einer für den Maxmillion-Dunbar-Ähnlichkeitswettbewerb. Der Epilepsie fördernde Wummta-Electro ist durchaus unterhaltsam und treibend, das muss man ihm lassen. Dann wurde auf Bilderbuch gewartet, die genau ablieferten, was ich mir erhoffte. Laut Neo reicht ein "wird nicht meine Lieblingsband" schon zum tödlichen Diss, ich hatte aber meinen Spaß.
Zum Abschluss noch das Tageshighlight: Public Service Boradcasting. Um kurz nach 2 noch diese wirren Instrumentals und Bandansagen, dazu die famos zusammengeschnittenen Visuals, das wirkte wie die Bestzeit von the29nov films, wenn die Archive ausgegraben werden und zu jeweils einem Thema passendes zusammengetüftelt wird. Live auf jeden Fall eine Empfehlung, auf Platte fehlt halt leider was. Oder eben die Videos dazu geben. Super war es. Ach ja, danach wären wir alle fast von einem fetten Ast erschlagen worden. Eine prägende Nahtoterahrung später legte ich mich sanft neben squonk und schlief ein.
Der Freitag wurde Gott sei Dank der Tag der Tage. Nach einem weiteren Marsch zum Dorf und einem kurzen gruseln ob der schauderhaften Villagers auf der Leinwand, wurde im Anschluss die Hauptbühne eingeweiht, vor der the magic happened #mtvcribs Mammut war der Hitze und Sonne nicht gerecht werdender Groß-Gesten-Düster-Pop, aber irgendwie sympathisch genug, um nicht einzuschlafen. Alcoholic Faith Mission war dann so ziemlich das komplett andere Spektrum an Musik, die ich sonst so höre, grinsiger, aufgeblasener Power-Orchester-Pop mit übereifriger "guckt mal wie emotional ich bin"-Sängerin. Ja nu. Unterhaltsam, klar. Aber die Musik, naja.... Großartig wurde es danach, Kate Tempest läutete endgültig einen großen Festivaltag ein. Mit welcher Fequenz sie ihre Texte ausspuckt ist der Wahnsinn, wie sicher ihre Technik, wie beeindruckend die Attitüde, einfach super. Der Rasta-Strahlemann am Drumpad hatte auch seinen Spaß, speiste ein paar ordentliche Beats in Kates dringlichen Vortrag. Mich erinnert das irgendwie an den guten Saul Williams, der ja auch aus dem poetry slam und spoken word Zirkus in den Rap kam. Sehr fein. Mal was anderes auf dem Haldern.
Anschließend kam Ollie Schulz und mit ihm Konfettikanonen und bunte Bälle. Baucht das wer? Mir reichen seine Geschichten völlig, ich mag ihn ja schon ganz gerne, zumal ich viele seiner Ansichten über das Leben teile und er ein feiner Erzähler ist. Im Fahrwasser dieser Sympathie ersäuft die Musik dann aber doch, denn mal ehrlich, würde da jemand anderes auf der Bühne stehen und derartiges Liedgut wagen, ich würde durchdrehen. So nehme ich das alles wohlwollend zur Kenntnis, ich hatte meinen Spaß, aber ein guter Songwriter oder Sänger ist der Mann eben leider nicht.
Mein Highlight aller Highlights und the main reason für dieses ganze Wochenende folgte im Anschluss und ich muss sagen, dass ich wirklich keinen Millimeter verstehe, wo der Rest einen Unterschied zum Beginn des Konzertes und dem Ende ausmacht. Musikalisch. Wem der Anfang nicht gefiel, sollte den Rest eigentlich auch nicht groß anders finden, die Show ausgenommen. Ich hingegen war von Anfang bis Ende ganz der Fanboy. Savages legten ein Brett an Show aufs Parkett, begannen mit "Shut Up", und "City's Full", und wir hatten wirklich großes Glück was den Sound angeht. Tanzend erinnerte ich mich daran noch vor dem Konzert zu sagen: "Ein paar neue Song wären super, gespielt haben sie auch schon welche, aber das Album ist noch nichtmal angekündigt, und wir sind auf einem Festival. Schnörbz." Naja, schnörbz habe ich nur gedacht, aber die Sorge war unberechtigt, gleich 4 (!!!!) neue Songs, alle hintereinander. Mutig irgendwie, aber wer kann, der soll und um die Zukunft der Band und vor allem um das zweite Album mache ich mir keine Sorgen. Gerade "Sad Person" (die Drums, die DRUMS!) und "I Need Something New" (wie schön das passt!) hauten ordentlich rein, ich war entzückt. Aber als Hit-Hure wartete ich sehnsüchtig auf "Husbands", und sollte nicht enttäuscht werden. Zu dem Zeitpunkt kletterte Jenny bereits das zweite Mal ins Publikum und als ich erst ihren Schritt und dann ihren Hintern im Gesicht hatte, war ich nur minimal verwirrt. Nunja. Die Klettereinlage wurde zu einem Monstrum an Finale und besser konnte es an dem Abend ohnehin nicht mehr werden.
Nils Frahm aber gab sich große Mühe, wundervolles Set, man baute ihm quasi ein Tonstudio auf die Bühne, mal bekam er Unterstützung, mal spielte er auf zwei Klavieren gleichzeitig, zwischendrin setzte er Beats ein und modulierte alles erdenkliche an Klängen, die er aus seinen Insrumenten herausholte. Toll. Der Kontrast zum direkt vorher stattfindenen Savages-Konzert könnte größer nicht sein. Mutige Beslottung (klingt, als würde man in Polen mit Geld beworfen werden). Endlich kann ich hier mal einen Haen machen. Guter Mann! Gänsehaut! Ihr habt was verpasst.
Anschließend ging es ins Spiegelzelt, was dann wesentlich leichter war als gedacht. Viet Cong ist dann wieder eine Band, die ich auf Platte deutlich lieber höre als live. Im verschwitzten und abgedunkelten Spiegelzelt türmten sich die tanzenden Leiber zwar, und als ich dann den LFB und die Lisn and und weiter vorne weitermachte, hatte auch ich großen Spaß, aber die ewig langen Outtros haben dem Trommelfell einiges abverlangt. Trotzdem eine runde Sache. Da ich acht Stunden vor der Hauptbühne stand, wollte ich jetzt endlich mal sitzen und genehmigte mir das kühle, lockere Cocktailfrüchtchen Tora. War okay, hätte aber lieber Kiasmos gesehen.
Am Samstag wollte ich dann endlich mal ins Tonstudio, irgendwie hatte ich bei keinem Haldern-Besuch bislang die Möglichkeit und die Erfahrung mag ich jetzt nicht mehr missen. Etwas abgelegen hinter dem Campingplatz wurde das Tonstudio, ein Raum für nicht mehr als 40 (?) Leute mal eben zum Konzertsaal, alle auf dem Boden (ich sollte mehr Sport machen) saßen im Aufnahmeraum so ca. 3 cm vor den Musikern. Zuerst spielte eine neu formierte ungarische "Blues"-Kapelle mit interessanter Instrumentenwahl und einem verschwitzten Sänger irgendwo zwischen Cocker und Waits. Hat mir - wohl aber auch aufgrund der sehr intimen Atmosphäre - besser gefallen als gedacht: Terra Profunda. Im Anschluss dann zwei Typen aus Deutschland, die Piano und Computer verschmelzten, einer spielte, der andere... auch, nur, dass er das Klavier mit seinem Laptop steuerte, und Klanghölzer wie Samples aus dem Instrument herausholte. Insgesamt recht herrkömmlich in der Ausführung, ich fand es aber echt ganz hübsch: Grandbrothers
Nach einem Ausflug ins Dorf brach der Monsun über uns herein und ich stiefelte erstmal allein zurück, wrang nach einem zu langen Marsch mein Hemd aus, war bis auf die Organe nassgeregnet und schwer genervt, der gute Neo allerdings brachte mir später einen Regenponcho, der gute! Father John Mistys Texte übers saufen und ficken gehen gut runter, der schwarze Humor ebenso, das country-eske Blues-Gerocke missfällt dann eher, aber man musste sich ja trocken tanzen. Zu The Slow Show und dem orkanartigen Regen trafen wir uns wieder, spielten das "in wessen Schuhen ist mehr Wasser"-Spiel und warteten mit zunächst 15 Leuten auf das Konzert. Letztlich wurde es dennoch knallevoll. Schön war es! Dass ich dann noch kurz Internetempfang hatte und sah, dass wir Gladbach 4-0 geputzt haben, half ein bisschen....
Dann wollte ich ins Zelt, alles lief auf Courtney hinaus, und um das in gewohnter front-row-Manier zu begutachten, musste Tour Of Tours oder so überstanden werden. Eine Supergroup auserkoren uns das schunkeln zu lehren, countryesker Schrott, pöbelig lalala'esker Gute-Laune-Quatsch. Nope. Dann kletterten neo und ich zu Iceage nach vorne. Ich mag das aktuelle Album ja am liebsten, welches ihren eigentlich strammen Post-Punk etwas aufbricht, Streicher, Bläser, etc. Leider war davon nicht viel zu hören. Trotzdem. Gerockt wie Sau. Thumbs up. Courtney Barnett war dann der wirklich perfekte Abschluss eines schönen Wochenendes. Ich herze sie ja einfach zu gern. Viele Hits habe ich bekommen, nicht so schwer, wenn man gar nichts anderes hat. Mit "Pedestrian At Best" ging es dann ins fulminante Endspiel. Einfach. Nur. Groß.
Heute ist der vierte Line-Up-Trailer online gegangen. Unabhängig davon, dass ich mir dieses Jahr sowieso eine Haldern-Pause verordnet habe ist das Line-Up bisher meiner Meinung nach extrem enttäuschend. Zumindest rechtfertigt es aktuell ganz sicher nicht den Ticketpreis. Eine bunte Mischung aus "kennt kein Mensch" (ist ja durchaus lobenswert) und "schon zig mal da gewesen". Vom Namen her würde mich keine einzige bisher bestätigte Band in Verzückung versetzen.