Ich teile die Ansichten des Autors und finde es schade, dass die Diskussion darüber so ins Extreme abgeleitet. Ab wann hat sich die Gedankenwelt und/oder die Haltung in der Gesellschaft so verändert, dass grundsätzlich ausgeschlossen wird, dass diese "kulturelle Aneignung" auch als Ehrung oder Hommage oder wie man es nennen mag gemeint sein kann?
http://www.last.fm/de/user/DerWaechter ehemaliger Influencer * Downtown * Radebrecht * "Die einzige Bevölkerungsgruppe, die man risikolos beleidigen kann, sind die Dummen. Da fühlt sich nie einer angegriffen." (Ronja von Rönne) “The sex and drugs have gone and now it’s just the rock ‘n’ roll” (Shaun Ryder)
würde ich dem gedankenkonstrukt der kulturellen aneignung folgen, müsste ich schon mal geschätzte 90 % meiner plattensammlung entsorgen (vielleicht auch mehr).
ich hoffe nur, dass sich diese auswüchse hier nicht allzu stark breitmachen.
Problematisch an der Kritik "kulturelle Aneignung" ist ja die Grundannahme: Es gibt Kuturen, die zum Teil auch noch an Biologismen geknüpft werden, die eine authentische und nur ihnen eigene Kultur haben. Das ist natürlich Unsinn und erinnert nicht zu Unrecht an die Konzepte der Rechtsextremen.
Richtig ist natürlich, dass in der Marktwirtschaft alles ausgebeutet wird - von denen, die es können. Und so wie der Afrikaner nur ein paar Krümel vom Kuchen abbekommt, so kriegt auch der lohnabhängige Arbeiter nur ein paar Krümel ab - wenn man "seine Kultur" ausbeutet (und auch sonst). Das ändert man aber nicht dadurch, dass man Kate Perry anklagt und die sich ab heute nur noch arisch und teuer kleidet.
Und btw.: Nordamerika hat nach der Theorie der kulturellen Aneignung gar keine eigene Kultur. Da gibt es ein paar native Americans - die schon!, der Rest sind Einwanderer aus aller Welt. Dann ist es zum Beispiel auch ein Undig, dass sich die deutschen Einwanderer und deren Nachkommen die englische Sprache angeeignet haben und Burger essen, statt Sauerkraut und Eisbein, so wie wir Kultur- und Biodeutschen das seit Jahr und Tag machen und daran wird sich auch nichts ändern. Oder trägt einer von euch etwa kein Dirndl, sondern eine Bluejeans?
"Der Nationalsozialismus hat sich vorsichtig, in kleinen Dosen, durchgesetzt – man hat immer ein bisschen gewartet, bis das Gewissen der Welt die nächste Dosis vertrug." Stefan Zweig
es gibt formen der aneignung, die ich aufgrund ihrer oberflächlichkeit tendenziell als respektlos und manchmal sogar als kulturchauvinistisch werte. hier wird aber offenbar künstlich ein pavlovsches reiz-reaktionsschema vom zaun gebrochen. manche brauchen das offenbar.
☟ smog in berlin. nichts wie hin. weil du mich küsst, bin ich kein tourist.
Zitat von Lumich im Beitrag #4es gibt formen der aneignung, die ich aufgrund ihrer oberflächlichkeit tendenziell als respektlos und manchmal sogar als kulturchauvinistisch werte.
Was wäre das zum Beispiel? Ich kann mir da nichts drunter vorstellen.
"Der Nationalsozialismus hat sich vorsichtig, in kleinen Dosen, durchgesetzt – man hat immer ein bisschen gewartet, bis das Gewissen der Welt die nächste Dosis vertrug." Stefan Zweig
Davon abgesehen, daß ich bei solchem Geschwafel allgemein mittlerweile nur noch schwallartig erbrechen will:
was wäre Deutschland ohne kulturelle Aneignung? Ich glaube nicht, daß ich darin auch nur einen Tag länger leben möchte.
Davon abgesehen: ich kann nichts dafür, männlich und weiß zu sein. Ich habe auch nicht nach einem "White Privilege" verlangt. Wenn es nach mir ginge, bräuchte ich keines. Und ich war noch nie ein verdammter Rassist. Trotzdem hat die Selbstkasteiung vieler sich als "links" dünkender Weißer mittlerweile Formen angenommen, die nur noch grotesk sind. Und warum? Gibt es solch einen Aufschrei auch, wenn Schwarze Country Music spielen? Oder Death Metal?
We don't believe in anything we dont stand for nothing. We got no "V" for victory cause we know things are tougher.
(Iggy Pop/James Williamson: "Beyond The Law")
---------------------------------------------------------------- From the river to shut the fuck up.
moooment! death metal ist eine spielart der rockmusik, die wiederum vom blues und jazz abstammt, d.h. auch wieder nur geklaut!! also aufgepasst!!! da hast du ganz schnell einen shitstorm am hals!!!!!
bestes bespiel, von welchem ich neulich gelesen habe. eine uni-mensa in den usa wollte dem hohen anteil asienstämmiger studenten ... sorry, studierenden rechnung tragen bzw. was gutes tun und hat die speisekarte entsprechend erweitert. resultat: kollektiver aufschrei wg. kultureller aneignung. ist ja logisch. nur asiaten haben das moralische recht asiatisch zu kochen.
ich glaube ja, dass der anteil von blues und jazz in death metal eher homöopathisch zu nennen ist. dieses und verwandte genres haben sich seit den durchaus bluesgeschwängerten hardrockzeiten konsequent von der schwarzen musik wegbewegt, und sind meines erachtens mittlerweile weitaus näher an der europäischen kunstmusik sowohl des barock als auch des 20.jahrhunderts als an lightnin hopkins und robert johnson. wobei ich ja schon ritchie blackmores bach-gitarrensoli als unzulässige kulturelle aneignung empfunden habe...
Zitat von King Bronkowitz im Beitrag #6Davon abgesehen, daß ich bei solchem Geschwafel allgemein mittlerweile nur noch schwallartig erbrechen will:
Was meinst Du? Wessen Geschwafel?
http://www.last.fm/de/user/DerWaechter ehemaliger Influencer * Downtown * Radebrecht * "Die einzige Bevölkerungsgruppe, die man risikolos beleidigen kann, sind die Dummen. Da fühlt sich nie einer angegriffen." (Ronja von Rönne) “The sex and drugs have gone and now it’s just the rock ‘n’ roll” (Shaun Ryder)
Zitat von Lumich im Beitrag #4es gibt formen der aneignung, die ich aufgrund ihrer oberflächlichkeit tendenziell als respektlos und manchmal sogar als kulturchauvinistisch werte.
Was wäre das zum Beispiel? Ich kann mir da nichts drunter vorstellen.
spontan fällt mir madonna ein, die in den spät-90ern tanz-gestiken aus indien übernommen hatte. ich glaube das war u.a. im video von "frozen". das kam bei einem teil der indischen bevölkerung gar nicht gut an, weil jedem einzelnen dieser gesten eine bestimmte bedeutung in einer (mindestens) jahrhunderte alten tradition zugewiesen wird. ich kann sehr gut verstehen, dass diese form der aneignung als vulgär und respektlos empfunden wurde, was nicht heissen soll, dass eine künstlerische auseinandersetzung durch eine westliche künstlerin grundsätzlich verwerflich wäre. in diesem fall jedoch werden symbole übernommen, ohne sich auch nur eine sekunde mit deren bedeutungen und hintergründen auseinander zu setzen.
☟ smog in berlin. nichts wie hin. weil du mich küsst, bin ich kein tourist.
Zitat von Lumich im Beitrag #4es gibt formen der aneignung, die ich aufgrund ihrer oberflächlichkeit tendenziell als respektlos und manchmal sogar als kulturchauvinistisch werte.
Was wäre das zum Beispiel? Ich kann mir da nichts drunter vorstellen.
spontan fällt mir madonna ein, die in den spät-90ern tanz-gestiken aus indien übernommen hatte. ich glaube das war u.a. im video von "frozen". das kam bei einem teil der indischen bevölkerung gar nicht gut an, weil jedem einzelnen dieser gesten eine bestimmte bedeutung in einer (mindestens) jahrhunderte alten tradition zugewiesen wird. ich kann sehr gut verstehen, dass diese form der aneignung als vulgär und respektlos empfunden wurde, was nicht heissen soll, dass eine künstlerische auseinandersetzung durch eine westliche künstlerin grundsätzlich verwerflich wäre. in diesem fall jedoch werden symbole übernommen, ohne sich auch nur eine sekunde mit deren bedeutungen und hintergründen auseinander zu setzen.
Das ist ein gutes Beispiel. In dem Fall ist eine Kritik auch durchaus berechtigt, würde ich sagen, und es vergibt sich ja auch niemand etwas, wenn man auf diesen Tanz verzichtet.
Dass ist wie mit dem Zigeuner-Schnitzel. Wenn die Sinti und Roma darum bitten, dass nicht mehr zu sagen, dann lässt man es halt. Das ist ja kein Problem und niemand verliert etwas, wenn man eine Speise umbenennt.
Und Apropo Madonna. Gab es in den 80ern nicht auch einen Streit darum, ab man Kruzixe als reines Modeaccessoire verwenden dürfen solle? Das war je dann auch schon Art Diskussion um kulturelle Aneignung.
Noch eine weitere Anmerkung: Das eine ist ja die Kritik und auf etwas aufmerksam zu machen - das kann man ja machen und mal drüber diskutieren, das schadet ja eigentlich nie, wenn man mal auf Previlegien aufmerksam macht, auf kulturelle Praktiken, auf legitime und illegitime Praktiken der kulturellen Aneignung usw. usf.
Das andere ist aber die Art und Weise: Auf vermeintliche kulturelle Aneignung gleich mit Shitstorm, Boykott usw. zu antworten und Menschen zu Tätern zu machen, die sich dann entschuldigen und erniedrigen müssen, finde ich inadäquat - genauso wie Reaktionen auf Kritik, die dann gleich die Kritiker als Deppen, PC-Polizei oder sonstiges hinstellen. Das ist kein zivilisierter Umgang und ersteres ist allein als Reaktion auf Rassissten (AfD, Neonazis, KKK, Rechtsradikale usw.) und Diskriminierungen legitim (mmn), denn die stehen außerhalb des demokratischen Spektrums und vertreten antidemokratische Werte.
"Der Nationalsozialismus hat sich vorsichtig, in kleinen Dosen, durchgesetzt – man hat immer ein bisschen gewartet, bis das Gewissen der Welt die nächste Dosis vertrug." Stefan Zweig
Zitat von Mirabello im Beitrag #14 Das andere ist aber die Art und Weise: Gleich mit Shitstorm, Boykott usw. zu antworten und Menschen zu Tätern zu machen, die sich dann entschuldigen und erniedrigen müssen, finde ich inadäquat - genauso wie Reaktionen auf Kritik, die dann gleich die Kritiker als Deppen, PC-Polizei oder sonstiges hinstellen. Das ist kein zivilisierter Umgang und ersteres ist allein als Reaktion auf Rassissten und Diskriminierungen legitim (mmn).
Das eine folgt aber unweigerlich aus dem anderen. Wer Shitstorme, Boykotte und ähnliches gegen "Rassisten" und "Diskriminierungen" legitimiert und gewissen Gruppierungen dann auch noch die Entscheidungshoheit darüber lässt, wer denn alles ein Rassist sei oder was eine Diskriminierung darstelle, der darf sich nicht darüber wundern, dass die Sache außer Kontrolle gerät. Analog dazu kann man beispielsweise nicht Übergriffe gegen die AfD oder Trump-Anhänger dulden und sich dann darüber empören, wenn der durch Duldung einmal entfesselte Mob Chaostage in Hamburg veranstaltet oder den Lehrbetrieb an US-Unis inzwischen beständig stört. "Wasch mich, aber mach mich nicht nass", das kann auf Dauer nicht funktionieren.