das einzige, was ich von TF wirklich kenne, und dafür aber auch liebe, ist dieser grandiose koitus zwischen exaltierter verlebtheit und stoischer begleitband:
Zitat von LFB im Beitrag #1010The La's Natürlich ist das einfach eine zu tolle Geschichte, deshalb gehen ihr auch anlässlich jeden Remasters dieses einen Albums wieder viel zu viele Kritikerinnen und Kritiker auf den Leim: Lee Mavers, das schüchterne, perfektionistische Genie, das es nie verwunden hat, dass das Debütalbum seiner Band vom Label ohne seine Zustimmung als unfertige Songsammlung veröffentlicht wurde (weshalb es auch trotz hoher Erwartungshaltung weitgehend floppte) und der so unter diesem Vertrauensbruch litt, dass er sich fast komplett zurückzog und bis heute keinen einzigen Ton mehr veröffentlichte. Zahlreiche Rohdiamanten von Songs bleiben deshalb wohl auf Dauer unveröffentlicht, künden aber von der Weltkarriere, die der Band in einer gerechteren Welt eigentlich zustand.
Ich habe mir heute abend aber wirklich mal die Mühe gemacht und mich durch die ganzen Alternativversionen und unveröffentlichten Songs gehört und fand das insgesamt schon sehr ernüchternd. Die Geschichte vom halbfertigen Album? Für mich ein Mythos und vielleicht auch eine Schutzbehauptung, weil Mavers um die Schwächen seines Outputs wusste und kein Produzent dieser Welt daraus mehr als ein okayes Album hätte machen können. Eine Band, die zwischen C86, Madchester und der Britpop-Welle stilistisch von Anfang an auf verlorenem Posten stand und die einfach (zumindest bei den Sessions, die zum Album führten) zu wenige wirklich gute Songs hatte. Klar, "There she goes" ist ein perfekter Popsong, aber dann ist es schon "a long way back" zu den anderen hörenswerten Stücken: "Son of a gun" und "Way out" haben noch tolle Refrains und "Looking glass" bietet die ganze Dramatik, die man sich von einem großen Albumcloser wünscht. Aber sonst? Mediokre Songs, zu viele Füller ("Feelin'", "I.O.U.", "Freedom Song") und wenn es rockig wird ("Failure") ist Fremdschämen eine sinnvolle Option. Wenn ich mir dazu Liveclips der Band von damals anschaue, verfestigt sich der Eindruck: Ein musikalisches one trick pony, dessen Trademark-Sound die Violent Femmes sieben Jahre vorher schon packender beherrschten. Klar, "nix anfangen" wäre trotzdem übertrieben und wenn ich die schwächeren 50% des Albums gegen die drei besten B-Seiten und Outtakes eintausche ("All by myself" , "Who knows" und das wunderbare Outtake "Something I said"), dann sind das insgesamt knapp 30 Minuten guter bis sehr guter Musik, aber die haben unzählige andere Bands auch aufgenommen, ohne dass ihnen ein Bruchteil dieser Heiligenverehrung zu Teil wurde.
Dass du dich ausführlich mit einer Demotape-Sammlung auseinandergesetzt hast, deutet doch darauf hin, dass du mit ihnen wesentlich mehr anfangen kannst als die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung. Von der Heiligenverehrung habe ich nichts mitbekommen (nich dass ich deren Existenz bestreiten würden, aber in klein genugem Ausmaß gibt es die wahrscheinlich für jede Band, selbst die von meinem Cousin), für mich waren die La's immer ein one hit Wonder. "There she goes" ist ein wunderbarer Klassiker, aber sonst kenne kenne ich keinen einzigen Song von ihnen. Dabei habe ich sogar mehrere im Regal stehen: Feelin'/Doledrum auf 7", Come In Come Out, Open Your Heart, Son of a gun, Son of a gun (demo) und Timeless Melody auf verschiedenen Various-Artists-Compilations.
Gegen einen Konsens, dass Teenage Fanclub eine der langweiligeren Britpop-Bands waren, wehre ich mich entschieden. Von ihren perfekten Popsongs können die meisten anderen Bands nur träumen. Wobei ich zugeben muss, dass sie schon arg harmonisch sind, was mich bei anderen Bands nervt, aber es ist eben eine Frage der Nuancen. Und bei letzten LP habe ich dann auch langsam das Interesse verloren. Bassist Gerard Love wohl auch, der verließ die Band.
Zitat von tenno im Beitrag #1025das einzige, was ich von TF wirklich kenne, und dafür aber auch liebe, ist dieser grandiose koitus zwischen exaltierter verlebtheit und stoischer begleitband:
Kim Fowley, ein grandioser Selbstdarsteller und mediokrer Musiker, "the Trip" ist trotzdem toll.
Zitat von Anorak Twin im Beitrag #1026 Dass du dich ausführlich mit einer Demotape-Sammlung auseinandergesetzt hast, deutet doch darauf hin, dass du mit ihnen wesentlich mehr anfangen kannst als die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung. Von der Heiligenverehrung habe ich nichts mitbekommen (nich dass ich deren Existenz bestreiten würden, aber in klein genugem Ausmaß gibt es die wahrscheinlich für jede Band, selbst die von meinem Cousin).
Die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung ist natürlich auch ein dankbarer Vergleichsmaßstab. Bei mir war der Grund für das Interesse ja gerade nicht die eigene Begeisterung, sondern dass ich selbige nur aufgrund des Albums nie ganz nachvollziehen konnte und dem Mythos endlich mal auf den Grund gehen wollte. Ich möchte die Band deines Cousins nicht herabwürdigen, aber dass Lee Mavers von so ziemlich jedem namhaften britischen Musiker der letzten 40 Jahre als Ausnahmetalent beschrieben wird (na gut, im wesentlichen waren/sind es vor allem Morrissey, Johnny Marr, Paul Weller, die beiden Gallagher Brüder, Peter Doherty, seine ehemaligen Mitstreiter und die namhafte Produzentenriege, die er damals gequält hat) spricht schon für eine gewisse Verklärung der Band, genauso der Umstand, dass sämtliche namhafte Publikationen das Album noch heute ausnahmslos positiv bewerten (daneben findet es sich ja auch in 1001 Albums You Must Hear Before You Die und NME the 500 Greatest Albums of All Time) und in den letzten Jahrzehnten bemüht waren, Mavers aufzutreiben, wobei es über eine solche jahrelange Suche sogar ein Buch gibt.
Ich habe mir übrigens noch ein paar überwiegend verwackelte Aufnahmen des Phantoms aus den Jahren 2005 und 2011 (seither ist er nicht mehr aufgetreten) angeschaut und vermute, dass er stimmlich einfach nicht mehr in der Lage ist, die bisher unveröffentlichten Songs zu seiner eigenen Zufriedenheit einzusingen. Das zweite Album wird also ein Mythos bleiben.
Zitat von LFB im Beitrag #1028Lee Mavers von so ziemlich jedem namhaften britischen Musiker der letzten 40 Jahre als Ausnahmetalent beschrieben wird (na gut, im wesentlichen waren/sind es vor allem Morrissey, Johnny Marr, Paul Weller, die beiden Gallagher Brüder, Peter Doherty,
OK, jetzt verstehe ich. Das hohe Lob von denen war mir nicht bekannt. Das ist dann eine ähnlicher Fall wie bei mir mit Mott The Hoople: Auf die berufen sich Musiker, die ich sehr schätze, wie Mick Jones von The Clash, mir geben sie aber, außer "All the Young Dudes" und mit gutem Willen noch "Roll Away the Stone", nichts.
Irgendwie muss ich da immer wegdrücken, dabei müsste ich die Musik mögen. Gestern auch wieder. Habe Feist gehört, dann hat Spotify automatisch weitergemacht und das Lied hat mich total genervt. Siehe da: Es war Nick Drake.
Die letzten Sechs in der Playlist: Honeyglaze - Real Deal || Laura Marling - Patterns In Repeat || Nieve Ella - Watch It Ache and Bleed || Dawn Richard & Spencer Zahn - Quiet In a World Full of Noise || Flip Top Head - Up Like a Weather Balloon || Haley Heyndericks - Seed of a Seed
ME-Leser 1984 bis 2016 - ME-Forum seit 30.04.2003 - Erster Beitrag: "Wo kann ich mich hier wieder abmelden?" Heavy Rotation → ◉ Jake Bugg (2024) A Modern Day Distraction ◉ Julie (2024) The Ant-Aircraft Friend ◉ Towa Bird (2024) American Hero ◉ The Courettes (2024) The Soul Of... The Fabulous Courettes ◉ Noga Erez (2024) The Vandalist
Zitat von tenno im Beitrag #1025das einzige, was ich von TF wirklich kenne, und dafür aber auch liebe, ist dieser grandiose koitus zwischen exaltierter verlebtheit und stoischer begleitband:
Jetzt konnte ich mir das endlich mal anhören. Treffer, versenkt.
We don't believe in anything we dont stand for nothing. We got no "V" for victory cause we know things are tougher.
(Iggy Pop/James Williamson: "Beyond The Law")
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