Streets Of Fire Heidewitzka, Herr Kapitän, was für ein kruder Streifen. Irgendwie Popkultur der 80er (inklusive eines befremdlich reingeschnittenen Musikvideos), irgendwie aber auch 50er, irgendwie auch ein Hauch von Endzeitfilm. Die Musik schwankt zwischen glattem Pop und blues-rocknrolligem Zeug hin und her und spielt eine wichtige Rolle. Alle Dialoge, die fast ausschließlich aus markigen Sprüchen bestehen, werden möglichst cool und hart vorgetragen. Michael Paré schießt ständig auf Dinge, die dann sofort explodieren. Michael Paré schlägt seiner Ex-und-dann-wieder-Freundin mit der Faust ins Gesicht, damit diese das Bewusstsein verliert. Michael Paré bestreitet einen Hammerkampf (also mit Hämmern) gegen Willem Dafoe. Ry Cooder spielt dazu Gitarre. Es ist alles so derbe drüber, man muss es selbst gesehen haben. 8/10 P.S. Es gibt zwei Konzertszenen, die von der Publikumsreaktion ziemlich gut aussehen. Sowas wirkt in Filmen oft sehr statisch. Es gibt Songs zu hören, wo ich direkt dachte: Ey, da kann tausend Mal Ry Cooder im Vorspann stehen, das sind doch wohl Jim-Steinman-Nummern. Und so war es dann auch.
Ha, "Streets of fire" hab ich mir vor ein paar Monaten auch auf Bluray gegönnt. Endich im richtigen Format. Hab den damals im Kino gesehen, den Soundtrack gekauft und fand Paré ne colle Socke. Optisch ist der Film auch nach heutigen Maßstäben immer noch sehr sehenswert, schon wg. der tollen Neoneffekte und natürlich Diane Lane. Das Making Of der Bluray ist zudem sehr aufschlußreich. Paré habe ich dann nach langer Zeit mal wieder in "The Lincoln Lawyer" gesehen und fast nich mehr wieder erkannt...
Hier mal ein paar Worte zu den Filmen, die ich mir zuletzt angesehen habe:
Jurassic World: Ich bin jetzt nicht der große Jurassic Park Fan und habe bisher (shame on me) nur den ersten Teil gesehen, der mir aber doch sehr gut gefallen hat. Ich bin also emotional nicht so ganz bei der Sache gewesen, und das was ich von Jurassic World erwartet habe, wurde dann auch gut bedient. Ich wurde schlicht und einfach gut unterhalten. Mehr habe ich von diesem Film gar nicht erwartet. 7/10
Victoria: Dieser neue deutsche Film wurde auf allen möglichen Kanälen so sehr gelobt, dass ich mir das nicht entgehen lassen wollte. Ein deutscher, überall gepriesener Film? Hin! Vor dem Kartenkauf wurde gefragt, ob man denn lieber vorne oder hinten sitzen will, die Kameraführung solle sehr unruhig sein, und manche Menschen könnten das nicht so gut haben. Ich habe mich dann doch recht weit nach vorne getraut, ein paar Witze darüber gerissen, dass mir bestimmt schlecht wird, und am Ende zum Glück nur Kopfschmerzen gehabt Die Kameraführung ist wirklich absolut gut! Das ist zwar erstmal vielleicht etwas anstrengend, aber ansonsten gehört sie einfach zu diesem Film, sonst wäre der Film meiner Meinung nach längst nicht so gut. So atemlos, wie der Film ist, so atemlos ist auch die Kameraführung. Ansonsten: Die Schauspieler (vor allem Frederick Lau) glänzen, viele Dialoge (vor allem zu Beginn) sind ziemlich authentisch und nicht annähernd hölzern (wie wir es aus dem Tatort sonst so gut kennen) und die Ereignisse erscheinen zum Beginn auch noch sehr plausibel. Später wird das etwas...wirr würde ich mal sagen. Da ich aber immer dafür bin, Filmen nicht vorzuwerfen, unrealistisch zu sein, mache ich das jetzt auch mal nicht. Ein Film ist ja ein Film, da darf fast alles passieren, und darum ist Victoria auch vollkommen gelungen. 8/10
Heil: Eine deutsche Komödie über Nazis, die Antifa und den Zustand Deutschlands. Donnerstag saß ich in der Premiere, der Regisseur und drei Schauspieler waren auch zugegen. Ich finde den Film äußerst gelungen, es gibt Witze, die einfach witzig sind, es gibt Szenen, bei denen man eher ungläubig den Mund offen stehen lässt und ganz viel berechtigte Satire. Dietrich Brüggemann erzählte selbst, dass dem Film in vielen Kritiken vorgeworfen wird, dass im Film selbst keine Lösungsansätze für die Probleme dargeboten werden, doch er selbst hätte auch einfach keine Lösung, und er fände es gut, wenn alle mit dieser Frage nach der Lösung nach Hause gehen, und überhaupt darüber nachdenken. Ich denke: Jap, das ist doch ein guter Anfang! Mit einer Lösung wäre dieser Film wohl auch nicht das, was er ist. Ein durchgedrehter Streifen mit schrägen Charakteren, der eigentlich nichts wirklich ernst nimmt, und letztendlich doch alles ziemlich ernst nimmt. 7,5/10
Von Christian Kracht mitgeschrieben, von seiner Frau verfilmt, ist "Finsterworld" in erster Linie eine namdroppende (von Seidl über Haneke bis zum zurecht sensationellen "Ghost World") Ansammlung an lose miteinander verwobenen Episoden, allesamt verankert in deprimierender und nihilistischer Weltanschauung. Ungerechtigkeit, Einsamkeit, die völlige Entfremdung zum Leben, bereits ordentlich angeknabbert vom Ehrgeiz.
Wirklich gut gespielt, leider ab und an etwas naiv und mit dem Dampfhammer vorgelesen, ist durchaus herauszusehen woher das Drehbuch kommt, um aber so deprimierend und verstörend wie die Vorbilder a la Seidl zu sein, fehlt dann ab und an einfach die Erdung zur Realität. Kann man sich trotzdem geben, eine Szene besonders hat mich rasend gemacht, eine andere unfassbar angewidert (wer ihn gesehen hat, weiß wohl sofort bescheid)
Ich hab den im Kino gesehen, aber bis auf die Farben, die ja auf elf aufgedreht sind, erinnere ich mich an kaum was. Welche Szene meinst du denn? Hatte es vielleicht irgendwas mit dem KZ-Besuch zu tun?
Letzteres bezog sich auf Kollege Knut und seine besondere Kekszutat. Das KZ sorgte für die "rasend"-Szene, weil
mir Natalie viel zu naiv war. Einach hinzunehmen, dass ihr Lehrer sie einsperrte, anstatt auf den Gedanken zu kommen, dass Schnöselboy es getan haben könnte, da machte das Drehbuch mMn schlapp
Okay. Ich hab mal meine alte Kritik rausgekramt, die aber jetzt nicht sonderlich viel beiträgt:
Finsterworld Plus: Der Film ist sehr eigenartig und hat eine schön bunte Optik, die man in deutschen Filmen kaum sieht. Einige eindrückliche Szenen werden vermutlich im Kopf bleiben. Minus: Ich verstehe nicht, was das alles soll. Steckt da irgendwo eine Aussage drin? Wenn ja, welche? Und warum besetzt man Jugendliche mit Schauspielern, die fast 30 sind? Muss Absicht sein. Ein einziges Fragezeichen, dieser Film. Aber immerhin, mal ein bisschen was Abseitiges. 7/10
Ich habe den Film auch letzten gesehen, und fand ihn eigentlich sehr gelungen, schön schräg. Allerdings kann ich Mr. Freemans Einwand verstehen, die Szene ist wirklich etwas blöd und ärgerlich. Gleichzeitig zeigt sie nur, wie schlecht die Welt manchmal ist.
Einerseits: Klar, ziemlich dämlich von dem Mädel, zu denken, ihr Lehrer sei es gewesen. Andererseits: In der Realität gibt es ja wohl leider öfter mal solche Anschuldigungen, die erstunken und erlogen sind, und das Leben eines Menschen zerstören. Von daher. Doof von der Idee her, wie es passiert, aber aus der Sicht des Lehrers eventuell eine mögliche Situation. Hmm.
Incendies (Die Frau, die singt) Ich war mir lange Zeit nicht sicher, ob ich den Film nicht zu ruhig, zu lang und auf der anderen Seite zu klischeehaft finde. Einige Szenen würde ich wohl immer noch ändern. Aber: Wie sich diese letzte Viertelstunde eindrücklich ins Gehirn brennt und alles verstärkt, was man vorher gesehen hat, das ist schon meisterhaft. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal beim Abspann derart versteinert dagesessen hätte. Geweint hatte ich vorher schon. Es ist einer dieser Filme, die ihre volle Wucht erst nach dem Ende entfalten und einen echten, denkenden, fühlenden Zuschauer erfordern, keinen Konsumenten. 8/10 (Aber wenn ich den noch mal sehe, gebe ich die Höchstwertung, ich hab's im Gefühl.)
X-Men - Zukunft ist Vergangenheit: Ein Wissenschaftler (Peter Dinklage) erfindet die perfekten Verteidigungsbots gegen die Mutanten. Das führt in der Gegenwart zum Ende der X-Men. Deshalb wird Wolverine in die Vergangenheit geschickt, um den Wissenschaftler aufzuhalten. Doch während in der Gegenwart Magneto und Xavier Freunde sind, sind sie in der Vergangenheit noch Erzfeinde. Und welche Rolle spielt Raven? Der Film erinnert ein wenig an "Star Trek Generations" in seiner Quasi-Zusammenführung beider Welten. Er ist flott, unterhaltsam, actionreich. Mehr muss ein "X-Men"-Film auch nicht haben. 8/10
Can a Song Save Your Life? Einst war Dan ein unglaublicher Musikproduzent. Doch sein Lebenswandel hat ihn alles gekostet: Seine Frau, seine Tochter, seinen Instinkt, seinen Job. Erst als er während eines Totalabsturzes die junge Songwriterin Gretta kennenlernt glaubt er wieder an das Gute. Er beginnt mit ihr eine Platte aufzunehmen - mitten in New York. Ja, die Handlung ist absoluter Quatsch und Hollywood-Brei. Aber: Regisseur und Autor John Carney beherrscht seinen Job, Mark Ruffalo und Keira Knightley spielen sympathisch - und so unrealistisch der Musikfilm auch ist, bewegt er mich. Deshalb vergebe ich absurd hohe 9/10.
Empire - Staffel 1 Lucious Lyon ist ehemaliger Gangster und jetzt Medienmogul. Doch der einstige Rap-Star leidet an ALS, seine Plattenfirma Empire Records soll an einen seiner drei Söhne übertragen werden. Doch an wen? Das Finanzgenie, das mit einer Weißen verheiratet ist und psychisch krank ist? Den Talentiertesten, der ein genialer Musiker, aber auch schwul ist? Oder an das arrogante Nesthäkchen, der zwar geil rappen kann, aber mit dem Leben nicht umgehen kann? Lyon lässt seine Söhne um die Nachfolge kämpfen. Und dann mischt da ja auch noch Ex-Frau Cookie mit, die nach 17 Jahren aus dem Knast rauskommt, in den sie einst für Lucious gegangen ist. Ja, das klingt arg nach Drama. Ist es auch. Aber dabei stellenweise sehr seifenopernhaft. Oder kurz gesagt: "Empire" ist für die Schwarzen, was "Dallas" vor 30 Jahren für die Weißen war - nur mit der Musik von Timbaland. 7/10
Die letzten Sechs in der Playlist: Honeyglaze - Real Deal || Laura Marling - Patterns In Repeat || Nieve Ella - Watch It Ache and Bleed || Dawn Richard & Spencer Zahn - Quiet In a World Full of Noise || Flip Top Head - Up Like a Weather Balloon || Haley Heyndericks - Seed of a Seed
Zitat von Olsen im Beitrag #11Incendies (Die Frau, die singt) Ich war mir lange Zeit nicht sicher, ob ich den Film nicht zu ruhig, zu lang und auf der anderen Seite zu klischeehaft finde. Einige Szenen würde ich wohl immer noch ändern. Aber: Wie sich diese letzte Viertelstunde eindrücklich ins Gehirn brennt und alles verstärkt, was man vorher gesehen hat, das ist schon meisterhaft. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal beim Abspann derart versteinert dagesessen hätte. Geweint hatte ich vorher schon. Es ist einer dieser Filme, die ihre volle Wucht erst nach dem Ende entfalten und einen echten, denkenden, fühlenden Zuschauer erfordern, keinen Konsumenten. 8/10 (Aber wenn ich den noch mal sehe, gebe ich die Höchstwertung, ich hab's im Gefühl.)
Ich hab ja nebenher so ein Filmprojekt in der Schule am Laufen. Der Film ist zwar FSK 12, aber das hat normal nichts zu sagen. Ist er tatsächlich für 12 - 15jährige geignet im Sinne von (mit)erleben und verstehen?
Ich bin mir nicht sicher, ob der Film für diese Altersklasse nicht zu ruhig erzählt ist. Die Ereignisse entwickeln sich doch sehr langsam, könnte mir gut vorstellen, dass Schüler sich da schnell gelangweilt fühlen würden. Zu verstehen ist er aber für diese Altersschicht, das dürfte kein Problem sein. Ich bin trotzdem skeptisch, weil der inhaltlich sehr hart ist und es auch ein, zwei sehr grausame Szenen gibt, ob ich den an deiner Stelle verwenden würde. Am besten wird wohl sein, du schaust ihn dir selbst mal an.
Also, um mal drei Beispiele zu geben - wir haben im Projekt u.a. schon 12 Years A Slave, Der Untergang und Into The Wild angeschaut. Meine Erfahrung bisher - bei anspruchsvollen Filmen war es ruhiger und konzentrierter als bei Mainstream Blockbustern wie Mission: Impossible - Phantom Protokoll.