Ironie der Geschichte: überall werden Extremsportler gefeiert, die ihr Leben für kompletten Unfug auf's Spiel setzen wie "den Mount Everest auf dem Snowboard hinunterrutschen" und ähnlicher Schwachfug. Solche Spritzbirnen werden als Helden gefeiert, egal, ob sie jemand nachahmt. Aber Kultur ist gefährlich. Da passe ich echt.
We don't believe in anything we dont stand for nothing. We got no "V" for victory cause we know things are tougher.
(Iggy Pop/James Williamson: "Beyond The Law")
---------------------------------------------------------------- From the river to shut the fuck up.
Zitat von G. Freeman im Beitrag #146Wem muss man denn beweisen, dass man ein harter Hund ist?
Niemandem außer sich selbst. Und das lernt man in der Regel, wenn man sich seinen Problemen stellt. Es geht mir auch nicht um bestimmte Triggerwarnungen, sondern um den Komplex an sich. Ich sehe den als Anfang einer Entwicklung. Was Triggerwarnungen bei Rauchen und Alkohol angeht: damit erweist man Betroffenen einen Bärendienst. Wunderbar, Leute auf die Idee zu bringen, als Entschuldigung für ihre Rückfälle jetzt Filme angeben zu können. Das ist genauso hilfreich wie die Klassifizierung von Alkoholsucht als Krankheit. Mit dem Argument "aber ich bin doch krank" läßt sich genauso angenehm rückfällig werden wie mit "ich hab 'Barfly' angeschaut und brauchte einen Drink". Dann muß man sich nicht fragen, ob man nicht einfach nur einen Tag hatte, an dem man nicht willensstark genug war.
Insbesondere die größeren und drastischeren Warnhinweise auf Zigarettenpackungen haben sich übrigens weltweit als effektiv erwiesen. Das mag dazu beigetragen haben, dass die Zahl der RaucherInnen stetig zurückgeht.
Im übrigen fällt mir dazu ein, dass in der Altersgruppierung von Medien im Angelsächsischen Raum (also, was hier die FSK-Plakette ist) seit jeher eine kurze Begründung steht, was zu der jeweiligen Altersbeschränkung geführt hat, also bspw. Nacktheit, Drogenkonsum oder grobe Sprache. An sich ist das der Triggerwarnung gar nicht unähnlich, aber das Wort, das viele offenbar zu triggern scheint, fehlt.
Wie ich in meinem Eingangs-Post bereits geschrieben habe, ist das mit dem „in Watte packen“ einfach nicht schlüssig. Das setzt schon ein sehr pessimistisches und empirisch kaum begründbares Gesellschaftsbild voraus, wenn man denkt, dass Warnhinweise dazu führen würden, dass Menschen sich so gar keinen Stressoren mehr aussetzen würden, dabei leben ganze erlebnisorientierte Wirtschaftszweige genau davon. Im übrigen halte ich es für einen sehr autoritären Anspruch, der Gesellschaft ein Mindestmaß an Abhärtung auferlegen zu wollen. Es gibt viel, was man von sensiblen Menschen lernen kann.
☟ smog in berlin. nichts wie hin. weil du mich küsst, bin ich kein tourist.
Zitat von King Bronkowitz im Beitrag #151Ironie der Geschichte: überall werden Extremsportler gefeiert, die ihr Leben für kompletten Unfug auf's Spiel setzen wie "den Mount Everest auf dem Snowboard hinunterrutschen" und ähnlicher Schwachfug. Solche Spritzbirnen werden als Helden gefeiert, egal, ob sie jemand nachahmt. Aber Kultur ist gefährlich. Da passe ich echt.
Ich feiere solche Leute nicht und begebe mich auch bevorzugt in die Gesellschaft von Menschen, die das ebenso nicht tun.
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Zitat von G. Freeman im Beitrag #146Wem muss man denn beweisen, dass man ein harter Hund ist?
Niemandem außer sich selbst. Und das lernt man in der Regel, wenn man sich seinen Problemen stellt. Es geht mir auch nicht um bestimmte Triggerwarnungen, sondern um den Komplex an sich. Ich sehe den als Anfang einer Entwicklung. Was Triggerwarnungen bei Rauchen und Alkohol angeht: damit erweist man Betroffenen einen Bärendienst. Wunderbar, Leute auf die Idee zu bringen, als Entschuldigung für ihre Rückfälle jetzt Filme angeben zu können. Das ist genauso hilfreich wie die Klassifizierung von Alkoholsucht als Krankheit. Mit dem Argument "aber ich bin doch krank" läßt sich genauso angenehm rückfällig werden wie mit "ich hab 'Barfly' angeschaut und brauchte einen Drink". Dann muß man sich nicht fragen, ob man nicht einfach nur einen Tag hatte, an dem man nicht willensstark genug war.
Woohaa! Lieber King, möchtest du nach den anstrengenden Nachtschichten nicht erst ein paar Stunden schlafen, bevor du hier eine steile These nach der anderen raushaust?Nur so als Tipp.
http://www.last.fm/de/user/DerWaechter ehemaliger Influencer * Downtown * Radebrecht * "Die einzige Bevölkerungsgruppe, die man risikolos beleidigen kann, sind die Dummen. Da fühlt sich nie einer angegriffen." (Ronja von Rönne) “The sex and drugs have gone and now it’s just the rock ‘n’ roll” (Shaun Ryder)
Zitat von gnathonemus im Beitrag #150vorschlag zur güte: triggerwarnungen für leute, die sich durch triggerwarnungen getriggert fühlen
Niemand fühlt sich durch Triggerwarnungen getriggert, aber die Frage war ja, ob es eine Gefahr bei dem Ansatz gibt, die ggf. übersehen wird. Die Antwort darauf ist eben ein klares "Ja", weil solche Warnhinweise im angelsächsischen Raum schon jetzt ein Instrument sind, den politischen Diskurs weiter zu verengen und man alsbald vor jedem Buch, jeder Streitschrift, jedem Vortrag, jeder Diskussionsrunde und jedem Twitter-Statement warnen wird, die nicht den Vorstellungen der unseligen Woke-Ideologie und der Identitätspolitik entsprechen.
Wie gesagt: Diskussionen werden in den USA häufig deutlich schriller geführt. Dass der Diskurs dort bereits verengt wäre, kann ich nicht feststellen. Die gesellschaftliche Spaltung ist auf sämtlichen Ebenen (ökonomisch, ideologisch, politisch, intellektuell…) deutlich ausgeprägter als hier. Unter diesen Voraussetzungen kann und wird alles zum jeweils eigenen Zweck genutzt und umgedeutet. Da sind Triggerwarnungen keine Ausnahme. Das macht sie selbst allerdings nicht zum Problem.
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Zitat von Quork im Beitrag #141Es stimmt, dass der „culture war“ in den USA auf beiden Seiten auf eine Art geführt wird, die zensorische Ausmaße annehmen kann. Eine Triggerwarnung erwirkt für mich aber das Gegenteil: Es wird ja gerade NICHT gefordert, Bücher aus dem Lehrplan zu nehmen, die anstößiges enthalten könnten (wie es zB gewisse andere politische Strömungen dort tun), sondern es wird das Buch mit einer Warnung versehen, damit alle selbst entscheiden können, wie viel Leid/Gewalt/Trigger sie sich antun wollen.
Das ist ein kluges Argument, darüber werde ich mal nachdenken.
Aber die Vorstellung, dass andere politische Ansichten ein Trauma auslösen können, ist ja in sich schon so absurd wie konstruiert und steht einem fairen demokratischen Meinungsaustausch diametral entgegen. Man stelle sich mal ein TV-Duell im Bundestagswahlkampf in einigen Jahren vor, bei dem vor jedem Statement des CDU Kandidaten eine Triggerwarnung eingeblendet wird. Klingt vielleicht noch absurd, aber darauf kann es durchaus hinauslaufen, wenn man sich nicht von Anfang an klar gegen solche Bestrebungen positioniert.
Zitat von LFB im Beitrag #159dass andere politische Ansichten ein Trauma auslösen können
Wer behauptet das? Bei mir ist es höchstens ein Schleudertrauma. Und das steht demnächst an, wenn die Diskussion weiter auf diese absurde Art geführt wird.
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Ich hätte gerne einfach mal ein paar Namen von Politikern, die fordern, dass Triggerwarnungen verpflichtend sein sollen. Das wäre ja mal der erste Schritt. Danach hätte ich dann diejenigen genannt, die solche Filme gleich ganz verbieten wollen. Und ich meine nicht den Vizebürgermeister von Hintertupfingen, der sich beim örtlichen Schlachtfest darüber aufregt, das Amazon bei Zombiefilmen eine Warnung vor Tötungsszenen voranstellt.
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Zitat von LFB im Beitrag #159Aber die Vorstellung, dass andere politische Ansichten ein Trauma auslösen können, ist ja in sich schon so absurd wie konstruiert und steht einem fairen demokratischen Meinungsaustausch diametral entgegen. Man stelle sich mal ein TV-Duell im Bundestagswahlkampf in einigen Jahren vor, bei dem vor jedem Statement des CDU Kandidaten eine Triggerwarnung eingeblendet wird. Klingt vielleicht noch absurd, aber darauf kann es durchaus hinauslaufen, wenn man sich nicht von Anfang an klar gegen solche Bestrebungen positioniert.
Ich verstehe gerade nicht, worauf du hinaus willst. Vorstellen kann man sich die wildesten Dinge, aber wozu führt das jetzt? Gegen die Texteinblendungen vor Filmen oder vergleichbare Warnhinweise hattest du jetzt nichts, oder verstehe ich dich da falsch?
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Zitat von Johnny Ryall im Beitrag #155Woohaa! Lieber King, möchtest du nach den anstrengenden Nachtschichten nicht erst ein paar Stunden schlafen, bevor du hier eine steile These nach der anderen raushaust?Nur so als Tipp.
Triggerwarnung: meine Nachtschicht kann dazu führen, daß ich steile Thesen heraushaue, die manche ... bla blah. Tut mir leid, ich formuliere manchmal drastisch und bin mir auch bewußt, damit durchaus anzuecken. Das ändert aber nichts daran, daß ich den eingeschlagenen Weg langsam als falsch empfinde, auch wenn ich manchmal bewußt meine Grenzen austeste. Für mich nimmt das allmählich Ausmaße eines "Parental Advisory" - Stickers zum Wohle der Menschheit an. Wohin das führen kann, zeigt ja schon die Diskussion um rassistische Stereotype in alten Kinderbüchern: vom wirklich sinnvollen Vorschlag, ein erklärendes Vorwort über den zeitlichen Kontext einzufügen samt dem Hinweis, daß dies heute unangemessen ist bis zum Herumpfuschen in bereits geschriebenen Büchern, was weiteren Manipulationen Tür und Tor öffnet, war es nur ein kleiner Schritt. Und ich fürchte, früher oder später wird uns übermäßige Fürsorge in anderen kulturellen Bereichen genau dorthin führen. Das ist eine Form von progressivem Index Romanus; dem ging es auch um das Seelenheil der Gläubigen. Und warum einen Film oder ein Buch nicht enttriggern, indem man nicht handlungsrelevante Szenen einfach herausnimmt, um die Erzeugnisse einem breiteren Publikum zugänglich zu machen? Das mag jetzt übertrieben klingen, aber das dachte man von anderen Sachen auch schon.
Warnhinweise auf Zigarettenpackungen sind übrigens Warnhinweise direkt auf einem schädlichen Produkt, und ich hätte auch nichts dagegen, diese auf Alkohol auszuweiten. Aber das ist ein anderes Thema. Einen Warnhinweis auf "Unter dem Vulkan" von Malcolm Lowry, daß dieses Buch für eine gewisse Klientel aus dem und dem Grund nicht geeignet ist, würde ich trotzdem als lächerlich empfinden.
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Zitat von King Bronkowitz im Beitrag #163Für mich nimmt das allmählich Ausmaße eines "Parental Advisory" - Stickers zum Wohle der Menschheit an. Wohin das führen kann, zeigt ja schon die Diskussion um rassistische Stereotype in alten Kinderbüchern: vom wirklich sinnvollen Vorschlag, ein erklärendes Vorwort über den zeitlichen Kontext einzufügen samt dem Hinweis, daß dies heute unangemessen ist bis zum Herumpfuschen in bereits geschriebenen Büchern, was weiteren Manipulationen Tür und Tor öffnet, war es nur ein kleiner Schritt. Und ich fürchte, früher oder später wird uns übermäßige Fürsorge in anderen kulturellen Bereichen genau dorthin führen. Das ist eine Form von progressivem Index Romanus; dem ging es auch um das Seelenheil der Gläubigen. Und warum einen Film oder ein Buch nicht enttriggern, indem man nicht handlungsrelevante Szenen einfach herausnimmt, um die Erzeugnisse einem breiteren Publikum zugänglich zu machen? Das mag jetzt übertrieben klingen, aber das dachte man von anderen Sachen auch schon.
An die Sticker hatte ich auch schon gedacht, aber es gibt da einen Unterschied, dessen man sich von hierzulande kaum bewusst war: Ladenketten wie Wal-Mart, die in vielen Gegenden der USA zu den Hauptumschlagplätzen für Platten und CDs gehörten, haben diese nicht im Sortiment geführt, sobald dieser Sticker drauf war. Auch hatten die KünstlerInnen keinen Einfluss darauf, ob sie den wollten oder nicht. Ich kann zur Zeit nichts erkennen, was die Kunstfreiheit auch nur ansatzweise beschneiden würde, so wie es dieser Sticker damals tat.
Was die Kinderbücher angeht, und die Diskussion macht mich schon ein bisschen sauer: Einem 6jähriges Kind, dem Pippi Langstrumpf vorgelesen wird, nützt kein Erklärhinweis in einer Fußnote. Ein 6jähriges farbiges Kind hört das N-Wort und muss mit dieser stigmatisierenden Fremdbezeichnung erstmal leben. Dass das Buch behutsam nachlektoriert wurde, ist zum einen ein ganz normaler Vorgang, wie er jedes Jahr zigfach ohne Geschrei vorgenommen wird, insbesondere um Kinderliteratur verständlich zu halten (gibt es bei Erwachsenenliteratur aber auch). Dass ausgerechnet beim Ersetzen des N-Wortes in einem Kinderbuch so ein Aufschrei durch einige Medien ging, treibt mir abwechselnd die Wut- und Schamesröte ins Gesicht. Wie kann jemand so hysterisch auf sein (vermeintliches) Recht beharren, den Kindern (nicht nur den eigenen!) weiter von N****n erzählen zu dürfen - und nein, wie reden nicht von „Huckleberry Finn“, wo dies Teil des geschichtlichen Kontextes ist? Abgesehen davon werden die alten Ausgaben nicht entfernt oder vernichtet, es gibt lediglich überarbeitete Neuausgaben. Dem alten weißen Mann wurde also nichts weggenommen, nicht einmal das, was ihm eigentlich nicht zusteht.
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Zitat von Lumich im Beitrag #164Dem alten weißen Mann wurde also nichts weggenommen, nicht einmal das, was ihm eigentlich nicht zusteht.
Der darf natürlich nicht fehlen als Verursacher allen Unbills dieser Welt. Wer ist schuld? Im Zweifel immer der alte weiße Mann. Mir geht es nicht darum, meinen nicht vorhandenen Kindern von N erzählen zu wollen, sondern um nachträgliche Zensur. Wenn Manipulationen in dem Bereich möglich sind und geduldet werden, dann auch bald in anderen. Wenn man nicht will, daß Kinder unvorbereitet mit dem N - Wort konfrontiert werden, erklärt man ihnen anhand des Vorworts den Zusammenhang nochmal genau oder kauft ihnen solche Bücher nicht. Im Idealfall wissen Kinder schon, daß man das N - Wort nicht benutzt, bevor sie sechs Jahre alt sind. Das nennt man vernünftige Erziehung.
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