So sehr mich die Schlaflosigkeit manchmal nervt und ich über die sich immer öfter zeigende Sonne meckere, muss ich doch zugeben, dass das alles auch seine positiven Seiten hat.
Die Tierwelt ist in diesem Wohnviertel sehr aktiv. Einhhörnchen, Marder, Katzen, Siebenschläfer, Gartenschläfer, Mäuse, sogar ein Waschbär hat sich hier neulich Nachts herumgetrieben (es sei denn, es war eine Halluzination). Und die Vögel haben auch einiges zu bieten. Hier ist allles voll mit vorbeiziehenden und fressenden Saatkrähen (Klassiker ist 'Nuss auf Straße fallen lassen'). Eigentlich faszinierende Vögel und bei mir in der Straße noch sehr gut auszuhalten, da bisher nur zwei Nester vorhanden sind. Aber stellenweise brüten die so massiv, dass sie echt zur Plage werden, da sie unheimlich laut sind und wirklich gnadenlos alles vollscheißen.
Aber ich will ja über die positiven Seiten berichten. Wenn ich mal wieder nicht schlafen kann bzw. vor dem Schlafen gehen nachts das Fenster aufmache (wenn selbst die hartnäckigsten Raucher in ihren Betten liegen), genieße ich das richtig intensive Vogelkonzert, das fast schon etwas von Regenwald hat. Identifiziert hab ich als absoluter Laie bisher Rotkehlchen, Nachtigallen und Amseln. Heute Nacht dann ein absolutes Highlight, eine Schleiereule. Zumindest bin ich mir ziemlich sicher. Klang etwas nach quietschiger Fahrrad- und Zugbremse und war sehr durchdringend. Da ist noch ein anderer Eulenvogel, aber da muss ich noch ein wenig recherchieren bzw. er müsste sich nochmal bemerkbar machen.
Von ein, zwei umliegenden Teichen gibt es dann noch ein kleines Froschkonzert, am 1 km entfernten Stausee hört man die Enten streiten. Eigentlich warte ich jetzt nur noch auf den Wolf.
Tagsüber treiben sich hier auch Elstern und Eichelhäher rum. Diverse Meisen- und Finkenarten und eines Morgens wurde ich von einem Pirol geweckt. Konnte den Gesang erst nicht zuordnen, weil er echt exotisch klang und mich im Halbschlaf erwischt hat. Aber das nette Tier war geduldig und blieb Luftline 7 Meter von meinem Fenster in der Birke sitzen, bis ich es gesehen habe. Braver Pirol!
I'm a septic tank half full kind of guy / got a twinkle in my eye / that I've been told is just astigmatism / I've got a s-skip in my step like / the undead half risen
Mein Paps war ein Hobby-Ornithologe (und Hobby-Mykologe). Und den Pirol hat er im Wald immer mit seinem nachgeahmten Ruf heranlocken können. Er ist such nachts unterwegs gewesen und hat den Gesang der Nachtigall auf Band aufgenommen (und den Specht am Metall-Strommast). Den Ruf des Pirol kenne ich also gut.
Empfehlenswert finde ich übrigens die App des Naturkundemuseums Berlin. Sie ist toll zum Ermitteln der gehörten Vögel, man kan Tiere und Pflanzen bestimmen, die man sieht. Mehr Info hier: Piep
Zitat von Larry Iutbally im Beitrag #183... und eines Morgens wurde ich von einem Pirol geweckt. Konnte den Gesang erst nicht zuordnen, weil er echt exotisch klang und mich im Halbschlaf erwischt hat. Aber das nette Tier war geduldig und blieb Luftline 7 Meter von meinem Fenster in der Birke sitzen, bis ich es gesehen habe. Braver Pirol!
Klasse ... einen Pirol zu hören und zu sehen ist heutzutage ein echtes Privileg ... die sind sehr selten geworden. Darf man fragen, wo du wohnst?
Der Tod der menschlichen Empathie ist eines der frühesten und deutlichsten Zeichen dafür, dass eine Kultur gerade in Barbarei verfällt. (Hannah Arendt)
In Rheinhessen, Weinbauregion, nahe der Weinberge & Felder, generell noch relativ grün und baumreich (zumindest im Vergleich zu den meisten anderen Umgebungen, in denen Mehrfamilienhäuser stehen).
Gerade eben konnte ich zuföllig einen Turmfalken dabei beobachten, wie er sich am Nest der Krähen gütlich getan hat. Erst eine Minute neben dem Nest gewartet, ob was passiert und dann happs, Zugriff! Arme Krähen! Der Fernglaskauf hat sich definitiv gelohnt.
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Hier haben die Turmfalken inzwischen übernommen, sowohl die Herrschaft in der Hood als auch ein Nest der Krähen. Diese haben das Feld geräumt und begnügen sich inzwischen mit vereinzelten Kontrollflügen. Das Nisten haben sie hier aufgegeben. Was so ein Falkenpärchen für einen Unterschied machen kann.
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Turmfalken vs Krähen haben wir in der Schule auch. Die Krähen wohnen auf einer Baumgruppe neben der Schule, die Falken nisten in der Ruine. Mega spannend, wenn sie sich gegenseitig durch die Luft jagen.
Jagdszenen gab es hier zu Anfang auch einige, das war teilweise schon richtig spektakulär. Inzwischen scheint jeder seinen Platz zu kennen und die Krähen wissen, was sie sich leisten können. Das Städtchen hier hat ja ein riesiges Krähen"problem", eventuell sollte man noch ein paar Turmfalken zum Vorstellungsgespräch laden und so eine Entspannung der Lage herbeiführen.
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Im Flieder sitz ein Spatzenmann, der krass um eine Spätzin balzt. Er hat gerade einen sehr eingängig Tschirp-Rhythmus angeschlagen, die Schwanzfeder breit auftefächert und hüpft akrobatisch im Flieder rum. Ich könnte ewig zuschauen <3
Herr und Frau Amsler bringen immer öfter den Nachwuchs mit. Gerade durfte ich dabei zusehen, wie Frau Amsler das Kleine auf der Wiese mit Würmern gefüttert hat. Ich schmelze dahin...