Ein „Problem“ ist sicher, dass bislang ja alles noch ohne Auswirkung bleibt.
Würden wir Strom sparen müssen und es käme täglich zu mehrstündigen Stromausfällen aufgrund von Überlastungen, würden viele wohl mehr sparen, um zumindest weiterhin ständig versorgt zu sein.
Würde beim Gas jemand am 23. Oktober frech sagen: so, dies war es für diesen Monat, das Gas-Budget ist verbraucht, die nächsten Gasanlieferungen gibt es wieder ab dem 1. November…
...nun, dann würden wohl viele mehr sparen, um im November erst ab dem 27. kann Gas mehr zu haben oder vielleicht im Dezember wieder normal bis zum Monatsende heizen zu können.
So aber bleibt alles zunächst eben ohne direkte Wirkung.
Und was es (theoretisch) bedeuten würde, wenn in Deutschland im Winter wirklich einmal für zwei Wochen das Gas abgestellt würde oder eine Woche lang kein Strom mehr verfügbar wäre… Nun, da braucht es dann gar keine Naturkatastrophe oder einen Krieg… mit der sich dann ergebenden Situation wären viele auch so schon hoffnungslos überfordert. Wäre dann noch die Versorgung der Supermärkte beeinträchtigt, weil in den Logistikzentren nichts mehr gehen würde, dann hätten wir in den Augen vieler bereits Kriegszustände ganz ohne Krieg.
"Good taste is the worst vice ever invented" (Edith Sitwell)
Zitat von Lumich im Beitrag #1605Ich frage mich, ob eine signifikante Anzahl Menschen in diesem Land gibt, die ihre Heizungen auf 12 gedreht haben, nachdem die Gasumlage vom Tisch war.
Ich weiß bei uns im Haus und im Nachbarhaus von dedizierten fünf Haushalten, bei denen das nach deren Aussage so ist. Das Motto lautet entweder: "Ist mir doch wurscht" - oder etwas kleinlauter: "Mir ist aber wirklich kalt".
Zitat von akri im Beitrag #1606Wäre dann noch die Versorgung der Supermärkte beeinträchtigt, weil in den Logistikzentren nichts mehr gehen würde, dann hätten wir in den Augen vieler bereits Kriegszustände ganz ohne Krieg.
Den Leuten ist nicht klar, dass ohne Strom ggf kein Trinkwasser mehr da ist, kein Essen, keine Gesundheitsversorgung (frag mal wie lange und für was die Notstromgeneratoren eines Krankenhauses durchhalten - da werden OPs noch fertig gemacht, und der Rest in den Intensiv-Stationen muss schauen, wie er überlebt).
Ich behaupte, keine sieben Tage nach einer längerfristigen Stromsperre würden in Deutschland bürgerkriegsartige Zustände herrschen.
Es gibt eben viele „Normalitäten", die typisch für eine Wohlstandsgesellschaft sind.
Normal ist, dass es beim Bäcker morgens frische Croissants gibt, dass überall Strom aus der Steckdose kommt, dass Warmwasser fließt und die Wohnung gemütlich warm geheizt ist.
In anderen Ecken dieser Welt ist all dies nicht normal. Da regt sich keiner darüber auf, dass er statt den Croissants einmal Rosinenbrötchen kaufen muss. Da ist es eher normal, gar nichts zum Früstück zu haben und auch sonst kein Essen zu haben. Da entfallen Diskussionen darüber, ob und wann und wie die Zentralheizung eingeschaltet wird. Oder ob Duschen ohne Warmwasser quasi schon eine gefährliche Nahtod-Erfahrung ist.
Viele Dinge haben eben etwas mit Gewohnheit und eigenen Normen zu tun. Bei manchen Dingen hapert es dann irgendwann mit der Anpassungsfähigkeit. Und oft definiert sich so auch die eigene Fallhöhe / das eigene Leid für den Tag X.
Oder kurz: das Leben ist kein Ponyhof...
"Good taste is the worst vice ever invented" (Edith Sitwell)
Es muss ja garnicht ins Langzeitgedächtnis. Das Hirnareal für rationales Denken und konsequentes Handeln wäre schon genug. (Ach so, ich vergas: die hat die Wissenschaft noch nicht gefunden....)
In erster Linie bei Akri, ein bisschen auch bei dir. Die „Heizungsaufdreher“ (hat schon jemand die BILD über dieses neue Feindbild informiert?) haben möglicherweise ihre eigenen, sinnvollen Gründe, die nichts mit Akris Whiteboard-und-Selbstvermessungs-ähhhnennenwires-Idiosynkrasien zu tun haben.
"Happy Holidays... is what terrorists say. Merry Christmas, from Avery and Jack."
Wenn mir oder @Mory kalt ist, dann ist zb der Wunsch, keine Blasenentzündung zu bekommen, ein durchaus persönlicher und zunächstmal sinnvoller Grund, die Heizung doch aufzudrehen. Doch blöderweise hat jeder einen persönlich sinnvollen Grund. Damit kommen wir nicht weiter.
Ich habe für mich entschieden, dass ich spätestens heize, sobald die Temperatur in der Wohnung unter 17 Grad fällt. Es ist hier einfach zu feucht, als dass ich kühleres Gemäuer akzeptieren könnte. Die Schimmelgefahr wird mir dann zu akut. Ich heize allerdings auch mit Öl, an der Statistik macht das also nichts.
Ich glaube, wenn es hier zu „bürgerkriegsähnlichen Zuständen“ kommen sollte, wird das weniger an denen liegen, die ihre Wohnung auf über 17 Grad heizen, als vielmehr an denen, die wegen der „Heizungsaufdreher“ von „bürgerkriegsähnlichen Zuständen“ und Strafmaßnahmen gegen Gasaufdreher fantasieren.
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Schweine sollen auch nicht frieren. Ställe mit Stroh müssten nicht beheizt werden, allerdings ist der kurzfistige Umbau konventioneller Ställe zu teuer.
Man könnte das ja auch als Chance begreifen. Hier tun sich Einsparpotenziale auf, die möglicherweise auch in einer Welt nach dem Ukraine-Krieg sinnvoll genutzt werden können.
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Das wirft wahrscheinlich kurzfristig nicht genug Profit ab. Und gerade in Zeiten hoher Inflation und Rezession ist die Bereitschaft mehr Geld für faire Fleischprodukte zu bezahlen noch geringer als sonst.