Der neue Krieg gegen Israel wird meiner Meinung nach auch sehr weitreichende Folgen haben, auch, weil da Russland und Iran eine zentrale Rolle spielen.
Zitat von faxefaxe im Beitrag #5400Der neue Krieg gegen Israel wird meiner Meinung nach auch sehr weitreichende Folgen haben, auch, weil da Russland und Iran eine zentrale Rolle spielen.
Glaube ich ehrlich gesagt nicht, weil die Konstellationen wie gewohnt sind - nur die Dimension ist dieses Mal unfassbar. Das ist wie das israelische 9/11. Gut, vielleicht ist es auch nur mein Wunschdenken, dass es keine weitreichenden Folgen (im Sinne von zusätzlichen kriegerischen Auseinandersetzungen) hat.
Twitter kann man auf jeden Fall erstmal zulassen. Die ganzen antiimperialistischen, "post-kolonialen" Linken feiern es als Schritt Richtung Freiheit. Was für eine Freiheit soll das sein? Eine Freiheit, in der vergewaltigte, ermordete Frauen auf Trucks liegen und verhöhnt werden? Na geil. Da fabulieren Accounts von trans Personen, Frauen, Kommunist*innen von "from the river to the sea" als wären sie nicht die ersten, die von der rechtsextremen Hamas aufgeknüpft an Bäumen hängen würden. Dass der Nahostkonflikt seit Ewigkeiten DIE Konfliktlinie in der deutschen Linken ist, ist ja nichts neues, aber an Tagen wie diesen wird mir noch mal wunderbar deutlich, wie wenig wir miteinander gemein haben. Zu den katastrophalen Lebensumständen von palästinensischen Flüchtlingen, bspw. im Libanon, habe ich aus der Richtung übrigens noch nie was gehört. Komisch, komisch: alle reden permanent über Israel, haben aber keine Ahnung vom Rest der Region. Dass sie sich ausgerechnet auf den einzigen jüdischen Staat eingeschossen haben, ist natürlich Zufall.
Und auf der rechten Seite der Medaille stürzt man sich direkt auf den "migrantischen Antisemitismus". Ja, den gibt es. Ja, das ist ein Riesenproblem. Aber deutschen Antisemitismus gibt es auch - beides muss bekämpft werden. So zu tun als wäre Antisemitismus kein deutsches Problem...na ja, braucht man eigentlich gar nicht weiter drauf eingehen.
Sorry für den langen Beitrag, aber ich musste mich mal auskotzen. Normalerweise rede/schreibe ich seit Jahren nicht mehr zum Nahostkonflikt, weil diese Diskussionen ohnehin nie fruchtbar sind, aber gestern habe ich es nicht mehr ausgehalten. Und die ganze Sache nimmt mich ziemlich mit. Unvorstellbar, was Israelis gerade aushalten müssen und das Leben der palästinensischen Zivilist*innen in Gaza wird in den nächsten Wochen/Monaten auch alles andere als lustig.
Heavy Rotation → ◉ Fleetwood Mac - Tango in the Night ◉ Bonobo - Black Sands ◉ The Decemberists - As It Ever Was, So It Will Be Again ◉ Interpol - Our Love to Admire ◉ Skeewiff - Something Like That?
Dass in Berlin Menschen auf der Straße "Scheiß Juden" brüllen - das macht fassungslos. Sollen ihnen ihre Süßigkeiten, die sie zum "Sieg des Widerstandes" verteilen, im Hals stecken bleiben.
Die letzten Sechs in der Playlist: Honeyglaze - Real Deal || Laura Marling - Patterns In Repeat || Nieve Ella - Watch It Ache and Bleed || Dawn Richard & Spencer Zahn - Quiet In a World Full of Noise || Flip Top Head - Up Like a Weather Balloon || Haley Heyndericks - Seed of a Seed
Zitat von faxefaxe im Beitrag #5400Der neue Krieg gegen Israel wird meiner Meinung nach auch sehr weitreichende Folgen haben, auch, weil da Russland und Iran eine zentrale Rolle spielen.
Glaube ich ehrlich gesagt nicht, weil die Konstellationen wie gewohnt sind - nur die Dimension ist dieses Mal unfassbar. Das ist wie das israelische 9/11. Gut, vielleicht ist es auch nur mein Wunschdenken, dass es keine weitreichenden Folgen (im Sinne von zusätzlichen kriegerischen Auseinandersetzungen) hat.
Twitter kann man auf jeden Fall erstmal zulassen. Die ganzen antiimperialistischen, "post-kolonialen" Linken feiern es als Schritt Richtung Freiheit. Was für eine Freiheit soll das sein? Eine Freiheit, in der vergewaltigte, ermordete Frauen auf Trucks liegen und verhöhnt werden? Na geil. Da fabulieren Accounts von trans Personen, Frauen, Kommunist*innen von "from the river to the sea" als wären sie nicht die ersten, die von der rechtsextremen Hamas aufgeknüpft an Bäumen hängen würden. Dass der Nahostkonflikt seit Ewigkeiten DIE Konfliktlinie in der deutschen Linken ist, ist ja nichts neues, aber an Tagen wie diesen wird mir noch mal wunderbar deutlich, wie wenig wir miteinander gemein haben. Zu den katastrophalen Lebensumständen von palästinensischen Flüchtlingen, bspw. im Libanon, habe ich aus der Richtung übrigens noch nie was gehört. Komisch, komisch: alle reden permanent über Israel, haben aber keine Ahnung vom Rest der Region. Dass sie sich ausgerechnet auf den einzigen jüdischen Staat eingeschossen haben, ist natürlich Zufall.
Und auf der rechten Seite der Medaille stürzt man sich direkt auf den "migrantischen Antisemitismus". Ja, den gibt es. Ja, das ist ein Riesenproblem. Aber deutschen Antisemitismus gibt es auch - beides muss bekämpft werden. So zu tun als wäre Antisemitismus kein deutsches Problem...na ja, braucht man eigentlich gar nicht weiter drauf eingehen.
Sorry für den langen Beitrag, aber ich musste mich mal auskotzen. Normalerweise rede/schreibe ich seit Jahren nicht mehr zum Nahostkonflikt, weil diese Diskussionen ohnehin nie fruchtbar sind, aber gestern habe ich es nicht mehr ausgehalten. Und die ganze Sache nimmt mich ziemlich mit. Unvorstellbar, was Israelis gerade aushalten müssen und das Leben der palästinensischen Zivilist*innen in Gaza wird in den nächsten Wochen/Monaten auch alles andere als lustig.
+1 Ich wundere mich immer wieder, wie Teile der deutschen Linken in den Angriffen der Hamas auf Israel irgendeinen emanzipatorischen Charakter sehen will. Ich gehe auch nicht mit der verqueren Argumentation vieler AntiDs mit, die im Kern häufig rassistisch ist aber diese Verklärung von islamistischen Terrorgruppen werde ich nie nachvollziehen können.
Das geht besonders gut vom heimischen Sessel aus. Die tatsächlichen Auswirkungen erleiden ja andere. Was ich immer nicht begreife ist, wie sich Menschen mit solchen Einstellungen selbst als links identifizieren können.
☟ smog in berlin. nichts wie hin. weil du mich küsst, bin ich kein tourist.
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Zitat von Marla Singer im Beitrag #5403 Und auf der rechten Seite der Medaille stürzt man sich direkt auf den "migrantischen Antisemitismus". Ja, den gibt es. Ja, das ist ein Riesenproblem. Aber deutschen Antisemitismus gibt es auch - beides muss bekämpft werden. So zu tun als wäre Antisemitismus kein deutsches Problem...na ja, braucht man eigentlich gar nicht weiter drauf eingehen.
Und zu tun, als wäre Antisemitismus kein migrantisches Problem und zuerst immer auf den der Deutschen zu verweisen, bringt uns auch keinen Schritt weiter. Was in Neukölln geschehen ist, war ekelerregend und sollte mit der ganzen Härte des Gesetzes bestraft werden. Und Deutsche waren diesmal keine am Start, zumindest keine ohne Migrationshintergrund. Der importierte Antisemitismus muß uns immer erst auf die Füße fallen, damit wir ihn realisieren, und selbst dann wird er noch ignoriert.
We don't believe in anything we dont stand for nothing. We got no "V" for victory cause we know things are tougher.
(Iggy Pop/James Williamson: "Beyond The Law")
---------------------------------------------------------------- From the river to shut the fuck up.
Zitat von Marla Singer im Beitrag #5403 Und auf der rechten Seite der Medaille stürzt man sich direkt auf den "migrantischen Antisemitismus". Ja, den gibt es. Ja, das ist ein Riesenproblem. Aber deutschen Antisemitismus gibt es auch - beides muss bekämpft werden. So zu tun als wäre Antisemitismus kein deutsches Problem...na ja, braucht man eigentlich gar nicht weiter drauf eingehen.
Und zu tun, als wäre Antisemitismus kein migrantisches Problem und zuerst immer auf den der Deutschen zu verweisen, bringt uns auch keinen Schritt weiter. Was in Neukölln geschehen ist, war ekelerregend und sollte mit der ganzen Härte des Gesetzes bestraft werden. Und Deutsche waren diesmal keine am Start, zumindest keine ohne Migrationshintergrund. Der importierte Antisemitismus muß uns immer erst auf die Füße fallen, damit wir ihn realisieren, und selbst dann wird er noch ignoriert.
Kannst du mir bitte mal erklären, inwiefern das Wörtchen "auch" migrantischen Antisemitismus ignoriert? Wie ich schon schrieb: der ist ein Riesenproblem. Willst du mir aber wirklich sagen, dass es keine einzige antisemitische Kartoffel in diesem Land gibt? Die gehen nämlich zukünftig ungesehen durch, wenn wir nur noch von migrantischem Antisemitismus statt von Antisemitismus faseln. Das geht's auch nicht um nen blöden Whataboutism, sondern um reale politische Maßnahmen, die nicht korrekt ausgerichtet werden wenn eine Seite der Medaille ignoriert wird. Siehe Lumich.
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Das Problem ist, dass manche (meine niemanden hier) Antisemitismus erst interessiert, wenn es sich gegen Moslems nutzen lässt. Das gilt auch für Frauenrechte. Oder für Kinderarbeit (wenn es gegen Elektroautos geht). Etc pp
Ich fürchte, da hat Faxe recht. Antisemitismus ist nämlich immer in erster Linie Antisemitismus, egal von welcher Seite er ausgeht. Da eine Unterscheidung in "migrantisch" und "deutsch" aufzumachen, erscheint mir recht abenteuerlich.
You all want the whole world to be changed so you will be different.
ich finde die unterscheidung gar nicht so abenteuerlich, da antisemitismus ja verschiedene ursachen haben kann, bzw. hat. da lohnt es sich, bei den verschiedenen bevölkerungsgruppen genau hinzuschauen, wo die ursachen und ausprägungen liegen, um ihn wirksam bekämpfen zu können. ansonsten bin ich natürlich vollständig bei euch.
Diese ständige Betonung der Unterscheidung ist natürlich eher islamophob motiviert, als dass echte Sorgen eines ansteigenden Antisemitismus bestünden. Die Bekämpfung von migrantischem Antisemitismus wäre in den Augen der Rechten dann auch konsequent und ganz einfach. Deutscher Antisemitismus wird von AfD usw. ignoriert, weil kein echtes Interesse besteht ihn zu bekämpfen. Leider ist diese verlogene Diskussion bereits im "Mainstream" angekommen.
Zitat von Ninja_Hagen im Beitrag #5414Diese ständige Betonung der Unterscheidung ist natürlich eher islamophob motiviert, als dass echte Sorgen eines ansteigenden Antisemitismus bestünden. Die Bekämpfung von migrantischem Antisemitismus wäre in den Augen der Rechten dann auch konsequent und ganz einfach. Deutscher Antisemitismus wird von AfD usw. ignoriert, weil kein echtes Interesse besteht ihn zu bekämpfen. Leider ist diese verlogene Diskussion bereits im "Mainstream" angekommen.
Sieht man übrigens auch wunderbar daran, wohin Beatrix von Storch "Hamas-Terroristen" abschieben will. Kommt ihr drauf? Genau, Israel.
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Zitat von Mory im Beitrag #5412Ich fürchte, da hat Faxe recht. Antisemitismus ist nämlich immer in erster Linie Antisemitismus, egal von welcher Seite er ausgeht.
Das ist eigentlich 100%ig meine Meinung. Aber andere Leute tendieren da immer zum Differenzieren. Mir erscheint es immer so, als würde migrantischer Antisemitismus durch den Hinweis auf den deutschen relativiert, nach dem Motto "ja, aber auch die Deutschen....", und diesem würde dadurch Priorität verliehen. Davon abgesehen tritt der rechte Antisemitismus momentan erstaunlicherweise in den Hintergrund, weil sich schlecht mit solchen Leuten wie in Neukölln sympathisieren läßt als strammer Neonazi. Leute, die den Angriff auf Israel als "Befreiungskampf" abfeiern, sind in erster Linie Linksextreme. Und dieses völlig verblödete Pack wurde bisher in der Diskussion völlig ignoriert und kommt jetzt aus seinen Löchern ... und versorgt Demonstranten in Neukölln schonmal solidarisch mit Getränken.
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