Zitat von beth im Beitrag #211. Impfung 26.02 2. Impfung 21.05. Beides Astra
Glückwunsch! Und möglichst keine Nebenwirkungen.
Keine waren es nicht, aber es war wesentlich harmloser als beim ersten mal. Bissl Fieber und Kopfschmerzen. Nach 10 Stunden Schlaf hat sich das aber auch wieder erledigt.
was mach ich eigentlich, wenn ich dann irgendwann den zweiten termin hatte? in der umfrage steh ich dann ja immer noch als erstgeimpft.
und ja, auch ich will niemandes impfneid wecken, wünsche allen noch wartenden die baldige erstimpfung, und habe auch nicht vor, mich nach dem zweiten schuss gleich wieder maskenlos in den nächsten gangbang zu stürzen. angesichts der allgemeinen angefasstheit und meiner eigenen seelischen erschöpfung reicht mir vorerst die fortführung meines derzeitigen alltags unter leicht optimistischeren vorzeichen.
Privat hätte ich die Impfung ehrlich gesagt nicht so wirklich gebraucht. Ich bin immer noch eremitisch unterwegs wie eh und je. Aber beruflich bin ich schon froh, dass das gemeinsame übers Mathebuch Beugen oder die körperliche Fixierung eines Kindes nur noch die üblichen Gefahren birgt und wenigstens nicht mehr, dass ich mich mit einer potentiell tödlichen Krankheit anstecke oder gar ich ein Kind anstecke (Ja, ich weiß, kann trotzdem passieren, wenn's ganz blöd läuft) Das schöne ist ja: Je mehr geimpft sind, desto niedriger wird das Risiko auch für Ungeimpfte.
Ah ja: Und natürlich bin ich immer noch dafür, dass das Tragen von Masken in Öffis und Geschäften zum pandemieunabhängigen Standard wird und Leute sich die Hände waschen und Fremde Abstand halten.
So rein statistisch betrachtet (ok, wir sind hier im Forum ja kaum Prio 1 und 2) könnten… von 5 Forumsmitgliedern bislang 2 schon einmal geimpft worden sein… und jedes achte Forumsmitglied wäre demnach vollständig geimpft.
Es wird allerdings eh noch 23 Wochen lang (Mai, Juni, Juli, August und September 2021) geimpft, um so auch rund 80 % der Bevölkerung zu impfen.
Sicher wird es sich nicht vermeiden lassen, dass allerorten so etwas wie „Impf-Ungerechtigkeiten“ aufkommen werden. Letztlich eben auch als Folge der Aufhebung von Priorisierungen.
Kritisch würde ich selbst sehen, dass man womöglich den „schwarzen Peter“ an die impfenden Ärzte weiterreicht, die nun ja mit den „Dränglern“ und „Vordränglern“ in den Praxen klarkommen müssen. Da gibt es sicher reichlich Patienten, die aus „Gründen“ möglichst rasch geimpft werden möchten.
Sehr kritisch sehe ich zudem, dass immer noch jede Woche über 1000 Menschen an und mit Corona sterben. Todesfälle. Und es sind eben zumeist diejenigen über 60. Hier in NRW wurden im Mai immer noch laut Prio die über 70-jährigen geimpft und aus der Prio-Gruppe 3 nur ausgewählte Gruppierungen. Daraus ergibt sich, dass Personen, deren Leben man altersbedingt eigentlich mit einer Impfung womöglich retten könnte auf der einen Seite stehen, während sich andererseits jüngere Menschen unbedingt impfen lassen wollen, um leichter einkaufen oder reisen zu können. Auch wenn sie dafür dann zuvor zum Wahlhelfer mutieren müssen o.ä. So lange der Impfstoff irgendwo knapp ist, würde ich da durchaus einen "moralischen Konflikt" erkennen.
Ich selbst bin mit 59 immer noch Prio-Gruppe 4; da würde ich kaum vor Juli 2021 geimpft. Aktuell steht aber an, dass wir uns demnächst über unser Unternehmen bzw. durch den Betriebsarzt impfen lassen könnten. Gestern wurden alle Mitarbeiter dazu befragt.
"Good taste is the worst vice ever invented" (Edith Sitwell)
Unsere Betriebsärztin kommt leider nicht an Impfstoff im Moment. Deshalb sind bei uns jetzt viele Frauen über 50 und Männer jeden Alters mit Astra erstgeimpft, denn das werden sie ja nicht los, während jüngere Frauen, die den Löwenanteil unserer Belegschaft ausmachen, fast komplett noch ungeimpft sind. Auch eine blöde, ungerechte Verteilung.
Durch meine berufliche Tätigkeit bin ich in Prio 3 gruppiert. Ich bin froh, dass dadurch das Risiko minimiert wird, zumal dies durch die hohe Anzahl beruflicher Kontakte nicht eben gering ist.
Grundsätzlich können Hausärzte meiner Meinung nach besser priorisieren als der Staat mit seiner sehr groben 1-2-3-4-Einordnung. Da haben ja auch viele angekreuzt, sie pflegten eine Person aus Risikogruppe 1, die das nicht unbedingt tun... die Hausärzte kennen dagegen ihre Patienten und wissen, welcher 59-Jährige vielleicht besser vor dem 61-Jährigen geimpft werden. Ich habe bei meiner Hausärztin im Herbst auch keine Grippeimpfung bekommen, als der Impfstoff knapp war, weil sie erste ihre Alten impfen wollten.
Deswegen habe ich bislang gesagt, dass es falsch ist, von einer „Aufhebung der Priorisierung“ zu reden.
Aber nicht so ganz bedacht hatte ich Zickzacks Argument, dass da die durch den Rost fallen, die gar keinen Hausarzt haben.
Wobei das Fehlen eines Hausarztes einen ja auch eher unverdächtig macht, einer Risikogruppe anzugehören. Wir haben ein Schild an der Praxistür, das auf die fortgesetzte Priorisierung in unserer Praxis hinweist. Jede:r (aus unserer Kartei, in Einzelfällen auch glaubwürdig Hausarztlose) kann sich auf die Impfwunschliste setzen lassen (von mir aus auch mit speziellen Impfstoff- und Zeitpunktwünschen, das macht eine Impfung halt nicht wahrscheinlicher), und wir machen uns jedes Wochenende die Arbeit, aus den aktuell ca. 800 Leuten die 30-90 rauszusuchen, denen wir für die nächste Woche ein Impfangebot machen. Natürlich führt das zu Diskussionen, aber 99,8% der Patient:innen akzeptieren das System.
"Happy Holidays... is what terrorists say. Merry Christmas, from Avery and Jack."
Es gibt noch einige mehr , die durchs Raster fallen.
-Personen mit Behinderungen abseits von Trisomie 21 oder Pflegeheimen, die unter 60 sind -Eltern von schwerstkranken oder schwer kranken Kindern -Personen mit seltenen Krankheiten -Personen ohne Identitätsnachweis -Obdachlose
weiß nicht, wie das bei den identitätsnachweislosen ist, aber die beispiele der ersten drei punkte haben doch mit höchster wahrscheinlichkeit einen hau(s)arzt, oder?
Zitat von Vermooste_Pfote im Beitrag #57Es gibt noch einige mehr , die durchs Raster fallen.
-Personen mit Behinderungen abseits von Trisomie 21 oder Pflegeheimen, die unter 60 sind -Eltern von schwerstkranken oder schwer kranken Kindern -Personen mit seltenen Krankheiten
Das müsste aber nicht sein, dafür gibt es Pragraph 3 Absatz 1 Nummer 2 k) und den sich darauf beziehenden Pragraphen 3 Absatz 1 Nummer 3 a) (vgl. Bundesanzeiger). Falls die Bedingungen zutreffen. Nicht jeder Mensch mit Behinderung hat ein erhöhtes Risiko einer Corona-Infektion oder im Falle einer Infektion ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf.
Zitat-Personen ohne Identitätsnachweis -Obdachlose
Stimmt. Für Obdachlose gab und gibt es immer wieder Impfaktionen, die allerdings schwer zu koordinieren sind. Der Hinweis auf Personen ohne Identitätsnachweis ist zwar sicher auch richtig, aber von welchen Zahlen reden wir da und wie soll da eine Lösung aussehen? Da muss mE das Grundproblem angegangen werden.
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