Ich habe lange nichts mehr gelesen, das mir wirklich missfiel und hatte mir schon Sorgen gemacht, ob ich zu unkritisch werde. Herr Felsenheimer hat mich davon kuriert, denn sein Debüt taugt wenig bis nichts. Der Roman besteht aus gefühlt 50 Charakteren, die alle nicht ausgearbeitet sind und Dinge nur tun, weil der Autor das gerade so will. Man kann es konstruiert nennen, ich sage krampfig dazu. Motive werden eingeführt und verschwinden einfach wieder, der plumpe und oft auch vulgäre Schreibstil macht ebenfalls keine Freude. Finger weg.
Nick Hornby - Funny Girl (2014) (Der deutsche Titel war "Miss Blackpool", nicht sehr glücklich, da es einen völlig anderen Schwerpunkt im Leben der Protagonistin setzt)
Insbesondere bei englischsprachigen Büchern habe ich Hörbücher gerne, um es in korrekter Aussprache statt, wie beim selbst lesen, mit dem German English vor meinem inneren Ohr, zu hören. Nach acht Jahren erfolgloser Suche nach einem Download habe ich jetzt doch zur Buchausgabe gegriffen.
Hornby dürfte, neben Sven Regner (und denen, die nur einen geschrieben haben), der einzige Autor sein, von dem ich alle Romane gelesen habe ("Fever Pitch", das ich mangels Interesse am Thema Fußball ausgelassen habe, zählt laut Klappentext zu "non fiction"), sogar "Slam", das laut Klappentext für "young adults" ist, obwohl ich bereits 2007 weit von "jung" entfernt war (von "erwachsen" ohnehin). Und ich wurde nie enttäuscht (von den Verfilmungen wollen wir hier nicht reden). Auch hier nicht: Man kann sich in die Figuren einfühlen und es ist immer ein Humor mit immer innewohnender Traurigkeit vorhanden, was will man mehr.
Zitat von Anorak Twin im Beitrag #1877"Fever Pitch", das ich mangels Interesse am Thema Fußball ausgelassen habe, zählt laut Klappentext zu "non fiction"
Das fand ich auch grauenhaft langweilig. Du hast nichts verpaßt.
We don't believe in anything we dont stand for nothing. We got no "V" for victory cause we know things are tougher.
(Iggy Pop/James Williamson: "Beyond The Law")
---------------------------------------------------------------- From the river to shut the fuck up.
Das ist das Beste, was ich je von ihm gelesen habe. Es hat mich nicht nur hellauf begeistert, sondern phasenweise überwältigt, denn es hat mich auf dermaßen vielen Ebenen erreicht und berührt, daß ich das grad unfaßbar finde. Irgendwie sind wir uns in unseren Gefühls- und Erlebniswelten doch näher, als wie dachten. Die Rückkehr ins Dorf, wenn man schon selbstreflektiert mit Altersmilde gesegnet ist, das Wiedersehen mit Leuten, der Versuch, ihre Lebensrealität nachzuvollziehen, nachdem man es jahrelang nicht wollte und sich verweigert hat, die Balance zwischen Abscheu und Nostalgie, das unangenehme Gefühl, daß das hier alles nicht so schlimm ist, obwohl man es schlimmfinden möchte ... hier sitzt alles und kommt auf den Punkt.
Ich könnte heute auch keine "Kreisklassenhölle" mehr schreiben, weil mir der blinde Haß abhandengekommen ist und ich zum Teil meinen Frieden gemacht habe; insofern fühle ich mich durch dieses Buch fast perfekt repräsentiert.
We don't believe in anything we dont stand for nothing. We got no "V" for victory cause we know things are tougher.
(Iggy Pop/James Williamson: "Beyond The Law")
---------------------------------------------------------------- From the river to shut the fuck up.
Viel Lärm um nichts, überwiegend. Jonathan Franzen wälzt ein inhaltlich durchschnittliches Familiendrama, das man auf 300 Seiten hätte erzählen können, auf 800 Seiten aus. Das liegt daran, dass er jeder Nebenfigur seitenlang hinterhermäandert. Zwischendurch beschreibt er ausgedehnt eine Kreuzfahrt, durch die ich mich ziemlich durchkämpfen musste. Und natürlich muss auch irgendwann das Lieblingsthema aller literarischen Intellektuellen aufgegriffen werden: Essen. Anfangs war ich auch von Franzens Schreibstil abgetörnt: Thomas-Mann-Schule, eine Seite, ein Satz, dreißig Nebensätze. Das gibt sich zum Glück schnell und man kann das Buch ab da flüssig lesen. Der Schluss hat mich dann doch emotional erwischt und ich habe mir vorgenommen, niemals so mit meinen Eltern umzugehen wie diese unsympathischen Superegos hier. Also haben sich die 800 Seiten vielleicht letztlich doch gelohnt, wer weiß.
Weder zu dieser Band, von der ich keinen Ton Musik kenne, noch zu diesem Typen habe ich irgendeinen Bezug. Und dennoch habe ich dieses Geburtstagsgeschenk sehr gerne gelesen, denn Herr Gorkow erzählt unterhaltsam und ohne Blatt vor dem Mund. Einige Dinge werden jedem dicken Menschen bekannt vorkommen. Es ist weniger ein Ratgeber und mehr eine Schilderung, immer wieder gemischt mit autobiografischen Elementen aus anderen Bereichen (Band, politisches Engagement, Fußball). Monchi ist ein ambivalenter Typ, auf der einen Seite durchaus reflektiert und sympathisch, auf der anderen aber auch ein harter Asi. Vielleicht ist sein Buch deshalb so lesenswert.
Ich hatte da von Anfang an keinen Bock drauf und habe jetzt (nach einem OX - Interview und Olsens Rezension) erst recht keinen mehr. Menschen sind schon verschieden.
We don't believe in anything we dont stand for nothing. We got no "V" for victory cause we know things are tougher.
(Iggy Pop/James Williamson: "Beyond The Law")
---------------------------------------------------------------- From the river to shut the fuck up.
Ich habe mich bis zum Ende durchgebissen, um sagen zu können: Ich habe es gelesen. Und damit meine ich, dass ich mir die letzten sechzig Seiten, die ausschließlich aus Gedichten bestehen, dann geschenkt habe. Tja, was kann man sagen? Das Teil ist schwerfällig und schwierig zu erfassen. Tausend Figuren werden eingeführt, dozieren fünf Seiten lang über Thema X und verschwinden auf Nimmerwiedersehen. Es ist ein Wunder, dass Drehbuchautor Robert Bolt für David Leans Verfilmung hier eine Geschichte rausdestillieren konnte, die das Publikum bei der Stange hielt. Aber ich muss den Film noch mal sehen, ist länger her. Hierfür gab es den Literatur-Nobelpreis? Ja gut, Geschmäcker sind verschieden. Haken dran.
Damit habe ich mich auch schwer getan. Wie du treffend schriebst: Viele Figuren! Dazu die russischen Namen. Das fand ich sehr schwer...
Die letzten Sechs in der Playlist: Nieve Ella - Watch It Ache and Bleed || Dawn Richard & Spencer Zahn - Quiet In a World Full of Noise || Flip Top Head - Up Like a Weather Balloon || Haley Heyndericks - Seed of a Seed || Idles - Joy As an Act of Resistance || Wild Nothing - Indigo
Zitat von King Bronkowitz im Beitrag #1883Ich hatte da von Anfang an keinen Bock drauf und habe jetzt (nach einem OX - Interview und Olsens Rezension) erst recht keinen mehr. Menschen sind schon verschieden.
ich bin da thematisch vielleicht einfach auch näher dran als du... ;)
Ich kenne Monchi neben der Musik und der grundsätzlichen politischen Positionierung nur von seinem Gastauftritt in Arnd Zeiglers Podcast „Ball You Need aus Love“. Einen Menschen, der diese kindischen (Ultras) bis indiskutablen (Hooligans) Auswüchse des Fußballs mit so wenig Distanz und Reflexion betrachtet, kann ich nicht ernst nehmen. Außerdem hat Olsen direkt davor eins meiner Inselbücher verrissen, es kommt also noch ein bisschen Trotz dazu.
"Auf deinem Shirt steh‘n die Dinge, Die du gerne wärst, nicht die du bist, Was im Grunde völlig in Ordnung ist. Nur: Wir können alle lesen Und du bist nie ein Dreckstück gewesen."