Da jetzt einige über "22 Bahnen" geschrieben haben, schreibe ich das mal ohne Zitat hier rein: ich fand das Buch auch klasse und habe durch Zufall parallel "Bungalow" von Helene Hegemann gelesen, das thematisch sehr ähnlich ist, aber doch ganz anders. Ich denke, wer "22 Bahnen" gerne gelesen hat, dürfte auch mal bei "Bungalow" einen Blick reinwerfen.
"Kleine Monster" habe ich übrigens zu Weihnachten geschenkt bekommen und hatte es innerhalb von 2 Tagen durch. Ganz, ganz toll - musste mehrmals das Buch kurz zur Seite legen, weil es mir so nahe gegangen ist.
Heavy Rotation → ◉ Fleetwood Mac - Tango in the Night ◉ Bonobo - Black Sands ◉ The Decemberists - As It Ever Was, So It Will Be Again ◉ Interpol - Our Love to Admire ◉ Skeewiff - Something Like That?
Zitat von King Bronkowitz im Beitrag #2432Werde mir "22 Bahnen" wie auch "Kleine Monster" bestellen. Tips werden hier immer gerne mitgenommen.
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Herr Kaiser-Mühlecker lacht micht auch an.
I'm a septic tank half full kind of guy / got a twinkle in my eye / that I've been told is just astigmatism / I've got a s-skip in my step like / the undead half risen
dann noch einmal nachdrücklich: wer "22 bahnen" schätzt, sollte unbedingt "das wirkliche leben" von adeline dieudonné lesen. und "das mädchen" von angelika klüssendorf. bei "bungalow" schließe ich mich ebenfalls an ;)
Das erste Buch des neuen Jahres war direkt ein absoluter Volltreffer. Einige Jahre (!) lag dieses vielgelobte Buch auf meinem noch-zu-lesen-Stapel, aber endlich war ich in der richtigen Stimmung für 600 Seiten Science Fiction. Zwar habe ich 100 - 150 Seiten gebraucht, um einen richtigen Lesefluss zu entwickeln, aber spätestens dann zog mich die Welt, die Tchaikovsky hier beschreibt, in ihren Bann.
Worum geht es? Eine in unbestimmter Zukunft lebende Menschheit, breitet sich im Universum aus und versucht durch diverse Terraforming-Experimente neue bewohnbare Welten zu erschaffen. Ein besonderes Projekt ist das von Dr. Avrana Kern, einer so genialen wie größenwahnsinnigen Wissenschaftlerin, die auf einem von Menschen geplanten und aufgebauten, grünen Planeten göttinnengleich ihre ganz persönliche Kreation gedeihen lassen möchte. Der Plan sieht vor, auf diesem Planeten eine Shuttleladung Affen abzusetzen und diese dann dort mit einem mitgesendeten Nanovirus zu infizieren, der die evolutionären Prozesse der Primaten beschleunigen und vorantreiben soll. Der evolutionäre Fortschritt soll über Jahrhunderte oder gar Jahrtausende von einem Freiwilligen überwacht werden, der eingefroren in einer Wächterkapsel um den Planeten kreist und sporadisch für Updates aufgeweckt wird.
Doch der Expansions- und Experimentierwille eines Teiles der Menschheit bleibt nicht ohne Widerstand. Es bildet sich eine Gegenbewegung, die menschliches Leben abseits der Erde ablehnt und eine Rückbesinnung auf die Erde fordert. Hierfür schreckt sie auch vor Gewalt nicht zurück und so kommt es, dass Dr. Kerns Projekt von einem eingeschleusten Spion (der freiwillige Kapselbewohner) sabotiert wird. Die Sabotage ist so erfolgreich, dass alle am Projekt beteiligten Mitarbeiter (und der Saboteur) sterben. Auch die armen Affen können nicht mehr korrekt auf den neuen Planeten hinabgelassen werden und verglühen beim Eintritt in die Atmosphäre.
Ausschließlich Dr. Kern gelingt es sich in die Wächterkapsel zu retten. Ihr Versuch das Projekt doch noch korrekt zu starten gelingt aber nicht ganz, denn die Affen schaffen es, wie schon erwähnt, nicht mehr lebend auf den Planeten. Und so ist alles was bleibt, eine völlig isolierte Dr. Avrana Kern, mit der Aussicht, einsam und eingefroren ihre Kreise um den Planeten zu ziehen und der leisen Hoffnung, dass vielleicht in ein paar Jahrzehnten ein Rettungsschiff kommt, um sie aus dieser misslichen Lage zu befreien.
Ach, hatte ich schon erwähnt, dass das Nanovirus unbeschadet auf dem Planeten angekommen ist und ganz unverhofft ein völlig anderes Wirtstier gefunden hat?
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Klingt wirklich megagut und ist bei uns in der Onleihe verfügbar - yay!
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ein wahnsinnig gutes buch! kunden, die mit "herkunft" von sasa stanisic etwas anfangen konnten, werden hier bestens bedient - statovci, ein finnischer autor mit wurzeln im kosovo verknüpft themen wie herkunft, migration, familie, tradition und rollenbilder bis hin zu homophobie unaufdringlich und meisterhaft, und als sahnehäubchen gibt es noch eine sprechende arschlochkatze obendrauf. im gegensatz zum klappentext empfinde ich den roman keinesfalls als "skurril" (sieht man von den haustieren einmal großzügig ab), sondern vielmehr als ernsthaft und pointiert, wie sich die parallel erzählten geschichten am ende zusammenfügen, ist schlüssig. kein wort zuviel und keines zuwenig, keine albernheiten, aber auch keine tränendrüse. schwierig zu sagen, ob ich dieses jahr noch ein besseres buch lesen werde, vielleicht war es aber auch einfach nur der richtige roman zur richtigen zeit.
manchmal ist man überrascht... ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich hatte von diesem roman noch nie etwas gehört. bereits im jahr 1920 verfasst, entwirft samjatin eine dystopie, die den berühmten "schöne neue welt" und "1984" in nichts nachsteht, oder vielmehr: diesen einiges vorweg nimmt. auf einen erfahrungsschatz wie orwell, der totalitäre systeme live und in farbe beobachten konnte, konnte samjatin nicht zurückgreifen, als beteiligter an der oktoberrevolution und dem aufstand des panzerkreuzer potemkin ist all das geschriebene schlichtweg reine vision. die geschichte ist recht "klassisch": eine welt, die auf den regeln der mathematik, völliger gleichschaltung und dem verlust jeglicher form von individualität beruht, wo das einzelne dem großen ganzen brutal untergeordnet und das leben komplett durchgetaktet ist, entwickelt der protagonist - der raumschiffingenieur D-503 - eine seele. es folgen chaos, liebe, revolution, das ganze ist recht sperrig geschrieben, aber dennoch atemberaubend spannend und visionär bis zum anschlag. keine ahnung, ob man dieses buch gelesen haben MUSS (die antwort lautet immer "nein"!), aber diese "bildungslücke" geschlossen zu haben, fühlt sich überhaupt nicht falsch an. "wir" hätte es verdient, in einem atemzug mit den großen dystopien des frühen 20. jahrhunderts genannt zu werden.
Gleich nach Erscheinen verfilmt? Das ist halt mal ein Wort. Habe ich aus dem Bücherschrank gezogen und gleich gelesen (wie "Roter Drache" auch) und wird auch umgehend wieder dort landen (wie "Roter Drache" auch). Das Buch ist zwar spannend (auch, wenn man den Film bereits kennt) und liest sich recht gut weg, hat aber trotzdem einige Längen und sonstige Schwächen (die aber auch der Übersetzung geschuldet sein dürften): eine extrem verwirrende Beschreibung von Buffalo Bills Haus (die man besser ausarbeiten hätte können, denn wenn man nicht den Film vor dem geistigen Auge hat, blickt man nur schwer durch), einige unvermittelte Sprünge in der Handlung und Harris' Versuch, als "richtiger" Schriftsteller zu metaphorisieren, wobei teils entsetzlicher Stuß herauskommt. Es gibt auch einige Abweichungen zum Film (das eigentliche Ende, beispielsweise), die aber nicht sehr ins Gewicht fallen. Fazit: gute Unterhaltung, aber erst Jonathan Demme hat aus dieser Story etwas richtig gutes gemacht.
We don't believe in anything we dont stand for nothing. We got no "V" for victory cause we know things are tougher.
(Iggy Pop/James Williamson: "Beyond The Law")
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