@JOAT: Prinzipiell schon, wobei man fairerweise sehen muss, dass die Testhäufigkeit bei Geimpften nach wie vor deutlich geringer sein dürfte als bei Ungeimpften. Hat mir gestern erst ein Kumpel erzählt, dass er seit der Zweitimpfung im Juli keinen einzigen Test mehr gemacht hat (auch aus Angst vor Papierkram und Quarantäne), obwohl er seither zweimal erkältet war. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass das viele so machen. Vor kurzem habe ich eine seriöse Berechnung gesehen, nach der man deshalb die Inzidenz bei den Geimpften verdoppeln muss, um diesen Faktor auszugleichen. Auch dann ist der Unterschied der verschiedenen Inzidenzen aber natürlich noch beeindruckend groß.
Ich bin auf jeden Fall gegen eine allgemeine Impfpflicht, schon allein weil ich glaube, dass der Staat das nicht wird durchsetzen können, ohne dabei Situationen zu kreieren, die man so in unserer Gesellschaft nicht erleben möchte.
Dessen ungeachtet finde ich es irgendwie auch besorgniserregend, dass sich bei Maßnahmen zur Eindämmung der Ungeimpften-Pandemie scheinbar nicht recht was tut, obwohl die Zahlen so durch die Decke gehen. Klar, Impfen wär spitze, aber es passiert ja nicht. Wie lange können wir uns denn dieses Wachstum noch weitgehend ungebremst erlauben, ehe es zum echten Problem wird? Ich sorge mich ein wenig darum, dass aus Angst vor dem öffentlichen Aufschrei jetzt wieder nicht vernünftig gehandelt wird. Oder habe ich was verpasst? (Wäre ja schön!)
Zitat von LFB im Beitrag #5896@JOAT: Prinzipiell schon, wobei man fairerweise sehen muss, dass die Testhäufigkeit bei Geimpften nach wie vor deutlich geringer sein dürfte als bei Ungeimpften. Hat mir gestern erst ein Kumpel erzählt, dass er seit der Zweitimpfung im Juli keinen einzigen Test mehr gemacht hat (auch aus Angst vor Papierkram und Quarantäne), obwohl er seither zweimal erkältet war. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass das viele so machen.
Okay, du hast einen Kumpel, der sich seit der Impfung nicht mehr testet. Ich kenne vier Menschen - mich eingeschlossen - die das eben durchaus noch tun. (Zwei testen sich regelmäßig zweimal die Woche, zwei anlassbezogen.) Und da haben wir wieder das Problem mit anekdotischen "Belegen", die uns schon seit anderthalb Jahren das Leben schwer machen: ICH könnte mir nämlich gut vorstellen, dass es viele Geimpfte so halten wie meine testenden Freunde und ich. (Was natürlich die von dir erwähnte Studie nicht aushebeln soll. Aber die kenne ich nun mal nicht.)
You all want the whole world to be changed so you will be different.
Ich habe das nicht als "Beleg" aufgeführt, sondern nur darauf verwiesen, dass ich mir vorstellen kann, dass das viele so halten. Ein Regelwerk, das dafür sorgt, dass Geimpfte ohne Test fast alles dürfen, Ungeimpfte aber (bei 3G) nur mit Test, führt eben zu einer statistischen Verzerrung durch verschiedene Testhäufigkeiten (die dann durchaus statistisch auch belegbar sind). Ich kritisiere das nicht, sondern weise darauf hin.
Nur eine allgemeine Überlegung: Bei Inzidenzen von 500 oder mehr bei Ungeimpften sind die doch (wenn das noch 2-3 Monate so bleibt) schneller in der Herdenimmunität als wenn man sie jetzt zur Erstimpfung bewegt (mit der zusätzlichen Gefahr, dass man bei vielen auf eine beginnende Infektion noch Impfstoff knallt). Also ist es doch jetzt eigentlich zu spät, noch groß auf Erstimpfungen zu setzen? Oder vereinfache ich das jetzt medizinisch zu sehr?
in meinem - sehr wechselhaften - beruflichen umfeld stoße ich auf das gesamte spektrum, von schwurbeliger (fast-)totalverweigerung hin zu hypochondrischer panik. die meisten gehen zum glück halbwegs entspannt mit dem thema um; die flurgespräche ergeben jedoch auch ein bild von einer gewissen wurschtigkeit. man herzt sich mit den worten "bin doppelt geimpft, du auch? komm her!", auf nachfrage scheinen sich viele nicht mehr zu testen, weil sie sowieso zutritt haben. (diejenigen, die immer noch die türklinken mit hygienetüchern abwischen, und sich weigern, mit gedruckten texten zu arbeiten, muss ich glaub ich nicht fragen.)
mich selbst erwische ich auch immer wieder bei einer zunehmend laxen haltung. unlängst war ich zu einer mittelgroßen festivität geladen, und wollte mich vorsichtshalber selbst testen, allerdings versagte die anzeige zwei mal hintereinander. offenbar war das zeug abgelaufen, oder kontaminiert, oder was weiß ich. anstatt mich noch mal kostenpflichtig irgendwo einzureihen, ging ich einfach los, "wird schon okay sein". hinterher hatte ich ein schlechtes gewissen, und versuchte gleich am nächsten tag, neue tests zu erwerben, was gar nicht so einfach war - die discounter haben die dinger nämlich aussortiert, bei rossmann wurde ich dann fündig. der nachcheck war dann zum glück auch negativ. ich möchte nicht wissen, wie viele schluffis meiner bauart hinterher nicht noch mal nachtesten.
ich muss zugeben, dass ich - mehr noch als am anfang der pandemie - überfordert bin. damals wusste man wenigstens noch, was man alles nicht darf. inzwischen schwirren tausende meinungen, fakten, die aber unterschiedlich interpretiert werden, anweisungen, tipps, blabla durch die gegend und ich weiß echt nicht mehr, was davon ich ernst nehen bzw. beherzen soll. testen trotz impfung (hab ich bis jetzt nur beim auftreten von symptomen gemacht), booster: ob und wann und welcher impfstoff, inzidenzen vs. intensivbettenbelegung vs. weißderkuckuckwelcheparameter, impfpflicht vs. durchseuchung, ... *ächz* i mog nimma
Ich bin geimpft und teste mich dennoch zweimal die Woche selbst: dienstags, weil das mein erster Arbeitstag ist, mit selbst gekauften Tests, freitags mit welchen vom Arbeitgeber. Gibt mir einfach ein bisschen mehr Sicherheit.
Was die Regeln angeht: Nur weil man jetzt alles darf, muss man ja nicht alles machen als Geimpfter. Wenn man sich größtenteils an die bekannten Vorgaben hält (AHA-Regeln), dann ist man doch auf der sicheren Seite.
Die letzten Sechs in der Playlist: Honeyglaze - Real Deal || Laura Marling - Patterns In Repeat || Nieve Ella - Watch It Ache and Bleed || Dawn Richard & Spencer Zahn - Quiet In a World Full of Noise || Flip Top Head - Up Like a Weather Balloon || Haley Heyndericks - Seed of a Seed
Ich kann nur noch einmal betonen, dass die Impfung vor allem den Geimpften selbst schützt. Von daher war es ja auch immer sehr wichtig, die älteren Menschen vorrangig zu impfen, da sie ein nicht mehr so starkes Immunsystem haben und ggf. auch Vorerkrankungen. Hier vermeidet die Impfung eben schwerere Krankheitsverläufe oder gar den Tod.
Hinzu kommt, dass durch die Impfung das Ausmaß einer Infektion generell gemildert wird und damit auch die Zahl der abgegebenen Viren und die Dauer dieser Virenweitergabe. Damit entlasten die Impfungen ganz generell unser Gesundheitssystem.
Wer sich nicht impfen lässt, der gefährdet sicher vor allem einmal sich selbst. Ungeimpfte gefährden aber auch andere in höherem Maße - sie geben nach einer Infektion mehr und länger Viren ab - als eben Geimpfte dies tun. Und Ungeimpfte belasten ggf. unser Gesundheitssystem viel stärker, falls sie in der Folge etwa schwerer erkranken.
Es versteht sich von selbst, dass die Belastung unseres Gesundheitssystems immer im Zentrum stand. Es kann auch weiterhin zu Infektionen kommen, die aber bei Geimpften nicht mehr allzu relevant wären, da ja kaum noch schwerere Krankheitsverläufe zu erwarten wären.
So muss man auch die 2G-Regel sehen. Das ungeschützte Zusammentreffen etwa in einem Lokal gefährdet die dort im Innenraum anwesenden Gäste. Da diese aber allesamt schon genesen oder eben geimpft sind, kommt es in der Folge nicht zu einer Überlastung des Gesundheitssystems.
Es geht also im Kern darum, dass sich möglichst nur Personen ungeschützt miteinander treffen, bei denen eine mögliche Infektion keine schwerwiegenden Folgen hätte. Zudem sinkt natürlich auch das Risiko einer Infektion aufgrund der geringeren Virenlast und Verbreitungsdauer bei Geimpften.
Dennoch kann es natürlich auch in solch einer Lokalität zu Ansteckungen kommen, die womöglich an andere Personen (etwa ungeimpfte Familienmitglieder) weitergegeben werden. Es ist keineswegs so, dass man alle Vorsichtsmaßnahmen wie AHA einfach wegfallen lassen kann, weil etwa an einer Arbeitsstelle alle Mitarbeiter genesen und geimpft sind. Ein Infektionsrisiko bleibt bestehen.
Und letztlich kommt es eben dazu, dass alle irgendwann einmal infiziert werden. Da steht dann nur die Frage im Raum, wie viele ernste Krankheitsverläufe es gibt und wie viele Todesopfer. Auch eine Inzidenz von 500 oder 1000 wäre kein Problem, so lange sich die medizinischen Folgen in Grenzen halten. Bei einer normalen Grippe „akzeptieren“ wir ja auch 20.000 Todesopfer pro Jahr und im Bereich der Herz/Kreislauferkrankungen noch viel mehr…
"Good taste is the worst vice ever invented" (Edith Sitwell)
Zitat von LFB im Beitrag #5900Nur eine allgemeine Überlegung: Bei Inzidenzen von 500 oder mehr bei Ungeimpften sind die doch (wenn das noch 2-3 Monate so bleibt) schneller in der Herdenimmunität als wenn man sie jetzt zur Erstimpfung bewegt (mit der zusätzlichen Gefahr, dass man bei vielen auf eine beginnende Infektion noch Impfstoff knallt). Also ist es doch jetzt eigentlich zu spät, noch groß auf Erstimpfungen zu setzen? Oder vereinfache ich das jetzt medizinisch zu sehr?
Das macht für mich überhaupt keinen Sinn und ist mMn unethisch. Hier geht es nicht um einzelne Ungeimpfte. - Vulnerable Gruppen und (aus med. Gründen) Ungeimpfte sowie 9,2 Mio Kinder U12 müssen weiterhin bestmöglich geschützt werden. - Krankenhäuser laufen bereits voll und OPs und andere Behandlungen werden verschoben zugunsten von akuter Behandlung (ungeimpfter) Covid-Patienten. - Auch milde oder symptomlose Infektionen können Long Covid nach sich ziehen. - Durchseuchung birgt Risiko neuer Mutationen.
Übrigens: Angesichts der kommenden Überlastung der Intensivstationen in ca. 2 Wochen sind Unfälle, Herzinfarkte, Krebserkrankungen, Lungenembolien, Lungenentzündungen etc. pp. bitte ab sofort zu unterlassen.
Da hast du mich eventuell falsch verstanden, es geht mir nicht grundsätzlich um die Frage, ob Impfung oder nicht, sondern ob zum jetzigen Zeitpunkt (Inzidenz bei freiwillig ungeimpften Volljährigen inkl. Dunkelziffer vermutlich weit über 500) mit Blick auf die pandemische Lage noch eine Forcierung der Erstimpfung Sinn macht, z.B über einen Impfzwang. Mal abgesehen von den bekannten Einwänden gegen einen Impfzwang erreicht diese Bevölkerungsgruppe gerade aufgrund des Infektionsgeschehens womöglich schneller Herdenimmunität, als dass ein vollständiger Impfschutz (Erst- + Zweitimpfung + Wartefrist) erreicht werden würde. Da scheint mir eine Fokussierung der Ressourcen auf ein Boostern der bereits Geimpften zweckmäßiger.
Dann verstehe ich die Frage nicht. Erlangung der Immunität von "freiwillig Ungeimpften" über Infektion würde sicherlich schneller voran gehen als Impfung (1+2.Impfung+14T). Ja, man hat erstmal weniger Aufwand. Der Preis dafür wäre aber zu hoch, siehe oben. Warum sollte man das anstreben?
Geht es dir nur darum keinen Aufwand mehr zu betreiben, Ungeimpfte umzustimmen? Impfpflicht wird wohl kaum kommen (Ausnahme evtl Pflege). Oder geht es dir darum, andere möglichst schnell zu "boostern"? Das eine schließt das andere nicht aus. Es gibt hier aktuell keinen Impfstoffmangel. Boostern sollte kein Problem sein, natürlich Ältere/Vorerkrantke zuerst.
Die Pandemie aktuell ohne zusätzliche Maßnahmen weiterlaufen zu lassen halte ich für fatal. Ob kostenlose Tests und 3G am Arbeitsplatz ausreichen, wie die Ampel es gestern angekündigt hat, wird sich zeigen. Kliniken in Düsseldorf, Hamburg und auch seit heute die Charité sind bereits im Notfallmodus und sagen alle planbaren Eingriffe ab.
Zitat von LFB im Beitrag #5896@JOAT: Prinzipiell schon, wobei man fairerweise sehen muss, dass die Testhäufigkeit bei Geimpften nach wie vor deutlich geringer sein dürfte als bei Ungeimpften. Hat mir gestern erst ein Kumpel erzählt, dass er seit der Zweitimpfung im Juli keinen einzigen Test mehr gemacht hat (auch aus Angst vor Papierkram und Quarantäne), obwohl er seither zweimal erkältet war. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass das viele so machen.
Okay, du hast einen Kumpel, der sich seit der Impfung nicht mehr testet. Ich kenne vier Menschen - mich eingeschlossen - die das eben durchaus noch tun. (Zwei testen sich regelmäßig zweimal die Woche, zwei anlassbezogen.) Und da haben wir wieder das Problem mit anekdotischen "Belegen", die uns schon seit anderthalb Jahren das Leben schwer machen: ICH könnte mir nämlich gut vorstellen, dass es viele Geimpfte so halten wie meine testenden Freunde und ich. (Was natürlich die von dir erwähnte Studie nicht aushebeln soll. Aber die kenne ich nun mal nicht.)
ich komme gerade von einem PCR-test, da ich heute erfahren habe, dass ich letzte woche einen kontakt mit einer positiven person hatte. die drei schnelltests, die ich zwischen dem kontakt und der information gemacht habe, waren alle negativ, aber sicher ist sicher. ich teste auch nach wie vor dreimal wöchentlich mit antigen schnelltest in der schule und zu hause nach bedarf, z.b. wenn ich auf einem konzert war. ich bekomme nächsten monat die dritte impfung. ich bekomme auch nach wie vor die krise, wenn mir menschen zu nah kommen (gut, das tue ich auch ohne pandemie), trage ausschließlich FFP2, und zwar auch dort, wo ich nicht muss, wasche meine hände und desinfiziere regelmäßig. ich weiß, das ist auch nicht mehr als anekdotische evidenz und diese dazu noch aus einem umfeld, das auf gesundheit und soziales ausgelegt ist. dennoch habe ich schon das gefühl, das viele, die verstanden haben, das ist impfung lediglich das schlimmste abmildert, es ähnlich handhaben.
Zitat von beth im Beitrag #5909ich teste [...]zu hause nach bedarf, z.b. wenn ich auf einem konzert war ✔️ ich bekomme nächsten monat die dritte impfung ✔️ ich bekomme auch nach wie vor die krise, wenn mir menschen zu nah kommen ✔️ trage ausschließlich FFP2, und zwar auch dort, wo ich nicht muss ✔️ wasche meine hände und desinfiziere regelmäßig ✔️ ich weiß, das ist auch nicht mehr als anekdotische evidenz [...] dennoch habe ich schon das gefühl, das viele, die verstanden haben, das ist impfung lediglich das schlimmste abmildert, es ähnlich handhaben. ✔️
So halte ich das auch. Und ja, die Menschen in meinem Umfeld auch größtenteils. Und denen, die das nicht machen, gehe ich aus dem Weg.
http://www.last.fm/de/user/DerWaechter ehemaliger Influencer * Downtown * Radebrecht * "Die einzige Bevölkerungsgruppe, die man risikolos beleidigen kann, sind die Dummen. Da fühlt sich nie einer angegriffen." (Ronja von Rönne) “The sex and drugs have gone and now it’s just the rock ‘n’ roll” (Shaun Ryder)