Ja Mau ist wirklich super, übrigens auch schon der Vorgänger "Lütten Klein". Es gibt nunmal strukturelle unterschiede (und ungleichheiten) - das lässt sich auch nicht mit einem naiven "dieses Ossi-Wessi-Ding" wegdiskutieren. Für die politische Ebene ist dafür übrigens auch "Tausend Aufbrüche. Deutschen und ihre Demokratie seit den 1980er Jahren" von Christina Morina sehr interessant.
Die Arroganz der Jugend in Romanform. Mit 16 hatte ich große Probleme, zu diesem Buch eine Verbindung herzustellen. Dieses Mal ist mir das etwas besser gelungen, aber so richtig kann ich weiterhin nicht nachvollziehen, was daran literarisch oder inhaltlich so besonders sein soll. Schätze mal, ich werde mir jetzt gleich ein paar Interpretationen durchlesen.
wir hatten das buch seinerzeit im englisch-LK, kurz nachdem ich es schon auf deutsch gelesen hatte, und mir sind dann doch ein paar lichter aufgegangen. insbesondere weil die deutsche übersetzung* vieles sehr glattbügelt, was im original zur zeit seines erscheinens ziemlich provokativ und sperrig gewesen sein muss. und offenbar hat holden caulfield einer jungen, idealistischen generation aus der seele gesprochen, die bis dahin keine stimme hatte. ich mag es immer noch, auch wenn ich beim erneuten lesen vor einigen jahren nicht mehr den jugendlichen furor aufbringen konnte, der mich seinerzeit dafür entflammt hatte.
*es gibt wohl eine neuere übersetzung, die ich mir aber bislang nicht zu gemüte geführt habe.
ich war damals auch eher unterwältigt, während es einem ja als eines DER generationsdefinierenden werke angepriesen wurde. vielleicht sollte ich es auch nochmal im original versuchen. viel besser fand ich dann aber "franny & zooey" sowie die "nine stories" (mit einschränkung, weil nicht jede story zündet).
Die "Stimme einer Generation" ist nur leider so dermaßen unsympathisch und behandelt die Menschen um sich herum so miserabel, dass ich mir kein Identifikationspotenzial vorstellen kann.
Und da ist er, der trostloseste Roman seit "The Road". Irland gleitet schleichend in den Totalitarismus, geschildert wird das Ganze aus der Sicht einer Familie mit vier Kindern. Autor Paul Lynch hat einen interessanten abstrakten Stil, über Gefühle zu schreiben und benutzt weder Absätze noch Anführungszeichen. Da muss man sich selbst rausklamüsern, was gerade gesagt, gedacht oder getan wird. Dieser Stil ist anfänglich eine gewisse Hürde, aber man gewöhnt sich schnell dran und dieser Textblock, der hin und wieder von Kapitelmarken durchbrochen wird, führt dazu, dass sich eine Ruhelosigkeit beim Lesen einstellt, die ich lange nicht mehr erlebt habe. Die Verzweiflung und die Hilflosigkeit der Figuren überträgt sich nahtlos auf den Leser. Die erste Hälfte des Romans kann ich mir für Deutschland ganz genauso vorstellen, die zweite nicht mehr. Ich fand's phänomenal und würde jedem gleichzeitig zu- und abraten, dieses Buch zu lesen, weil es unfassbar deprimierend ist.
"Das Ende der Welt ist immer ein lokales Ereignis, es kommt in dein Land und besucht deine Stadt und klopft an die Tür deines Hauses und wird für andere eine ferne Warnung, ein kurzer Bericht in den Nachrichten, ein Echo von Ereignissen…"
Ein tolles Buch, hab es hier ja auch schon gelobt. Fand es sprachlich sehr schön, das hat die Trostlosigkeit der Geschichte etwas in Schach gehalten. Heißer Anwärter auf den Titel 'Larrys Buch des Jahres' (was ja bekanntlich der wichtigste Buchpreis überhaupt ist).
I'm a septic tank half full kind of guy / got a twinkle in my eye / that I've been told is just astigmatism / I've got a s-skip in my step like / the undead half risen
Ich hab es auf Deutsch gelesen, sonst hätte ich das englische Cover genommen. Parallel lese ich nämlich gerade "The Overstory" von Richard Powers und trotz meiner unmenschlich guten Englischkenntnisse wäre mir das doch zu viel gewesen.
Fand die Sprache der Übersetzung aber toll. Normalerweise interessiert mich überhaupt nicht, wer Übersetzer:in ist, aber in dem Fall hab ich sofort nachgeschaut und mich gefreut, dass ich hier noch eine weitere ungelesene Übersetzung von Eike Schönfeld rumliegen habe (Jeffrey Eugenides, "Middlesex").
Hab es auf Englisch gelesen. Zur Übersetzung kann ich also nichts sagen.
I'm a septic tank half full kind of guy / got a twinkle in my eye / that I've been told is just astigmatism / I've got a s-skip in my step like / the undead half risen
Absoluter Wahnsinn, dieses Buch, absoluter Wahnsinn! Was für ein Trip, wo nimmt diese Frau nur ihre Fantasie her? "Jonathan Strange & Mr Norrell" war schon großartig und ich hatte Angst, dass sie das Niveau nicht wird halten können. Aber sie kann, und vielleicht ist "Piranesi" sogar noch besser. Ich habe dieses Jahr schon einige tolle Bücher gelesen, aber das hier wird sich nicht mehr toppen lassen. Es saugt einen sofort rein, in zwei Tagen war ich durch. Am besten weiß man gar nichts, bevor man mit der Lektüre beginnt.