später agatha christie/hercule poirot/peter ustinov-film, der leider nicht mit "tod auf dem nil" und "das böse unter der sonne" mithalten kann. die zutaten sind zwar die gleichen - exotisches setting (palästina), imposante schauspieler-riege (lauren bacall, carrie fisher, piper laurie, john gielgud, david soul, ...), prächtige ausstattung und das übliche whodunnit - aber die story ist nicht wahnsinnig spannend und bei der umsetzung fehlte die verve der besagten vorgänger. na ja, für einen müden sonntagabend wahrscheinlich immer noch die bessere wahl als ein kölner tatort.
the brood (david cronenberg, 1979)
klassischer 70er jahre cronenberg-(body)-horror, der die reihe nach "shivers" und "rabid" würdevoll fortsetzt - insgesamt hochwertiger umgesetzt, aber immer noch mit ordentlich ekelfaktor und merkwürdigkeiten. aus der zeit fehlt mir jetzt nur noch "scanners" und der ist bereits auf mubi angekündigt. ich freu mich.
living (oliver hermanus, 2022)
akira kurosawas "ikiru" (den ich nicht kenne) nach london in den 50ern verlegt. ein introvertierter, überkorrekter bürokrat erfährt, dass er nicht mehr lange zu leben hat und unternimmt tapsige versuche, doch noch etwas daraus zu machen (was die bezeichnung "leben" tatsächlich verdient hat). die geschichte ist alt und man hat sie auch schon zigfach in variationen gesehen, aber das ist ganz klar bill nighys film und sein verdienst (natürlich neben dem des regisseurs), dass daraus noch was brauchbares herauszudestillieren war. die oscar-nominierung dafür war hochverdient.
siberia (abel ferrara, 2020)
nach zuletzt "pasolini" und "tommaso" (beide sehr gut) die sechste zusammenarbeit mit willem dafoe und es passt wieder. hier spielt er einen loner, der in irgendeiner winterlichen einöde eine kneipe betreibt, wo mal ein ein inuit, ein amerikaner, dann russinen einkehren - wo das sein soll (sibirien?) keine ahnung (in wirklichkeit: südtirol), aber das ist egal, denn schon hier verwischen realität und imagination - und dann erst recht, als er sich mit seinen schlittenhunden auf den weg wer-weiß-wohin macht, in verschiedenen teilen der erde landet und offenbar immer wieder mit personen und szenen der vergangenheit konfrontiert wird, bis er wieder zurückkehrt und sich der kreis schließt. ein extrem assoziativer film, auf den man sich einlassen muss und nach einer gehörigen portion ferrara-filmen im gepäck war mir das vergönnt und ich konnte ihn nach anfänglichem fremdeln tatsächlich genießen - sehr!
the long goodbye (robert altman, 1973)
und das beste zum schluss. sorry dick powell, humphrey bogart, burt lancaster, der ultimative philipp marlowe ist für mich ab jetzt elliott gould, was natürlich etwas unfair ist, da die story in die damalige aktualität, also das l.a. der 70er verlegt wurde und marlowe ist hier ein slacker vor dem herrn, cool as fuck und scheißt auf alles ... außer seinen kumpel terry, der des mordes an seiner frau bezichtigt wird und dem er hilft, über die grenze nach mexico zu flüchten. bald darauf bekommt er ob dieser aktion schwierigkeiten mit der polizei und einer gangsterbande (in der auch arnold schwarzenegger zugange ist) und erkennt, dass ein anderer fall, mit dem er zu tun hat, in all dem verwickelt ist. das ganze komplott breitet sich sowohl marlowe, als auch dem zuschauer in einer beiläufigkeit aus, man stolpert geradezu von einem indiz zum anderen und nebenher feiert sich das crazy hippie california bzw. die abgehängten hängen halt so rum, etc. ... es ist so ein fabelhaftes sittengemälde, dass man abwechselnd kotzen und jubilieren möchte. meisterwerk!
Der Richter (USA 2014, R: David Dobkin, D: Robert Downey Jr., Robert Duvall, Vera Farmiga, Vincent D'Onofrio, Jeremy Strong, Dax Shepard, Billy Bob Thornton) Der Richter einer Kleinstadt in Indiana wird des Mordes angeklagt. Verteidigt wird er von der Person, die ihn am meisten im Leben enttäuscht hat: seinem Sohn. Das alleine hätte schon einen veritablen Plot für 90 Minuten ergeben. Aber die Drehbuchautoren, darunter auch Regisseur David Dobkin, mussten aus diesem Vater-Sohn-Konflikt ein Familiendrama machen. Es geht um alte Lieben, Teenager-Verfehlungen, Menschen mit Behinderungen. Es wird nichts ausgelassen - und das ist dann einfach zu viel. Das große Aber kommt aber: "Der Richter" bietet trotz einiger übertriebener Melodramatik 140 Minuten pure Spannung, ist gut gefilmt und hat ordentlich Starpower unter der Haube. Deshalb ist er doch sehenswert. 7/10
Die letzten Sechs in der Playlist: Nieve Ella - Watch It Ache and Bleed || Dawn Richard & Spencer Zahn - Quiet In a World Full of Noise || Flip Top Head - Up Like a Weather Balloon || Haley Heyndericks - Seed of a Seed || Idles - Joy As an Act of Resistance || Wild Nothing - Indigo
Ähnlich Fords "The Man Who Shot Liberty Valance" hält "Pat Garrett & Billy The Kid" den Lauf der Zeit und den Fortschritt fest und verurteilt diesen zugleich. Beide Hauptprotagonisten resignieren vor den gesellschaftlichen und ökonomischen Veränderungen, die ihnen die frühere Lebensgrundlage rauben. Der Spätwestern zeigt dabei eine düstere und schwermütige Qualität.
Peckinpah liebte die Outlaws und hasste Hollywood und das, wofür es seiner Meinung nach stand: Kommerzieller Mainstream, Mutlosigkeit und politische Gleichgültigkeit.
Wäre der Film nicht im Schneideraum von MGM verpfuscht worden, und hätte es nicht die widrigen Umstände beim Dreh gegeben (Einsparmaßnahmen seitens des Studios, Teile des Filmmaterials waren wegen eines Kameradefektes unbrauchbar, ein Virus grassierte unter der Crew, Peckinpah gab sich am Set ständig seiner Alkoholsucht hin), vielleicht wäre er Peckinpahs bester Film geworden.
Die Rohschnittfassung des Films lag bei 160 Minuten ... und wurde durch MGM auf 106 Minuten heruntergekürzt und in dieser Form 1973 in die Kinos gebracht. 1988 wurden herausgeschnittene Szenen wieder in den Film integriert und dem Publikum als "Turner Preview Version" zugänglich gemacht. Unter Beteiligung von Roger Spottiswood wurde 2005 eine "Special Edition" nachgereicht, die etwas runder als die erstgenannte Fassung wirkt.
Der Tod der menschlichen Empathie ist eines der frühesten und deutlichsten Zeichen dafür, dass eine Kultur gerade in Barbarei verfällt. (Hannah Arendt)
sein regie-debut und das erzählt noch eine recht konventionelle geschichte des kleingangsters wah (andy lau), der sich in seine cousine ngor (maggie cheung) verliebt, die ihn kurzzeitig besucht. sein problem ist, dass sein bester freund "bruder" fly (jackie cheung) ständig ärger macht und er meint, ihm beiseite springen zu müssen - die gangsterehre diktiert das. vieles, was seine zukünftigen meisterwerke auszeichnet (die schäbig-düstere atmosphäre, die popkultur-zitate, die erzählperspektive von den underdogs) ist hier angelegt, aber der wirklich eigene stil ist noch nicht so ausgereift. trotzdem: ein sehr spannender, stellenweise brutaler thriller ist ihm auch damit schon gelungen.
retour à seoul (davy chou, 2022)
freddie bzw. frédérique wurde als baby von einem französischen paar aus südkorea adoptiert und nun - mitte zwanzig - besucht sie erstmals ihr geburtsland - zunächst nur um das land kennenzulernen und spaß zu haben, aber dann überkommt sie doch der drang, ihre leiblichen eltern kennenlernen zu wollen. nur ihr vater reagiert und sie besucht ihn. doch letztendlich kann sie als selbstständige, ambitionierte, junge frau nichts mit dem konservativen familienbild, das ihr da geboten wird, anfangen ... und doch bleibt sie zunächst in dem diesem für sie neuen, faszinierenden land hängen. in der folge driftet sie zwischen den beiden welten hin und her, ist angezogen und wieder abgestoßen ... eine faszinierende suche nach identität - so anstrengend wie ansehnlich. die absolute schau ist die debut-performance von park ji-min. was für eine tour de force!
Indiana Jones And The Dial Of Destiny Das Gute an diesen Nostalgie-Vehikeln ist, dass sie die jeweiligen Vorgängerfilme aufwerten. "Crystal Skull" hatte wenigstens noch etwas Charme, dieser hier nur eine Liste von Indiana Jones-Versatzstücken, die sich abhaken lassen. Schwamm drüber. Technisch ist der Film eine ziemliche Katastrophe. Es gibt jede Menge künstlicher Greenscreen-Aufnahmen. Ein Großteil der Handlung spielt draußen, es sieht aber selten danach aus. Die Beleuchtung versagt oft komplett. Hinzu kommt eine unglaubwürdige digitale Verjüngung, immer wieder ein Graus. Harrison Ford ist sichtlich zu alt für die Rolle und über das Casting von Phoebe Waller-Bridges hab ich mich auch nicht direkt gefreut. Ich kann sie wirklich nicht leiden. Im Hinblick auf Zielgruppenerweiterung und eventuelle weitere Filme ergibt das natürlich Sinn. Über das alles ließe sich hinwegsehen, wenn man sich nicht durch vollkommen egale 157 Minuten durchlangweilen würde, inklusive 16 Minuten Abspann. Ich wollte eigentlich Indiana Jones sehen, nicht Ben Hur. Die zweite Hälfte ist immerhin besser als die erste. (5/10)
Peckinpahs elegischer Western greift seine Lieblingsthemen wie das Ende des alten Westens, Freundschaft und Verrat als nostalgisches Lamento auf. Dabei finden sich einige der Markenzeichen von Peckinpahs Stil (bewegte Point-of-View-Aufnahmen, schnelle Schnitte und außermittige Nahaufnahmen) auch schon in diesem farbenfrohen und für Peckinpah-Verhältnisse eher glatten Film.
Der Film bietet sehr schöne Aufnahmen der Sierra Nevada und wurde 1992 in das "National Film Registry" aufgenommen ... damit wurde "Ride The High Country" als besonders erhaltenswert eingestuft.
Der Tod der menschlichen Empathie ist eines der frühesten und deutlichsten Zeichen dafür, dass eine Kultur gerade in Barbarei verfällt. (Hannah Arendt)
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Free Fire (GB 2016, R: Ben Wheatley, D: Sharlto Copley, Armie Hammer, Brie Larson, Cillian Murphy, Jack Reynor) Ein Waffendeal in einer verlassenen Lagerhalle geht schief. Und dann beharken sich die Händler, Käufer und Vermittler und liefern sich den laut IMDB längsten Shoot-out der Filmgeschichte. Nach rund 25 Minuten Vorgeplänkel wird danach 55 Minuten geballert. Das ist leidlich spannend, die Charaktere sind allesamt blöde Wichser, um keinen von ihnen ist es schade. Leider liefern sie sich auch keine coolen Dialoge. Warum ich durchgehalten habe? Weil es zunächst gar nicht sooo schlecht ist. Aber irgendwann ist es nur noch ermüdend. 5/10
(läuft noch bis 31.12. bei Amazon Prime)
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Ben Hur (2016) Morgan Freeman wird den Titel gelesen und blind zugesagt haben. Anders lässt sich wirklich nicht erklären, dass der Mann bei sowas mitgemacht hat. Eieiei, dass das im Jahr 2016 überhaupt produziert und im Kino veröffentlicht wurde…
Das erste Mal komplett gesehen ... und ich habe mich gut unterhalten gefühlt. Hin und wieder gleitet er zwar zu stark in den Kitsch ab, der gute Cast und die Slapstick wissen aber zu überzeugen.
Der Tod der menschlichen Empathie ist eines der frühesten und deutlichsten Zeichen dafür, dass eine Kultur gerade in Barbarei verfällt. (Hannah Arendt)
Die Muppets sind am Besten, wenn sie anarchisch sind ... trotzdem ist dieser Film eine sehr schöne Umsetzung des klassischen Märchens "A Christmas Carol" von Charles Dickens ... mit detaillierten und charmanten Kulissen, eingängigen Songs (zumindest in der englischen Originalfassung), witzigem Humor, und einem großartigen Michael Caine als Ebenezer Scrooge.
Der Tod der menschlichen Empathie ist eines der frühesten und deutlichsten Zeichen dafür, dass eine Kultur gerade in Barbarei verfällt. (Hannah Arendt)
Dieser Film wird immer der "elder statesman" des Actionkinos bleiben ... von Anfang bis Ende einfach unendlich unterhaltsam und gut gemacht ... alle Beteiligten haben hier hervorragende Arbeit geleistet. Der Film ist eine Buchumsetzung ("Nothing Lasts Forever" von Roderick Thorp).
Der englische Titel ist ein Wortspiel, das als Substantiv abwertend "Dickschädel" oder "Sturkopf" bedeutet. Mit "Stirb langsam" also herzlich wenig zu tun hat ...
Der Tod der menschlichen Empathie ist eines der frühesten und deutlichsten Zeichen dafür, dass eine Kultur gerade in Barbarei verfällt. (Hannah Arendt)
Wunder einer Winternacht [Joulutarina] (Juha Wuolijoki, 2007)
So, jetzt kann der Heiligabend kommen. Der kleine Lord kann mit Aschenbrödel gerne Nüsse verstecken gehen, das ist seit ca. 15 Jahren mein Vorweihnachtsfilm. Es geht um Nikolas, ein Waisenjunge in Lappland, der die völlig unbekannte Angewohnheit hat, zu Weihnachten Geschenke zu machen. Was aus dem wohl mal wird...?
Natürlich übelster Kitsch, aber das ist völlig wumpe. Lappland, viel Schnee, Weihnachten, Happy End, was will man mehr?
I'm a septic tank half full kind of guy / got a twinkle in my eye / that I've been told is just astigmatism / I've got a s-skip in my step like / the undead half risen
Mit großer Kunstfertigkeit und hoher Präzision erzählt Nolan die Geschichte des Mannes, der die Atombombe entwickelt hat und für den Rest seines Lebens von den Folgen geplagt wurde ... und verwandelt sie dabei in ein fesselndes, dreistündiges Popkulturphänomen.
"Now I am become death, the destroyer of worlds." (Julius Robert Oppenheimer)
Der Tod der menschlichen Empathie ist eines der frühesten und deutlichsten Zeichen dafür, dass eine Kultur gerade in Barbarei verfällt. (Hannah Arendt)
Ein überdrehter Kultfilm der 80er, in dem eine capraeske Idylle von gefräßigen Monstern heimgesucht wird ... zudem eine recht gelungene Sozialkritik an dem Konsumverhalten der Reagan-Ära. In der ursprünglichen Drehbuchfassung war der Film übrigens deutlich düsterer als die endgültige Studiofassung es vermuten lässt ... schade, dass hier so stark verändert und entschärft wurde.
Ein paar Hintergrundinfos:
Der Tod der menschlichen Empathie ist eines der frühesten und deutlichsten Zeichen dafür, dass eine Kultur gerade in Barbarei verfällt. (Hannah Arendt)