Bin ich eigentlich der einzige, der gestern gedacht hat: Proteste gegen Rassismus sind schön und gut, aber was ist jetzt mit Corona? Die haben doch alle gegen Verordnungen verstoßen...
Die letzten Sechs in der Playlist: Honeyglaze - Real Deal || Laura Marling - Patterns In Repeat || Nieve Ella - Watch It Ache and Bleed || Dawn Richard & Spencer Zahn - Quiet In a World Full of Noise || Flip Top Head - Up Like a Weather Balloon || Haley Heyndericks - Seed of a Seed
Das unaussprechlich Innige aller Musik, vermöge dessen sie als ein so ganz vertrautes und doch ewig fernes Paradies an uns vorüberzieht, so ganz verständlich und doch so unerklärlich ist, beruht darauf, daß sie alle Regungen unseres innersten Wesens wiedergibt, aber ganz ohne die Wirklichkeit und fern von ihrer Qual. (Arthur Schopenhauer)
Zitat von tenno im Beitrag #74nein, das hab ich aber auch nicht gemeint. ich verstehe den king nur insoweit, als dass es manchmal differenzierungen gibt, die im persönlichen gespräch wesentlich einfacher darstellbar sind als in schriftlicher form. und wenn man müde ist, und wenig zeit hat, klemmt man sich halt die weitschweifigen schriftlichen erläuterungen, die sich nachher eh wie rumeierei lesen, und geht lieber ins bett. und es gibt halt schon - auch in unseren wohltemperierten und hochdifferenzierten edel-intellektuellenkreisen - immer wieder ein paar reflexhafte holzhammer-reaktionen, die den rückzugsgedanken bei mir bestärken. was die besagten holzhämmer angeht, nehm ich mich selbst übrigens nicht aus. ich übe aber, mich auch diesbezüglich zurückzuhalten.
Vielleicht erwischt mich das nur auf dem falschen Fuß. Vielleicht vermische ich in meinem Kopf Sachen, die nicht zueinander gehören, aber mir echot immer dieses Narrativ zwischen den Ohren herum, dass es Wahrheiten gäbe, die man ja nicht sagen dürfe. Da dieses Narrativ seit einigen Jahren geradezu virulent um sich greift, schwillt mir da schnell der Kamm… vielleicht zu schnell. Natürlich ist Zustimmung angenehmer als Widerspruch, auch wenn letzteres ein größeres Potential hat, den eigenen Horizont zu erweitern. Natürlich verhalten sich viele unfair und verwechseln Aggression mit Argumentation. Und natürlich bleibt es jedem und jeder selbst überlassen, worüber er oder sie sich äußern möchte oder nicht. Bei mir kommt es allerdings komisch an, wenn jemand sagt, er hätte eine andere Meinung, will aber nicht sagen welche. Darin sehe ich schon eine gewisse Schuldzuweisung, wenn auch keine unmittelbar persönliche, aber schon so eine Aussage, dass an dieser Stelle etwas so verkehrt läuft, dass argumentativer Austausch nicht möglich wäre.
Empfindlichkeiten sind bei jedem Menschen unterschiedlich gelagert. Mit Gegenrede, selbst wenn sie scharf formuliert wird, komme ich vielleicht besser zurecht als andere. Besagtes Narrativ (bzw. die Annahme, dass dieses vorliegt) ist dafür etwas, was mich vielleicht mehr piekt als andere.
☟ smog in berlin. nichts wie hin. weil du mich küsst, bin ich kein tourist.
Zitat von JackOfAllTrades im Beitrag #76Bin ich eigentlich der einzige, der gestern gedacht hat: Proteste gegen Rassismus sind schön und gut, aber was ist jetzt mit Corona? Die haben doch alle gegen Verordnungen verstoßen...
In der Berichterstattung, die ich mitbekommen habe, kam das sehr deutlich zur Sprache. In Berlin wurde die Versammlung deswegen auch beendet.
☟ smog in berlin. nichts wie hin. weil du mich küsst, bin ich kein tourist.
Zitat von Lumich im Beitrag #78Vielleicht vermische ich in meinem Kopf Sachen, die nicht zueinander gehören, aber mir echot immer dieses Narrativ zwischen den Ohren herum, dass es Wahrheiten gäbe, die man ja nicht sagen dürfe.
das versteh ich sehr gut, und deshalb möchte ich auch noch mal betonen, dass ich diesen subtext ausdrücklich nicht einpflegen wollte. das problem, bei differenzierteren aussagen schnell missverstanden zu werden (durchaus auch vorsätzlich), oder noch schlimmer: beifall von der falschen seite zu kriegen, existiert aber unabhängig von der unangenehmen rhetorischen absicht des o.g. narrativs. ich bin in diesem punkt leider auch nicht so hart im nehmen, wie ich es gern wäre; gerade, weil ich mir bewusst bin, dass man eben schon (fast) alles sagen darf. nur bin ich nicht immer stabil genug für den widerspruch. immerhin gesteh ich mir das ein, und mache nicht merkel dafür verantwortlich.
Das unaussprechlich Innige aller Musik, vermöge dessen sie als ein so ganz vertrautes und doch ewig fernes Paradies an uns vorüberzieht, so ganz verständlich und doch so unerklärlich ist, beruht darauf, daß sie alle Regungen unseres innersten Wesens wiedergibt, aber ganz ohne die Wirklichkeit und fern von ihrer Qual. (Arthur Schopenhauer)
Um doch etwas loszuwerden: hier ein Kommentar, den ich gefunden habe und der sich mit meiner Sichtweise weitgehend deckt:
I look at this from two perspectives. The police have a right to be defensive around black males, in the past year 8 unarmed black men were killed while 50 police were killed by armed black men. Naturally, a bias will form in areas where cop killers are slum lords. Black men account for 6% of the population but are responsible for 46% of police deaths (these are quoted stats from Charlie Kirk I don't have an actual source). The black community has faced police harassment and brutality for decades. I'd argue it is not nearly as bad as it was 20-40 years ago, but it is still happening. The one group of people nobody should fear, is the police yet this fear exists and the ingrained fear causes incidents of misunderstanding and miscalculated judgment. The black community is right to be angry. Just my two cents, there is a problem but it will not be solved by only holding the police accountable, the black community needs to hold themselves accountable as well for the senseless violence that is rampant in their communities.
Also nix mit "das wird man wohl noch sagen dürfen". Für mich ist die ganze Geschichte mit einem dermaßen riesigen Problemkomplex verwoben, daß mir dieses schlichte "Gut - Böse" - Denken extrem gegen den Strich geht. Und ja, wir sind 9000 km weit weg. Darum kümmere ich mich lieber darum, was vor der eigenen Haustür passiert. Schwarze und Rassisten in den USA interessiert es einen Scheiß, ob ich ein "Black Lives Matter"- Plakat hochhalte. Für mich hat Priorität, daß hier nach wie vor eine AfD im Bundestag sitzt und ich schwarze, türkische und jüdische Bekannte habe, die angst haben müssen, daß wie in Halle oder Hanau wieder irgendein Arschloch komplett durchdreht. Das in den USA ist nicht nur ein Rassenproblem, sondern allgemein ein gesellschaftliches: eine Mischung aus Gun Craze, religiösem Fanatismus, Gangkriminalität, Rassismus, Homophobie und Misogynie. Und das ist nicht nur ein Problem weißer Männer, sondern zieht sich durch alle Ethnien, auch ohne daß weiße Männer dafür verantwortlich sind. So sehr ich ich den Tod von George Floyd wie gesagt furchtbar und verurteilenswert finde, lehen ich es ab, in dem Konflikt rückhaltlos Partei für eine einzige ethische Gruppierung zu ergreifen. Für mich sind die USA in ihrer Gesamtheit das Problem, die ich mittlerweile für bis ins Mark hinein verrottet und verloren halte.
So, jetzt habe ich mich doch noch ausgekotzt.
We don't believe in anything we dont stand for nothing. We got no "V" for victory cause we know things are tougher.
(Iggy Pop/James Williamson: "Beyond The Law")
---------------------------------------------------------------- From the river to shut the fuck up.
Zitat von King Bronkowitz im Beitrag #87Und ich kann nur bemerken, daß der King heute mit Sicherheit andere Sorgen hat, statt das hier auszudiskutieren.
wenn ich esoteriker wäre, würd ich jetzt irgendso ein mantra senden, und mein krafttier hüpfen lassen, oder so. jedenfalls denk ich an dich, mal sehen ob es was hilft.
Zitat von King Bronkowitz im Beitrag #83Um doch etwas loszuwerden: hier ein Kommentar, den ich gefunden habe und der sich mit meiner Sichtweise weitgehend deckt:
I look at this from two perspectives. The police have a right to be defensive around black males, in the past year 8 unarmed black men were killed while 50 police were killed by armed black men. Naturally, a bias will form in areas where cop killers are slum lords. Black men account for 6% of the population but are responsible for 46% of police deaths (these are quoted stats from Charlie Kirk I don't have an actual source). The black community has faced police harassment and brutality for decades. I'd argue it is not nearly as bad as it was 20-40 years ago, but it is still happening. The one group of people nobody should fear, is the police yet this fear exists and the ingrained fear causes incidents of misunderstanding and miscalculated judgment. The black community is right to be angry. Just my two cents, there is a problem but it will not be solved by only holding the police accountable, the black community needs to hold themselves accountable as well for the senseless violence that is rampant in their communities.
Also nix mit "das wird man wohl noch sagen dürfen". Für mich ist die ganze Geschichte mit einem dermaßen riesigen Problemkomplex verwoben, daß mir dieses schlichte "Gut - Böse" - Denken extrem gegen den Strich geht. Und ja, wir sind 9000 km weit weg. Darum kümmere ich mich lieber darum, was vor der eigenen Haustür passiert. Schwarze und Rassisten in den USA interessiert es einen Scheiß, ob ich ein "Black Lives Matter"- Plakat hochhalte. Für mich hat Priorität, daß hier nach wie vor eine AfD im Bundestag sitzt und ich schwarze, türkische und jüdische Bekannte habe, die angst haben müssen, daß wie in Halle oder Hanau wieder irgendein Arschloch komplett durchdreht. Das in den USA ist nicht nur ein Rassenproblem, sondern allgemein ein gesellschaftliches: eine Mischung aus Gun Craze, religiösem Fanatismus, Gangkriminalität, Rassismus, Homophobie und Misogynie. Und das ist nicht nur ein Problem weißer Männer, sondern zieht sich durch alle Ethnien, auch ohne daß weiße Männer dafür verantwortlich sind. So sehr ich ich den Tod von George Floyd wie gesagt furchtbar und verurteilenswert finde, lehen ich es ab, in dem Konflikt rückhaltlos Partei für eine einzige ethische Gruppierung zu ergreifen. Für mich sind die USA in ihrer Gesamtheit das Problem, die ich mittlerweile für bis ins Mark hinein verrottet und verloren halte.
So, jetzt habe ich mich doch noch ausgekotzt.
Seit 2005 war ich regelmäßig unregelmäßig schreibend und vor allem lesend im Vorgängerforum dabei, auch hier schau ich immer wieder gerne rein. Den obigen Post so - bis auf wenige Reaktionen - stehen gelassen zu sehen, ist schwer erträglich. Das ist nicht nur "das wird man wohl noch sagen dürfen", sondern von rassistischen Denkmustern durchsetzt, relativierend und verharmlosend. Was sind das für absurde Zahlen aus dem zitierten Kommentar? Sowas sollte man nicht weiterverbreiten. Im Kommentar wird auf Charlie Kirk verwiesen, Gründer von "Turning Point USA", einer Organisation, die u.a. mit der White Supremacy Ideologie in enger Verbindung steht. Jedem bleibt es selbst überlassen, ob er sich der "Black-Lives-Matter-Bewegung anschließt. Von Schwarzen in den USA wird die internationale Solidarität allerdings sehr wohl registriert. Die Bewegung hatte ihren Ursprung in den USA, ist allerdings nicht erst seit dem Tod von George Floyd eine internationale. Auch in Deutschland wird für "Black-Lives-Matter" auf die Straße gegangen, dass Schwarze keine Angst davor haben müssen, getötet zu werden. Wie in den USA gibt es auch in Deutschland das Problem des strukturellen, institutionellen Rassismus. Bei den benannten Fällen von Halle oder Hanau ging es nicht darum, dass irgendein Arschloch komplett durchgedreht ist. Es geht nicht um irgendein Arschlochtum und ein Durchdrehen, sondern um Rassismus und Antisemitismus, gezielt und planvoll ausgeführte Gewalt. Die Gesellschaft in den USA als auch in Deutschland hat ein Problem mit strukturellem und institutionellem Rassismus. Die Verwendung des Wortes "Rassenproblem" ist dabei mehr als problematisch, wird damit doch suggeriert, es gäbe menschliche Rassen. Bei derart dezidierten Äußerungen sollte man das auf dem Schirm haben. Dass man sich zunächst gegen schlichtes "Gut - Böse"-Denken verwehrt, um ein paar Zeilen später davon zu schreiben, ein Land sei in seiner Gesamtheit das Problem, bis ins Mark verrottet und verloren, ist der absurde Schlusspunkt.