Als ich den Film vor 6 Jahren im Kino gesehen habe, fand ich den nur so mittelgut und eigentlich überflüssig. Anno 2017 funktioniert der Film, der mittlerweile dreiviertelwegs von der Realität eingeholt wurde, erstaunlich gut als Parabel. Und dafür kann's nur eine Wertung geben:
10/10
Wenn das hier ein Kulturkreis ist, bin ich wohl ein Quadrat.
der film nervt - im guten sinne. toll, wie die besessenheit, der übergang von genie zum wahnsinn dargestellt und gespielt wird (sean gullette!). die fiesen soundeffekte, die repetiven szenen der anfälle und die monologe - fantastisch. der look ist natürlich ziemlich von "eraserhead" inspiriert, aber man hat nie den eindruck eines plagiats. ganz toller drum'nbass/techno soundtrack von clint mansell plus stücke von massive attack, aphex twin, orbital, autechre, et al.. ordne ich innerhalb aronofskys werk gleich hinter "requiem for a dream" und "the wrestler" ein.
hm, ich hab den eindruck, greenaway hat nicht mehr viel zu sagen. visuell ist das immer noch sehr ambitioniert, aber schicke tableaus und schwindeligmachendes kamera-kreisen allein machen halt noch keinen film. das unendliche gequassel, selbst beim sex, ist am anfang noch lustig, nervt aber irgendwann nur noch kolossal. letztendlich ist die story einfach nur dünn, ungeheuer dünn. wobei da sicher mehr drin gewesen wäre, wenn man die hintergründe recherchiert. nach "goltzius and the pelican company" leider schon der zweite griff ins klo (wobei ich die "tulse luper suitcases"-trilogie nicht gesehen habe - aber da waren die reviews wenigstens noch lauwarm.).
selten hat sich ein spontaner kinobesuch so gelohnt. ich hatte von den film gehört, im rahmen der berichte über das letzte cannes-festival, wo dieser film die goldene palme gewonnen hatte. ich war also prinzipiell interessiert, aber nicht vorbereitet darauf, dass mir der film derart gut gefallen würde. der film spielt in schweden, wo der kurator eines grossen museums eine kunstausstellung vorbereitet, und die kampagne mitsamt gala diner planen muss. gleichzeitig hat er noch ein problem mit einem gestohlenen handy und portemonnaie, seinen zwei töchtern und einer journalistin, mit der er eigentlich nur unverbindlich sex haben wollte (grossartig gespielt von der top-of-the-lake-darstellerin elisabeth moss). die werbekampagne wird eine katastrophe, das gala-diner wird von einer unkontrolliert ausufernden kunstperformance gesprengt, und das problem mit dem handy-diebstahl weitet sich ebenfalls aus.
was den film auszeichnet, ist seine enorme feinfühligkeit. der hauptdarsteller ist zwar schmierig und unsympathisch, auf der anderen seite ist er stets bemüht, das richtige zu tun. er hat grosse gesellschaftspolitische ideale, scheitert aber an deren unmittelbarer umsetzung, wenn er, als vertreter der oberschicht, auf die abgehängten menschen der unterschicht trifft. der film schafft es, peinliche momente zu strecken, dass man es kaum aushält.
was ich nicht ganz verstanden habe ist die deutsche synchro, wo der hauptdarsteller mit einem komischen akzent spricht. dabei ist, soweit ich es verstehe, der charakter ein schwede in schweden, auch wenn der darsteller claes bang eigentlich däne ist.
☟ smog in berlin. nichts wie hin. weil du mich küsst, bin ich kein tourist.
Zitat von Anorak Twin im Beitrag #1830Once Upon a Time in America
Während des Wehrdienstes haben das mal die Kameraden im Fernsehraum angeschaut; ich verlor nach einer halben Stunde die Geduld, ging dann essen, schlafen etc., schaute nach ein paar Stunden nochmal rein und hatte nicht den Eindruck, dass der Film in der Zwischenzeit sonderlich vorangekommen wäre. Einige Jahrzehnte später kam ich jetzt auf die Idee, dem Film eine zweite Chance zu geben, weil ich es als Bildungslücke betrachte, ihn nicht vollständig gesehen zu haben und vielleicht auch weil die Pogues davon beeinflusst wurden (in 'Fairytale of New York' kann man plagiatsnahe Ähnlichkeiten mit Morricones Score-Musik hören). Leider empfinde ich ihn nach wie vor als sehr schwere Kost und mir ist nicht wirklich klar, was mir der Film sagen will. Ich plane zwar, die Wikipedia-Artikel zu lesen und den Film noch mal anzuschaun (wenn ich mal wieder vier Stunden am Stück Zeit habe), aber eigentlich betrachte ich Film doch eher als Unterhaltungsmedium und sich erstmal durch Sekundärliteratur zu arbeiten müssen, klingt eher nach Schullektüre als nach Vergnügen.
Du betrachtest einen Morricon Filma als schwere Kost? Vielleicht mißt du dem Film mehr Bedeutung zu, als er haben will. Es ist eine gemächlich erzählte Geschichte in drei Zeitebenen und wie sich die Jugendlichen von damals entwickelt haben, über Freundschaftsbanden. Eigentlich ein typischer Morricone.
Empfindest du der Pate 1 & 2 auch als schwere Kost?
Zitat von Lumich im Beitrag #1834The Square (2017) was ich nicht ganz verstanden habe ist die deutsche synchro, wo der hauptdarsteller mit einem komischen akzent spricht. dabei ist, soweit ich es verstehe, der charakter ein schwede in schweden, auch wenn der darsteller claes bang eigentlich däne ist.
Darüber hab ich mich auch gewundert. Ich glaube, der Hauptdarsteller hat sich selber synchronisiert, daher sein Akzent. Warum das aber sein musste, kann ich auch nicht sagen ...
Insgesamt eine schöne Kritik an der Oberflächlichkeit derer, die den Kunstbetrieb (vermeintlich) am Laufen halten. Unterhaltsam obendrein.
Zitat von gnathonemus im Beitrag #1833eisenstein in guanajuato (peter greenaway, 2015)
hm, ich hab den eindruck, greenaway hat nicht mehr viel zu sagen.
Gerade erst vor ein paar Tagen kam mir in den Sinn, dass ich schon lange keinen Peter Greenaway Film mehr gesehen und den irgendwie aus den Augen verloren habe. Aber scheinbar habe ich gar nicht so viel verpasst, wenn ich das hier lese
Zitat von Lumich im Beitrag #1834The Square (2017) was ich nicht ganz verstanden habe ist die deutsche synchro, wo der hauptdarsteller mit einem komischen akzent spricht. dabei ist, soweit ich es verstehe, der charakter ein schwede in schweden, auch wenn der darsteller claes bang eigentlich däne ist.
Darüber hab ich mich auch gewundert. Ich glaube, der Hauptdarsteller hat sich selber synchronisiert, daher sein Akzent. Warum das aber sein musste, kann ich auch nicht sagen ...
Insgesamt eine schöne Kritik an der Oberflächlichkeit derer, die den Kunstbetrieb (vermeintlich) am Laufen halten. Unterhaltsam obendrein.
Zitat von victorward im Beitrag #1837Gerade erst vor ein paar Tagen kam mir in den Sinn, dass ich schon lange keinen Peter Greenaway Film mehr gesehen und den irgendwie aus den Augen verloren habe. Aber scheinbar habe ich gar nicht so viel verpasst, wenn ich das hier lese
wie gesagt, ich habe auch nicht alle gesehen, aber der letzte, mit dem ich was anfangen konnte, war "nightwatching" und der ist auch schon 10 jahre alt. ich bin ja eigentlich ein fan seines manierismus, aber ich finde, er hat sich allzusehr darin verzettelt und darüber das (gute) geschichtenerzählen vergessen.
Zitat von victorward im Beitrag #1837Gerade erst vor ein paar Tagen kam mir in den Sinn, dass ich schon lange keinen Peter Greenaway Film mehr gesehen und den irgendwie aus den Augen verloren habe. Aber scheinbar habe ich gar nicht so viel verpasst, wenn ich das hier lese
wie gesagt, ich habe auch nicht alle gesehen, aber der letzte, mit dem ich was anfangen konnte, war "nightwatching" und der ist auch schon 10 jahre alt. ich bin ja eigentlich ein fan seines manierismus, aber ich finde, er hat sich allzusehr darin verzettelt und darüber das (gute) geschichtenerzählen vergessen.
Ich versuche die neueren Filme bei Gelegenheit mal nachzuholen
dann bist du entweder schlecht im erinnern oder hast dir die filme nicht wirklich mit interesse angeschaut. es ist natürlich einfach, sein werk als kunstkacke abzutun. na ja, geschmacksache mal wieder.
"Der Bauch des Architekten", "Drowning by numbers" und "Der Koch der Dieb etc." hatten doch einen Erzählfaden. An "ZOO" kann ich mich kaum noch erinnern. Mochte die damals recht gerne, weiß aber nicht, ob mir Greenaways Filme heute nicht etwas zu symbolüberladen und überkandidelt vorkommen würden.
Da halt mich dann doch lieber an Leute wie Kim Ki Duk.
Zitat von gnathonemus im Beitrag #1842dann bist du entweder schlecht im erinnern oder hast dir die filme nicht wirklich mit interesse angeschaut. es ist natürlich einfach, sein werk als kunstkacke abzutun. na ja, geschmacksache mal wieder.
ich sag ja auch "erinnern", lange ists her. ich geb aber auch offen zu, dass manierismus bei mir keine offenen türen einrennt, auch wenn ich die filme damals durchaus mit genuss gesehen habe.