Die letzten Sechs in der Playlist: Nieve Ella - Watch It Ache and Bleed || Dawn Richard & Spencer Zahn - Quiet In a World Full of Noise || Flip Top Head - Up Like a Weather Balloon || Haley Heyndericks - Seed of a Seed || Idles - Joy As an Act of Resistance || Wild Nothing - Indigo
bei mir war es einfach in der rubrik "kürzlich hinzugefügte filme", aber da läuft vermutlich ein algorhitmus dahinter, der mir solche filme empfiehlt, weil ich immer wieder lgbtq-affine filme gucke. oft ist es allerdings zufall, dass ich sowas finde. kaum habe ich mal einen western in meine watchlist aufgenommen ("stagecoach"), schon gibt es diverse empfehlungen in die richtung und man wird fündig. es ist natürlich zu 90% schrott, aber dazwischen sind immer wieder perlen zu finden.
The Platform Spanischer Horror im "Cube"-Stil. Strotzt nur so vor Logikfehlern und "die Auflösung" ist zu einfach, als dass da jahrelang niemand zuvor drauf gekommen wäre. Trotzdem hat der Film einige interessante (und unangenehme) Fragestellungen zu bieten, die auch nach dem Ende noch beschäftigen. Kann man sich schon mal anschauen. 6/10
arte hat mir einen wunderbaren filmabend bereitet:
nachts, wenn der teufel kam (robert siodmak, 1957)
vordergründig ein kriminal-thriller, der sich aber 1. ziemlich schnell aufklärt und 2. sich anschließend zu einem drama um die justiz unterm nazi-regime entwickelt - mit mario adorf in seiner ersten großen rolle. war für den oscar als bester fremdsprachiger film nominiert, aber an "die nächte der cabiria" kommt er nicht ganz ran. trotzdem: toller film.
la verité (henri-georges clouzot, 1960)
nochmal justiz, diesmal aber wirklich von anfang an ein gerichtsdrama. brigitte bardot spielt eine junge frau die ihren ex-geliebten getötet hat. und da sie eine unabhängige frau ist, die das leben genießt, sich an keine gesellschaftlichen konventionen hält und damit natürlich dem damaligen frauenbild vollkommen widerspricht, wollen ihr staatsanwaltschaft und nebenklage niedere beweggründe anhängen, um sie möglichst aufs schaffott zu bringen. der plot, der zum tod des jungen mannes führte wird in ausführlichen rückblenden beleuchtet und zusammen mit den aufwühlenden gerichtsszenen erzeugt das eine ungeheure spannung und zieht einen über die vollen 2 stunden komplett hinein, nicht zuletzt weil die bardot ein ereignis ist - sowohl optisch, als auch schauspielerisch. war ebenfalls für den auslands-oscar nominiert. diesmal hatte bergmans "jungfrauenquelle" die nase vorn.
neben "belle de jour" der realitätsnächste von den bunuel-filmen, die ich bisher gesehen habe und genau wie dieser mit catherine deneuve, die auch wieder eine formidable leistung (und ihre unfassbare schönheit) zur schau stellt. eine finsterschwarze komödie über eine junge frau, die nach dem tod ihrer mutter von ihrem vormund ausgenutzt und sexuell gefügig gemacht wird, sich aber in ihrer freigeistigen art von ihren fesseln befreit. durch einen schicksalsschlag gerät sie wieder zurück in die krallen ihres peinigers, aber dann kommt alles ganz anders ....
herbstsonate (ingmar bergman, 1978)
bergman (ingmar) und bergman (ingrid) in einem film. das muss ja gut werden. dazu noch liv ullmann, die mit bergman einen unter die haut gehenden mutter-tochter-konflikt austrägt. hervorheben möchte ich die kamera-arbeit von sven nykvist, der ja sehr viel mit bergman zusammengearbeitet hat (u.a. persona, szenen einer ehe, schreie und flüstern, fanny und alexander). mit welcher eindringlichkeit er die gesichter und inneren prozesse der beiden frauen - die natürlich auch hervorragend gespielt sind - einfängt, trotz seines eher sachlichen stils, ist einfach meisterhaft.
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den of thieves (aka criminal squad, christian gudegast, 2018)
kontrastprogramm zum arthouse-programm der letzten tage. sicherlich ist das kein meisterwerk und zu lang ist er auch, aber die kritiker haben sich nicht darüber eingekriegt, dass es dabei machohaft zugeht und kaum frauen vorkommen. in einem action-thriller? ernsthaft? die sollten vielleicht lieber romcoms oder eben arthouse gucken und rezensieren. ich fand ihn gut gemacht und spannend. viel mehr erwarte ich von so einem film nicht.
Sieben Bleibt halt der beste Thriller ever made. Einfach eine einzigartige Atmosphäre. Was mich aber immer irritiert ist Morgan Freemans Originalstimme. Bin durch seine Synchronstimme so konditioniert, dass ich beim Originalton jedes Mal völlig irritiert bin Der Unterschied könnte einfach größer nicht sein. 10/10 natürlich
Habe die jetzt gar nicht im Kopf. Aber Hugh Laurie ist auch ein krasser Unterschied. Im Original leicht quäkig, die Synchro rauh. Ich fand ja, dass das zur Rolle besser passte.
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little women wunderbar, darin könnte ich mich ewig treiben lassen. kein film war besserer eskapismus in den letzten tagen. ich will nicht mit superlativen starten, aber ich kann mich an keine so selbstbewusste und natürliche schauspielleistung der letzten jahre erinnern, wie die von Florence Pugh. was für ein naturtalent. lady bird habe ich fast ausgemacht vor emotionaler langeweile, damit hat sich Gerwig bei mir nun völlig rehabilitiert.
pain and glory letztendlich hat ein film bei mir schon gewonnen wenn es um eine interessante charakterzeichnung geht. kino kann sich manchmal wie eine wüste aus immer gleichen menschen-schablonen anfühlen, mit rar gesäten ausbrechern. hier wird sich endlich dem sträflich unterschätzten, facettenreichen typus des schmerzpatienten gewidmet. zu beginn hatte ich ein wenig grössere hoffnung auf eine exploration dieses aspekts der rolle des hauptdarstellers - der film schlägt dann trotzdem recht brave wege ein, aber dennoch ist das überaus genüsslich anzusehen. was bleibt sind vor allem die primärfarben der wohnung und shirts von salvador, dem von antonio banderas grandios gespielten selbstbildnis' Almodovars.
onward der neue pixar, frozen für jungs. die geschichte zur entstehung des film (wenn sie sich denn wirklich so zugetragen hat) ist bereits rührend, und ich (als bruder) habe dann doch kurz wässrige äugen bekommen. das setting dieser mischung aus 70er, 80er suburbia in einem fantasyland flutete mein hirn mit wohlfühlhormonen, da es genau dieses sehnsuchtsland repräsentiert, welches uns mit hollywoodscher soft power in unserer jugend eingehämmert wurde. insgesamt ist das übrigens ein sehr witziger film, und wenn sie auf ein paar pixar-klischees verzichtet hätten, würde ich den weit oben ansiedeln, so ist es gutes mittelmaß.
the irishman was für eine verschwendung von lebenszeit. mir wäre die länge prinzipiell völlig egal, aber klar, ein film der auch mit 90 minuten überflüssig wäre, wird durch eine streckung auf 210min dann zur folter. dass sich Scorsese im rahmen dieses films über die seelenlosigkeit der marvelstampfer aufregt ist ein wenig schlecht getimed. groteske dialoge, ein hanebüchenes drehbuch mit einem höhepunkt, der sich angesichts des vorherigen aufbaus mit 47 verschiedenen episoden und doppelt so vielen namen als ein spannungsarmer rohrkrepierer entpuppt. ich lege mich ausserdem endgültig fest: De Niro hat noch weniger range als zB Brad Pitt, und es ist meiner meinung nach ein trauerspiel, wie bei ihm nach jeder line geschnitten werden muss, keine zwei sätze werden zugelassen. der unterschied zu großmeistern wie Pesci oder Keitel tritt hier ganz offensichtlich zu tage. der Übeltäter ist aber natürlich Scorsese.
uncut gems der ist grossartig von vorn bis hinten, ich hab alles um mich herum vergessen, so fesselnd war das. die angedrohten betablocker hat es dann doch nicht gebraucht, im gegenteil, dieser maximale stress hat bei mir einen angenehmen schauer ausgelöst, da ich sowas als rebell gegen unser kapitalistisches system der uhrzeit natürlich sehr gut kenne. Gigi D'Agostino als closer ist ein geniestreich, Kevin Garnett kann sich auf eine zweite karriere einstellen.
das weisse band late to the party. in dieser aufzählung sicher das beeindruckendste stück film. die politischen implikationen dieses deutschen sittenbilds am vorabend des ersten weltkriegs könnte man wohl exquisit in angeregter runde für stunden diskutieren, auch unabhängig des films. grob und unpräzise ist die darstellung dieses winkels der deutschen seele, wenngleich mir die geschichtliche akkuratesse unstreitbar scheint - in jedem fall wirft der film ungemein interessante fragen auf. vor allem ist das alles aber auch unglaublich schön und von einer seltenen detailliebe. der leinen-rock des barons, die wollenen jacken der bauern, die knarzigen dielen der landhäuser, die strahlenden kornfelder, diese ausdrucksvollen köpfe und stoischen gesichter. man hat das gefühl man bekommt einen blick auf die welt die europa war, bevor es amerikanisiert wurde.