Zitat von gnathonemus im Beitrag #2706the tale (jennifer fox, 2018)
die drehbuchautorin/regisseurin jennifer fox hat die aufarbeitung ihres eigenen missbrauchs als 13jährige verfilmt und das ungeheuer gut inszeniert mit einer fantastischen laura dern und der ebenso guten isabelle nélisse als ihr jüngeres alter ego. immer wieder werden die zeitebenen ineinander überblendet, die junge und die heutige jenny halten immer wieder zwiesprache und verdeutlichen damit die zerrissenheit zwischen ihrem willen dem geschehenen auf den grund zu gehen und dessen verdrängung. fantastischer film, der wohl bisher nur auf hbo lief und jetzt bis 12.03. in der arte mediathek zu sehen ist. dicke empfehlung!
Ebenfalls gesehen und ich kann die Empfehlung so unterschreiben.
rob reiner gehört ja zu meinen lieblings-regisseuren (spinal tap, stand by me, harry & sally, misery), deshalb wollte ich dieses kult- und frühwerk auch mal auschecken. hübscher märchen-film - nicht für mich, aber doch sehr kompetent gemacht und durchaus amüsant.
oss117: le caire, nid d'espions (michel hazanavicius, 2006)
französische bond-persiflage, die wahrscheinlich extrem an der synchronisierung krankt. es gibt diverse situationen, bei denen man merkt: hier ist im original ein witz, aber er funktioniert in der übersetzung einfach nicht. trotzdem verbuche ich ihn auf der haben-seite, weil er insgesamt auch für nicht-muttersprachler verständlich bleibt. und jean dujardin ist halt einfach ein könner.
Zitat von gnathonemus im Beitrag #2719 the princess bride (rob reiner, 1987)
rob reiner gehört ja zu meinen lieblings-regisseuren (spinal tap, stand by me, harry & sally, misery), deshalb wollte ich dieses kult- und frühwerk auch mal auschecken. hübscher märchen-film - nicht für mich gemacht, aber doch sehr kompetent gemacht und durchaus amüsant.
den hab ich vorgestern auch mal wieder gesehen, an meinem ersten freien abend seit wochen. ich liebe den film seit jahren sehr, und hab mich gefreut, ihn nun auch meiner freundin zeigen zu können (die ihn nun ebenso liebt). allerdings fällt mir immer wieder auf, wie furchtbar es aussieht, wenn filme aus den 80ern künstlich auf HD getrimmt werden - als ob man GZSZ mit mantel und degen guckt. für alle, die das nicht stört: bis sonntag noch für umsonz bei amazon prime zu gucken. ein fest!
("mein name ist inigo montoya. du hast meinen vater getötet. jetzt bist du des todes.")
wallace shawn gehört zu den größten kleinen unterschätzten schauspielern; eigentlich gehört er neben danny de vito aufs podest (damit man ihn sieht). ich verehre ihn auf knien.
eine meiner letzten lücken im greenaway-kosmos gefüllt (die bettlektüre und die tulse luper suitcases trilogie fehlen mir auch noch). wie fast immer ist die story eher unerheblich - es geht eher um philosophische meditationen über entstehung und vergänglichkeit, wie fast immer über symmetrie und er greift diverse motive auf, aus der griechischen mythologie, schwarz-weiß-dualismus (überhaupt wird farbe sehr prägnant eingesetzt), evolution, etc. pp. - da ist nichts komplett greifbares dabei, aber es macht einfach spaß, sich auf diesen mindfuck einzulassen, die tollen bilder, michael nymans musik und immer wieder diese verdammt guten kleinen gimmicks zu genießen.
Flucht nach Berlin Dass es solche Filme im Nachkriegsdeutschland gegeben hat, ist aus heutiger Sicht ein Wunder, war doch alles voll mit Heimat-Sulch vom Schlage “Der Förster vom Silberwald”. Will Tremper hat einen politische Film gedreht: Eine ostdeutsche Bauernfamilie, die keine Lust hat, in die LPG eingegliedert zu werden, flieht Richtung Westen – getrennt voneinander. Ein geschasster ostdeutscher Funktionär will zur gleichen Zeit nach Ostberlin. Im Kern ist das ein guter Film, er ist leider manchmal etwas ungelenk inszeniert und geschrieben. Der Schluss könnte auch besser sein. Trotzdem als Zeitdokument sehr sehenswert. 7/10
aristophanes' "lysistrata" in die moderne nach chicago verlagert. die frauen in einer vorwiegend afro-amerikanischen hood verweigern den männern den sex so lange sie nicht mit ihren bandenkriegen aufhören, nachdem mal wieder ein kleines mädchen von einem irrläufer getötet wurde. sehr humorvolle aufarbeitung eines ernsten themas, ohne zu verharmlosen, aber auch ohne allzugroßes pathos. es gibt viel musik, tanz und die dialoge sind in versen bzw. werden gerappt. das ist etwas schwierig bei teilweise üblem slang und genuschel (daher: untertitel einschalten!), aber mit der zeit gewöhnt man sich daran und groovt sich ein. erstaunlich, dass sowas aus den amazon studios kommt.
puh, das nenne ich mal einen gegenentwurf zu all den hochglanzpolierten weltraum-opern, die einem so gemeinhin als science fiction verkauft werden. junge straftäter werden mit einer nicht mehr jugendlichen straftäterin und ärztin, gespielt von juliette binoche, ins all geschossen, um dort als werkzeuge für reproduktionsexperimente zu dienen. was sich dabei dann entspinnt ist mit lagerkoller noch sehr harmlos umschrieben - ein übler cocktail aus hass, gewalt, sex und diversen körperflüssigkeiten, von denis nicht eben zimperlich in szene gesetzt - da sollte man nicht allzu empfindlich sein. ABER: der film hat ebenso eine zutiefst positive botschaft die v.a. durch robert pattinson und seine filmtochter transportiert wird. und - wow - wie hat der sich entwickelt! ein echter charakterdarsteller. wie natürlich auch la binoche und mia goth und die anderen. extra-props auch für das set-design. selten hat hightech so schäbig ausgesehen.
Zitat von Lumich im Beitrag #2700Ich fand die alte Verfilmung schon unglaubwürdig.
Der ist immerhin noch weitgehend authentisch. Und so ist es wohl auch im realen Leben abgelaufen, schaut man Interviews mit ehemaligen Schülern, die Teil dieses Experiments waren, von daher sehe ich die Verfilmung eher dokumentarisch. In der deutschen Fassung paßt allerdings überhaupt nichts zusammen. Komplett am Thema vorbei.
We don't believe in anything we dont stand for nothing. We got no "V" for victory cause we know things are tougher.
(Iggy Pop/James Williamson: "Beyond The Law")
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corona lädt zum binge-watching ein, bei mir halt mit filmen und nicht mit serien:
der fangschuss (volker schlöndorff, 1976)
nach einem roman von marguerite yourcenar. margarethe von trotta als spross lettischen landadels, die inmitten des konterrevolutionären widerstandes mit den bolschewisten sympathisiert, aber in einen deutschen offizier (gespielt von matthias habich) verliebt ist, der sie allerdings abweist und ein geheimnis mit sich herumträgt. das tragische ende ist vorprogrammiert. interessante geschichte - handwerklich 1a umgesetzt, hat mich trotz teilweise wunderbarer szenen und tollen schauspiels nicht so recht gekriegt.
blue note records: beyond the notes (sophie huber, 2018)
tolle doku über blue note records, klasse strukturiert mit vielen o-tönen von alten und neuen künstlern - herbie hancock, wayne shorter, lou donaldson, don was, robert glasper, etc. pp.. bringt einem das label, deren gründer und macher und deren motivation und intention wirklich nahe und vermag - auch für fans - nochmal ein wenig mehr begeisterung zu wecken. meine to-do-liste ist auf jeden fall noch mal um einiges angewachsen.
schreie und flüstern (ingmar bergman, 1972)
der bergman macht mich fertig. hat der jemals auch nur einen mittelmäßigen film gemacht? schon wieder ein lieblingsfilm. ein intensives drama zwischen drei schwestern, von denen eine stirbt und die anderen beiden darob verzweifeln, sich zerstreiten, wieder annähern, alte sym- wie anitpathien aufleben lassen und darüber schwebt die aufopferungsvolle dienerin, die man als einzige wirklich ins herz schließt. liv ullman und ingrid thulin geben performances ab, die unter die haut gehen und die unfassbar gut in szene gesetzt sind. wahn! sinn!
begin again (a.k.a. can a song save your life?, john carney, 2014)
ein weiterer musik-film von john carney (once, sing street) - er hat einfach das talent, das gleiche thematik-feld - coming of age with music/romance/social comment - in immer wieder neuen konstellationen darzustellen und es wird nie langweilig, in diesem fall mit der bezaubernden kiera knightly und dem superschluffigen mark ruffalo in den hauptrollen. die haben bis zur letzten minute eine chemie, die knistert. sehr befriedigendes ende auch. so mag ich meine romcoms.
fiese kleine schwarze komödie über eine frau, die eine sadomasochistische beziehung mit einem upper class-schnösel eingeht - prachtvoll in szene gesetzt, in satte farben getaucht und hochglanzbebildert von michael ballhaus, was den schäbigen plot wunderbar konterkariert. margit carstensen und karl-heinz böhm brillieren in ihren rollen, sie als die naive, aber doch auf ihre art manipulativ-berechnende "leidtragende" und er als der an der oberfläche freundliche, aber doch hundsgemeine dominator - beiden ist gemein, dass sie immerfort davon sprechen, wie sehr sie sich doch lieben, was natürlich die allergrößte lüge in dieser konstellation ist.
sehr berührendes coming of age/coming out/familien-drama, das gekonnt viele der in diesen genres beliebten klischees umschifft, toll gespielt von u.a. sandrine kiberlain und kacey mottet-klein. jetzt auf amazon prime.