Santa Claus (Mexiko 1959, R: René Cardona) Skurriler Film über einen irre lachenden Weihnachtsmann, der in einem Weltraumpalast mit High-Tech-Überwachungsanlagen haust und vom leicht durchgeknallten Zauberer Merlin mit bewusstseinserweiternden Drogen versorgt wird, die er den Menschen einflößt. Beim Ausliefern der Geschenke wird er von einem erbarmungswürdigen Teufel sabotiert, der leider ein kompletter Loser ist. Irgendwo zwischen niedlich und kultig, in jedem Fall unterhaltsam (umso mehr, wenn man nicht mehr ganz nüchtern ist). Gibts sogar komplett auf YouTube zu sehen.
der film spielt in der demokratischen republik von bubunne, ein staat, dessen politik sich irgendwo zwischen nordkorea und afghanistan bewegt (und genauso demokratisch und republikanisch ist er), allerdings regieren hier die frauen mit militaristischem pomp, während die männer verschleiert herumlaufen müssen, kaum was zu sagen haben und sich hauptsächlich um den haushalt zu kümmern haben. nun soll die tochter und designierte nachfolgerin (charlotte gainsbourg) der großen generälin (anémone) verheiratet werden und die brautschau findet im rahmen eines großen medialen spektakels statt, für das sich die heiratswilligen untertanen bewerben können und dafür ordentlich abdrücken müssen. der junge jacky (vincent lacoste), ein kompletter loser, der die thronfolgerin anhimmelt, erhält durch einen dämlichen zufall eine einladung, wird derer aber genauso schnell wieder beraubt, aber er schafft es doch sich dort einzuschmuggeln ... und dann geht's rund. eine wirklich sehr köstliche satire auf den totalitarismus und das patriarchat, mit aschenputtel-thematik und gender-gaga, schön billig-fiesen (aber dann doch ganz intelligenten) witzen, konsequent durchgezogenem sprachwitz, die einfach spaß macht und nicht nur einmal an monty python erinnert. danke, mubi!
the assassination of jesse james by the coward robert ford (andrew dominik, 2007)
laut james' nachfahren ist das die erzählung der geschichte, die der wahrheit angeblich am nächsten kommt. gut, glauben wir das halt, obwohl die ja auch nicht dabei waren. vielleicht waren sie aber einfach nur davon beeindruckt, wie sie erzählt, inszeniert, gefilmt und gespielt wurde. denn das ist alles wirklich ganz große meisterschaft. brad pitt und v.a. casey affleck liefern schaupielerische meisterstücke ab (sam rockwell, jeremy renner, paul schneider, garret dillahunt und sam shepard in den nebenrorllen sind ebenfalls nicht zu verachten), roger deakins' kameraarbeit ist gewohnt makellos und nick cave und warren ellis' soundtrack tut ein übriges. großes kino!
la vie de jésus (buno dumont, 1997)
*ächz* dumont macht's einem echt schwer. während ich "L'humanité" noch einiges abgewinnen konnte, mäandert dieses drama über abgehängte dorfjugendliche in nordfrankreich auf ihren meilenweit gegen den wind zu riechenden höhepunkt zu und franst dann einfach aus. handwerklich und so gibt's nix auszusetzen, ich mag auch den minimalismus, aber irgendwas neues (oder was bekanntes auf neue art) vermag mir dieser film nicht zu erzählen.
otto - der film (xaver schwarzenberger, otto waalkes, 1985)
ich war dann doch ziemlich erstaunt, wie viel ich noch mit dem humor anfangen kann. man merkt halt doch, dass der u.a. von der neuen frankfurter schule (gernhart, eilert, knorr, ...) geprägt war und über den üblichen filmklamauk hinausging. klar, hie und da klingt das ganz schön altbacken und es gibt auch den einen oder anderen cringy moment, aber meistens habe ich mich doch herzhaft amüsiert statt fremdgeschämt und über wieviele deutsche komödien von anno dunnemals kann man das noch sagen?
innerspace (joe dante, 1987)
bzw. "die reise ins ich". mit solchem kinderkram wollte ich damals, als ernsthafter 18jähriger nicht belästigt werden. immerhin gab es da ja filme von almodovar, greenaway und cronenberg, mit denen man sich beschäftigen musste. jetzt bin ich also im richtigen alter, um mich retrospektiv damit auseinanderzusetzen. und ich hätte meinem früheren ich durchaus geraten, sich auch mal wieder so einen genuss ohne reue reinzuziehen. die science-fiction ist banane, aber die comedy funktioniert, v.a. wegen der chemie zwischen den hauptdarstellern dennis quaid und martin short, meg ryan ist herzallerliebst und die special effects auch gar nicht mal übel. bezeichnend, dass man sich sowas heutzutage auf arte anschauen muss.
Der Babadook (AUS/CDN 2014, R: Jennifer Kent, D: Essie Davis, Noah Wiseman, Daniel Henshall, Hayley McElhinney, Barbara West, Ben Winspear) Stand recht weit oben auf der Liste und läuft bald aus. Also: Anschauen. Aber ich habe mich teilweise sehr gelangweilt. Denn kennste einen kennste alle. Ich fand ihn weder relativ gruselig noch relativ spannend. Stattdessen haben mich die beiden Hauptfiguren genervt. Da ist zum einen der nervige Samuel, ein Kind aus der Hölle, dann die Mutter Amelia, auch nicht besser. Das ist natürlich sehr gemein, denn Amelia hat auf dem Weg zur Geburt Samuels ihren Mann bei einem Verkehrsunfall verloren. Und so weiß man - und das ist das einzig Gute an dem Film - nie, ob der Babadook wirklich existiert oder ob es einfach nur ein psychischer Zusammenbruch wegen Überforderung ist. Dennoch: Kein guter Film. 4/10
Macht des Geldes (E/F 2014, R: Rodrigo Sorogoyen, D: Antonio de la Torre, Josep Maria Pou, Mónica López, Nacho Fresneda, Ana Wagener) Bis vor ein paar Tagen hatte ich noch nie was von dem Film gehört - und er ist in meinem Bewertungssystem direkt auf Platz 1 gesprungen. Und tatsächlich bekam ich ein sehr gutes Politdrama. Hauptfigur ist der Politiker Manuel, ein hohes Tier in der Provinz - und einer, der sich durch Korruption und Co. einen gewissen Wohlstand erarbeitet hat. Als seine Verfehlungen herauskommen, wehrt er sich. Die Darsteller sind allesamt toll, die Musik hat mich zunächst sehr genervt, weil sie viel zu laut war und zu dumpfer Techno. Im Laufe des Films passt das dann aber. Das Thema ist so alt wie die Politik selbst, aber sehr gut umgesetzt. Ich war zwei Stunden gefesselt. 8/10
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und dann kommt der film des jahres an dessen ende doch noch um die ecke. entlang einzelner camcorderfragmente, blickt eine frau auf einen (den sicherlich letzten) kindheitsurlaub mit ihrem vater zurück. sie ist nun so alt, wie es ihr vater damals gewesen ist. die erinnerungen wirken beiläufig, banal und sie werden mit einstellungen aufgefüllt, die es so nicht gegeben haben kann. es gibt keine verklärung, höchstens emotionale leerstellen, unverstandenes und unausgepsrochenes. und schließlich wut und sehnsucht. ich habe gebraucht, um in diesem film anzukommen. erst stand ich davor und wusste mit den bildern nichts anzufangen. war allein mit der handlungslosigkeit des films. dann zog der unterboden mich in dessen sog, drehte mich dreimal durch die mangel und spuckte mich schließlich wieder aus. jetzt ringe ich mit mir, meine fassung zurückzugewinnen und ich glaube, das wird noch einige zeit dauern.
E.T. the Extra-Terrestrial (1982) Ich hatte diesen Film seit Ende der 1990er nicht mehr gesehen, damals hat er keinen besonderen Eindruck hinterlassen. Nun also ein neuer Versuch. Er ist an manchen Stellen besser gealtert als an anderen, an manchen Stellen ist er in der Rückschau vor allem etwas bizarr. Z. B. wenn eine Runde 13-jähriger Dungeons-and-Dragons-Jungs mit rauchender Kippe im Aschenbecher dargestellt wird (ich hätte schwören können, das die ein Labyrith für eine Maus in einem Schulprojekt bauten, das habe ich aber wohl damals missverstanden, es ist wohl ein Dungeon), wenn der zehnjährige Hauptcharakter seinem Bruder eine ziemlich obszöne Beleidigung an den Kopf wirft oder eine Gruppe Polizisten mit gezogenen Pistolen und Gewehren auf zwei Kinder losgeht. Was den eigentlichen Plot angeht, hat der Film beim wiederholten Anschauen natürlich wenig Überraschungen übrig, es kommt alles, wie man es in Erinnerungen hatte oder aus unendlichen Verwurstungen in der Popkultur kennt. Irgendwann ähnelt E.T. der Mandarine, die ich heute morgen aus dem Obstteller entfernen musste, dann geht es nach einer rasanten Fahrradtour zurück nach hause. Dabei drückt der Film dann aber auch nach 40 Jahren irgendwie noch immer ein paar richtige Knöpfe, weshalb sich das schon irgendwie noch lohnt, und wenn nur, um diese phänomenale Puppe in Action zu sehen.
Zitat von Quork im Beitrag #5135oder eine Gruppe Polizisten mit gezogenen Pistolen und Gewehren auf zwei Kinder losgeht
Sei trotzdem froh, dass du diese Version gesehen hast. Es gab mal eine digital überarbeitete, in der diese Waffen wegretuschiert und durch Funkgeräte ersetzt worden waren. Spielberg wollte das eine Weile so, hat er sich dann später wieder anders überlegt.
Das hatte ich auch gehört - deshalb habe ich überhaupt so genau hingeschaut. Weiß aber nicht, ob ich das so einen dramatischen Einschnitt gefunden hätte.
Edit: Ok, YouTube hat einen Vergleich der zwei Versionen Seite an Seite: Das wahre Problem an der neuen Fassung scheint der CGI-E.T. zu sein. Gut, dass ich das nicht gesehen habe, die tolle Animatronics-Puppe ist ja die halbe Miete in dem Streifen.
Bataillon der Verlorenen (I/Y 1970, R: Francesco Rosi, D: Marc Frechette, Alain Cuny, Gian Maria Volontè, Giampiero Albertini, Pier Paolo Capponi, Franco Graziosi, Amazon Prime) Viele in meinem Alter kennen den Vietnam-Film "Hamburger Hill", weil er damals, als man noch kein Streaming hatte und das Werbefernsehen nicht nur Müll bot, permanent bei RTL und Co. gezeigt wurde. Es ging darum, dass US-Soldaten einen strategisch unwichtigen Hügel erstürmen und dabei abgeschlachtet werden. Bereits 17 Jahre früher gab es aber eine italienisch-jugoslawische Co-Produktion, die einen ähnlichen Inhalt hat und im Ersten Weltkrieg spielt, im Grenzland zwischen Italien und Österreich-Ungarn. Der Monte Fori soll von den Italienern erobert werden. Die Kampfmoral der Truppe ist schon am Boden, die Befehle und das Gehabe eines Generals machen es nicht besser. Nach und nach weigern sich die ausführenden Offiziere, den Befehlen der höhergestellten Offiziere folgezuleisten. Die Darstellung des Krieges fesselt und widert den Zuseher gleichermaßen an. Es ist eine sinnlose Schlacht und die italienischen Soldaten sterben sinnlose Tode im österreichischen Maschinengewehrhagel. Zwischendurch ertappe ich mich bei dem Gedanken, wie wohl Steven Spielberg das in Wackelkameraoptik gefilmt hätte. Denn die Erstürmung der Normandie in "Der Soldat James Ryan" ähnelt hier den Erstürmungsversuchen der Italiener. Es ist ein Film, der den kompletten Wahnsinn des Krieges zeigt, in einer Szene sogar, wie furchtbar entstellt Menschen aussehen können, die niedergestreckt werden. Komisch, dass er in Vergessenheit geraten ist. 8/10
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als hitler das rosa kaninchen stahl (caroline link, 2019)
aha, hat sich frau link jetzt auf familendramen mit historischem hintergrund und kind als hauptperson eingeschossen? nach hape kerkeling ist nun judith kerr bzw. ihr literarisches alter ego anna kemper dran - ein jüdisches mädchen, das mit ihrer familie vor den nazis flüchtet - zunächst in die schweiz, dann nach paris und schließlich nach england (wo frau kerr dann ihre neue heimat fand). ich kenne die buchvorlage nicht, habe mir aber sagen lassen, dass sie halbwegs kompetent umgesetzt wurde und link beherrscht halt auch ihr handwerk, sodass man über einige oberflächlichkeiten bzw. plattheiten hinwegzusehen gewillt ist. und die schauspieler, allen voran die kinder (riva krymalovski und marinus hohmann), aber auch oliver masucci und carla juri als deren eltern und natürlich die immer großartige ursula werner als haushälterin heimpi sorgen letztendlich dafür, dass der film durchaus sehenswert ist.
in the valley of elah (paul haggis, 2007)
haggis' nachfolgefilm zu seinem oscar-gekrönten (und meiner meinung nach eher mediokren) "crash" und der ist - auch meiner meinung nach - um einiges stärker. ein militärveteran (tommy lee jones) erhält die nachricht, dass sein sohn nach der rückkehr von seinem einsatz im irak-krieg vermisst wird und schon bald danach wird dessen leiche gefunden. örtliche polizei und militärpolizei haben aber kein besonderes interesse, den fall aufzuklären, sodass der vater sich die einzig engagierte polizistin (charlize theron) schnappt und die ermittlung gegen erheblichen widerstand aufnimmt. so weit, so gewöhnlich. man glaubt, es mit einem schon hundertfach gesehenen whodunnit zu tun zu haben, aber nein, so einfach macht er es sich nicht. viel mehr ist das thema, was der krieg aus den jungen leuten macht, die da hineingeworfen werden und das ist nicht nur für den zuschauer unangenehm zu erfahren, sondern v.a. für die protagonisten und da brilliert tommy lee jones ganz besonders. eine seiner besten leistungen, die ich bis dato gesehen habe.
elvis (baz luhrmann, 2022)
*ächz* schon wieder so ein spektakel. luhrmann hechelt in gewohnter videoclip-ästhetik durch elvis' leben. das ist schon ein bisschen nervig, aber unterhaltsam und schick anzuschauen. richtig schlecht wird's aber erst dann, wenn er diesen stil aufgibt und ins melodramatische wechselt, also wenn es zwischen künstler und manager zu kriseln beginnt und die schattenseiten des stardoms überhand nehmen. da wird der film erst so richtig oberflächlich, formelhaft, banal ... sucht euch eine vokabel aus. elvis und direktes umfeld: opfer, böses weißes establishment: böse böse böse, zwischentöne: fehlanzeige. und diese begeisterung für austin butlers darstellung bleibt mir auch ein rätsel. die finde ich genauso knallchargenhaft wie tom hanks' colonel parker. nö, mal wieder ein blender von einem film. luhrmann kann mir in zukunft echt gestohlen bleiben.
haggis' nachfolgefilm zu seinem oscar-gekrönten (und meiner meinung nach eher mediokren) "crash"
Danke dir. Endlich mal einer, der mich versteht.
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Es ist zu lange her, als dass ich mich daran noch erinnern könnte. Aber ich habe darin nie diesen Überfilm gesehen. Ich sehe gerade, eine 7/10 hatte ich dennoch gegeben.
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dito. keine ahnung, ob diese wertung einem rewatch standhalten würde (ich hab nur keine lust, das zu überprüfen). aber die konkurrenz war "brokeback mountain", " capote" und " good night and good luck"; mal abgesehen von "children of men", "a history of violence", "volver" oder "caché", die nicht mal nominiert waren.
Ich schaue mal auf die restlichen Nominierten in anderen Kategorien. Es gab ja auch noch "Walk the Line", "Kaltes Land", "Transamerica", "Batman Begins", "Harry Potter und der Feuerkelch", "King Kong", "Wallace & Gromit - Auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen" und - Achtung! - "Star Wars: Episode III - Die Rache der Sith".
Alles Filme, die ich besser bewertet habe - am besten von allen tatsächlich "Walk the Line".
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