der kleinkriminelle george (bob hoskins) wird aus dem knast entlassen und bekommt von seinem alten boss (michael caine) den job, die edelprostituierte simone (cathy tyson) zu ihren kunden zu fahren. aus einem zunächst angespannten verhältnis entwickeln die beiden gegenseitigen respekt und schließlich freundschaft. es läuft. doch simone sucht eine verschollene, labile freundin und kollegin, wobei george beschließt, ihr zu helfen. doch damit machen sie sich in der unterwelt keine freunde und es wird immer gefährlicher. so weit, so gewöhnlich. was den film aber heraushebt, ist die tolle chemie zwischen den beiden hauptdarsteller*innen und die lakonische trockenheit, mit der das ganze erzählt wird. schade nur, dass robbie coltrane als georges "künstler"-freund thomas nicht mehr screen time bekommen hat. die momente mit den beiden sorgen für weitere höhepunkte in einem eh schon tollen film.
dirty harry (don siegel, 1971)
muss ich erzählen um was es geht? dirty harry jagt den scorpio killer, der die stadt san francisco damit erpresst, wahllos seine einwohner zu ermorden. zusammen mit "french connection" vermutlich die blaupause für den 70er jahre actionfilm - spannend und effektiv, mit eastwood als die coolste sau unter den cops, der allerdings auch ein problematischer charakter ist und das kehrt der film immerhin nicht unter den tisch, wobei sich die kritik daran in grenzen hält. aber die ambivalenz ist da und das gefällt mir an solcher art filmen. und dann ist da noch der fabulöse score von lalo schifrin. wunderbar!
mein bruder heißt robert und ist ein idiot (philip gröning, 2018)
kennt ihr das? totaler scheißfilm, aber so faszinierend, dass man trotzdem dranbleibt und das - in diesem fall - fast 3 stunden lang. man sieht hier einem zwillingsgeschwisterpaar (josef mattes, julia zange) zu, wie sie über ein wochenende in einer wiese liegen, scheiße labern, erratisch dinge tun, unkontrolliert ausrasten (unter dem vorwand, dass sie sich aufs abi in philosophie vorbereitet und er ihr dabei helfen soll. dabei wird unentwegt und repetitiv heidegger zitiert, bis einem das gequalle über "was ist zeit?" zu den ohren rauskommt). das zieht sich über zwei stunden hin, bis die beiden komplett eskalieren und das ganze in einer gewaltorgie (incl. inzest) mündet. das ist ja sowas von shocking (nicht)! mögen die beiden trotzdem dafür bis an ihr lebensende im knast schmoren, denn man möchte ihnen eigentlich von minute 1 an permanent in die fresse hauen, so unsympathisch sind die. das ist natürlich trickserei des regisseurs, aber wozu? keine ahnung, aber ich muss ihm zugute halten, das machwerk hat mich - wie gesagt - irgendwie gefesselt und die cinematographie war durchaus beeindruckend. prädikat: nur für hartgesottene masochisten.
bungalow (ulrich köhler, 2002)
auch hier geht es um einen jungen menschen, der irrationales verhalten an den tag legt. der wehrpflichtige paul (lennie burmeister) wird mehr oder weniger durch zufall fahnenflüchtig und begibt sich in den bungalow seiner eltern, die gerade verreist sind, wo er planlos dahindriftet, bis sein bruder max (devid striesow) mit seiner freundin lene, einer dänischen schauspielerin (trine dyrholm), ankommen. mit max kommt es zusehends zu spannungen, da dieser seine trägheit, seine lügen und seine aggressionen nicht erträgt, an lene zeigt er aber großes interesse und die ist gar nicht mal abgeneigt, obwohl auch sie immer wieder unter seinen schwachsinnigen aktionen zu leiden hat. ja, und auch paul möchte man gerne in den arsch treten, aber man kann das leiden und die ratlosigkeit spüren, die sein rätselhaftes verhalten bedingen. und sowas lässt sich auch in 86 minuten erzählen und hat auch ohne heidegger durchaus intellektuelle tiefe. na also, geht doch, deutscher film!
Zitat von gnathonemus im Beitrag #5716 dirty harry (don siegel, 1971)
muss ich erzählen um was es geht? dirty harry jagt den scorpio killer, der die stadt san francisco damit erpresst, wahllos seine einwohner zu ermorden. zusammen mit "french connection" vermutlich die blaupause für den 70er jahre actionfilm - spannend und effektiv, mit eastwood als die coolste sau unter den cops, der allerdings auch ein problematischer charakter ist und das kehrt der film immerhin nicht unter den tisch, wobei sich die kritik daran in grenzen hält. aber die ambivalenz ist da und das gefällt mir an solcher art filmen. und dann ist da noch der fabulöse score von lalo schifrin. wunderbar!
Ich habe "Dirty Harry" auch vor einiger Zeit mal wieder gesehen. Der Film hat einen guten Score und fängt San Francisco recht gut ein. Ansonsten habe ich den Film heutzutage eher als vorhersehbar, teilweise lächerlich und v.a auch als ziemlich langweilig empfunden. Der Film hat die Zeit mMn nicht sonderlich gut überstanden.
Der Tod der menschlichen Empathie ist eines der frühesten und deutlichsten Zeichen dafür, dass eine Kultur gerade in Barbarei verfällt. (Hannah Arendt)
Gelungene Comicverfilmung ... man sieht in jeder Sekunde des Films del Toros Liebe zum Material ... und diese liebevolle, sich dabei jedoch nicht zu wichtig nehmende Atmosphäre überträgt sich auch auf den Zuschauer. Del Toros energiegeladenes Abenteuer ist emotional beeindruckend und gleichzeitig sehr schön anzusehen.
Der Tod der menschlichen Empathie ist eines der frühesten und deutlichsten Zeichen dafür, dass eine Kultur gerade in Barbarei verfällt. (Hannah Arendt)
Das Filmplakat mit James Dean und Zigarette dürfte ikonisch sein ...
Der Film greift bekanntermaßen ein Thema auf, das wohl nie veraltet: Junge Menschen, die sich ständig mit Autoritäten im Konflikt befinden. Unterm Strich ein gesellschaftskritischer Film, der in den Augen eines heutigen Betrachters zwar eher naiv wirkt, für die 50er Jahre aber sehr gewagt war. In den 50er Jahren sorgte die Kultur der "Halbstarken" sowohl in den Vereinigten Staaten als auch weltweit für öffentliches Aufsehen. In den USA kamen die Halbstarken aus der Mittelschicht, die damals reich genug war, ihren Kindern Motorräder oder Autos kaufen zu können. Somit erhielten viele amerikanische Jugendliche in der Nachkriegszeit erstmals die Chance, sich selbst zu entdecken und zu individualisieren.
Der Film galt eigentlich als B-Movie und erste Szenen wurden in Schwarzweiß geschossen, weil die Kosten dadurch geringer waren. Da aber Studioboss Jack L. Warner das Starpotenzial von James Dean nach erfolgreichen Testvorführungen erkannte, ordnete er an, den Film aufwendiger und in Farbe zu drehen. Der Film wurde Ende Oktober 1955 aufgeführt, einen Monat nach Deans tragischem Unfalltod.
Der Original-Titel "Rebel Without A Cause" unterstreicht das Geschehen auf der Leinwand mMn besser als sein deutsches Pendant. Der Soundtrack kommt (wie für Werke aus diesen Jahren üblich) für moderne Ohren äußerst dramatisch daher und überspitzt teilweise einige Szenen. Auf jeden Fall ein Klassiker, den man sich alle paar Jahre mal wieder anschauen kann.
Der Tod der menschlichen Empathie ist eines der frühesten und deutlichsten Zeichen dafür, dass eine Kultur gerade in Barbarei verfällt. (Hannah Arendt)
Zitat von gnathonemus im Beitrag #5716bungalow (ulrich köhler, 2002)
auch hier geht es um einen jungen menschen, der irrationales verhalten an den tag legt. der wehrpflichtige paul (lennie burmeister) wird mehr oder weniger durch zufall fahnenflüchtig und begibt sich in den bungalow seiner eltern, die gerade verreist sind, wo er planlos dahindriftet, bis sein bruder max (devid striesow) mit seiner freundin lene, einer dänischen schauspielerin (trine dyrholm), ankommen. mit max kommt es zusehends zu spannungen, da dieser seine trägheit, seine lügen und seine aggressionen nicht erträgt, an lene zeigt er aber großes interesse und die ist gar nicht mal abgeneigt, obwohl auch sie immer wieder unter seinen schwachsinnigen aktionen zu leiden hat. ja, und auch paul möchte man gerne in den arsch treten, aber man kann das leiden und die ratlosigkeit spüren, die sein rätselhaftes verhalten bedingen. und sowas lässt sich auch in 86 minuten erzählen und hat auch ohne heidegger durchaus intellektuelle tiefe. na also, geht doch, deutscher film!
Ich liebe diesen Film. Die Schwüle und Klebrigkeit des Sommers, das trostlose Ambiente, gleich neben der Autobahn, die kleinstädtische Enge, das alles ist so plastisch spürbar. Das mag zwar als Erlebnis eher kathartisch sein, aber nichtsdestoweniger ein kultureller Hochgenuss. Wird man aber den meisten Menschen nicht erklären können, warum man solche Filme mögen kann.
☟ smog in berlin. nichts wie hin. weil du mich küsst, bin ich kein tourist.
Zitat von gnathonemus im Beitrag #5716bungalow (ulrich köhler, 2002)
na also, geht doch, deutscher film!
Ich liebe diesen Film.
+1, den habe ich mir damals sogar auf DVD geholt. Das war die Zeit als diese Berliner Schule Sache richtig los ging mit "Die innere Sicherheit" von Petzold und "Der schöne Tag" von Arslan. oder?
Aus dem eher unscheinbaren Drehbuch wurde ein Film mit beeindruckendem Budget: Insgesamt 32,5 Millionen Dollar verschlang die actionreiche Musikkomödie, die größtenteils an Originalschauplätzen gedreht wurde.
Besonders aufwändig war natürlich die Verfolgungsjagd in Chicago, für die 60 Polizeifahrzeuge gebraucht wurden. "The Blues Brothers" wurde ein Überraschungshit an den Kinokassen ... und zählt heutzutage zu den Kultfilmen aus dieser Ära. Der Auftritt zahlreicher Größen des Blues tat dabei ein Übriges.
Der Film ist ziemlich albern, gefällt aber immer noch als Event. John Landis war das Stelldichein der Musiklegenden sichtlich wichtiger als ein spannendes Drehbuch.
Der Tod der menschlichen Empathie ist eines der frühesten und deutlichsten Zeichen dafür, dass eine Kultur gerade in Barbarei verfällt. (Hannah Arendt)
Zitat von CHX im Beitrag #5723Der Film ist ziemlich albern, gefällt aber immer noch als Event. John Landis war das Stelldichein der Musiklegenden sichtlich wichtiger als ein spannendes Drehbuch.
Mag den auch immer noch sehr; als Jugendlicher mit 15 oder 16 war ich auch ein großer Fan des Soundtracks und des sonstigen Bandoutputs, kann mir aber beides heute nicht mehr anhören, da viel zu glattpoliert (obwohl ich den OST aus Nostalgiegründen noch besitze). Man kann tatsächlich auch nicht mehr nachvollziehen, daß ein Reunionkonzert der Blues Brothers auch bei jungen Menschen solche Resonanz erzeugt, daß genug Geld für ein Waisenhaus zusammenkommt ... heute kämen da vermutlich 12 Gäste mit Rollatoren in eine örtliche Schulsporthalle. Solche Musik interessiert wirklich niemanden mehr, der jünger ist als 50.
We don't believe in anything we dont stand for nothing. We got no "V" for victory cause we know things are tougher.
(Iggy Pop/James Williamson: "Beyond The Law")
---------------------------------------------------------------- From the river to shut the fuck up.
Der hat für mich den Test der Zeit nicht bestanden. Ich hatte vor langer Zeit den zweiten Teil gesehen, der erwartungsgemäß überflüssig war, musste später aber feststellen, dass das Original eigentlich auch nicht viel besser ist. Die Musik ist nur so lange gut, wie man sie nicht mit den Originalen vergleicht, und der Plot und die Gags werden dem Hype einfach nicht gerecht.
☟ smog in berlin. nichts wie hin. weil du mich küsst, bin ich kein tourist.
"Dark City" ist eine Stadt ohne Namen, ohne Vergangenheit und ohne Zukunft. Eine Stadt mit einem Geheimnis, über der immerwährende Nacht liegt. "Dark City" ist eine herausragende visionäre Leistung. Proyas überflutet die Leinwand mit filmischen und literarischen Referenzen, die von Murnau und Lang bis zu Kafka und Orwell reichen, und erschafft dabei eine einzigartige und absolut überzeugende Welt.
Die Frage bei "Dark City" lautet: Ist ein Individuum mehr als die Summe seiner Erinnerungen?
Obwohl das Geheimnis der Stadt eine reichhaltige Grundidee ist, wirkt "Dark City" hin und wieder wie ein großartiges Produktionsdesign auf der Suche nach einem Film ... ich empfehle deshalb den Director's Cut, der der Geschichte noch etwas mehr Substanz verleiht.
Der Tod der menschlichen Empathie ist eines der frühesten und deutlichsten Zeichen dafür, dass eine Kultur gerade in Barbarei verfällt. (Hannah Arendt)
Proyas hatte anfangs einen guten Lauf mit seinen Filmen.
Ich wusste gar nicht, dass es einen Director's Cut von "Dark City" gibt. Der interessiert mich auch. Hatte allerdings nie Probleme mit der Kinofassung.