Zitat von Olsen im Beitrag #5730Ich wusste gar nicht, dass es einen Director's Cut von "Dark City" gibt. Der interessiert mich auch. Hatte allerdings nie Probleme mit der Kinofassung.
Ja, es wurden einige Szenen hinzugefügt, außerdem wurden die "Tuning"-Effekte und die Farbgebung des Films überarbeitet.
Der Tod der menschlichen Empathie ist eines der frühesten und deutlichsten Zeichen dafür, dass eine Kultur gerade in Barbarei verfällt. (Hannah Arendt)
Zitat von gnathonemus im Beitrag #5716bungalow (ulrich köhler, 2002)
auch hier geht es um einen jungen menschen, der irrationales verhalten an den tag legt. der wehrpflichtige paul (lennie burmeister) wird mehr oder weniger durch zufall fahnenflüchtig und begibt sich in den bungalow seiner eltern, die gerade verreist sind, wo er planlos dahindriftet, bis sein bruder max (devid striesow) mit seiner freundin lene, einer dänischen schauspielerin (trine dyrholm), ankommen. mit max kommt es zusehends zu spannungen, da dieser seine trägheit, seine lügen und seine aggressionen nicht erträgt, an lene zeigt er aber großes interesse und die ist gar nicht mal abgeneigt, obwohl auch sie immer wieder unter seinen schwachsinnigen aktionen zu leiden hat. ja, und auch paul möchte man gerne in den arsch treten, aber man kann das leiden und die ratlosigkeit spüren, die sein rätselhaftes verhalten bedingen. und sowas lässt sich auch in 86 minuten erzählen und hat auch ohne heidegger durchaus intellektuelle tiefe. na also, geht doch, deutscher film!
Ich liebe diesen Film. Die Schwüle und Klebrigkeit des Sommers, das trostlose Ambiente, gleich neben der Autobahn, die kleinstädtische Enge, das alles ist so plastisch spürbar. Das mag zwar als Erlebnis eher kathartisch sein, aber nichtsdestoweniger ein kultureller Hochgenuss. Wird man aber den meisten Menschen nicht erklären können, warum man solche Filme mögen kann.
Jetzt auch gesehen. Sehr toller Film. Dieser Kleinstadtmief ist erschreckend gut und realistisch eingefangen.
The Cook, The Thief, His Wife & Her Lover (Peter Greenaway, 1989)
Nach langer Zeit mal wieder Peter Greenaways Groteske "Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber", quasi auf Zelluloid gebannte Kunst. Dass der Regisseur seine Wurzeln in der Malerei hat, sieht man ja in nahezu jeder Sekunde.
Ausstattung, Licht und Kameraarbeit sind formidabel. Seine Nähe zum Theater kann der Regisseur dabei nicht leugnen ... die Kostüme wurden von Jean Paul Gaultier entworfen.
Der namhafte Cast (u.a. Richard Bohringer, Michael Gambon, Helen Mirren, Alan Howard, Tim Roth) sorgt dafür, dass Greenaways Werk nicht zum "Eye-Candy" verkommt. Ich mag diese überbordende, beißend satirische Darstellung von Exzess, schlechtem Geschmack und großartigem Schauspiel ...
Der Tod der menschlichen Empathie ist eines der frühesten und deutlichsten Zeichen dafür, dass eine Kultur gerade in Barbarei verfällt. (Hannah Arendt)
Zitat von gnathonemus im Beitrag #5672the killer (david fincher, 2023)
wow! fincher back to form und das mit einem so straighten, im besten sinne unspektakulären (oder auch unprätentiösen) thriller. keine twists, keine gimmicks, einfach von a nach b, mit klassischen filmischen mitteln erzählt - das gemahnt fast an so einen meister wie michael mann und michael fassbender spielt cool as fuck (und sein charakter hört ausschließlich the smiths ) und tilda swinton hat den denkbar kleinsten, aber auch denkwürdigsten auftritt.
Dem kann ich mich anschließen. War sehr angetan von dem Film und von Michael Fassbender.
Der Tod der menschlichen Empathie ist eines der frühesten und deutlichsten Zeichen dafür, dass eine Kultur gerade in Barbarei verfällt. (Hannah Arendt)
eine studentin (sabine bach), die sich gegen immobilienspekulation und luxussanierungen engagiert, verliebt sich just in einen der architekten, der mit solchen projekten in ihrem viertel betraut ist (hanns zischler). was dann zu beobachten ist, dass die liebe gegensätzliche positionen und machtgefälle überwinden kann ... oder doch nicht? es ist ein fragiles hin und her, so lebensnah geskriptet wie gespielt. ein großartiges spätwerk des neuen deutschen films!
le couperet ("die axt"; costa-gavras, 2005)
eine bitterböse satire über die kapitalistische arbeitswelt. ingenieur bruno (josé garcia) verliert seinen job in einer papierfabrik und findet keinen neuen. sein origineller plan ist, potenzielle konkurrenten zu ködern, um sie dann ins jenseits zu befördern. das funktioniert zunächst erstaunlich gut, aber irgendwann muss natürlich was schief gehen ... und dann geht so ziemlich alles schief ... und es ist wirklich herrlich anzusehen, wie er sich zusehends in die scheiße reitet. karin viard brilliert außerdem als seine ahnungslose frau, die den sich auflösenden laden "heim & familie" zusammen zu halten versucht. und ulrich tukur hat auch einen kleinen und feinen auftritt, als einer von brunos opfern. äußerst amüsant, das alles.
der unhold (volker schlöndorff, 1996)
john malkovich! ja, auch nicht so dolle werke veredelt dieser mann mit seinem spiel. er verkörpert hier den etwas einfältigen franzosen abel, der zu unrecht im knast landet, von dort direkt an die front im 2. weltkrieg verfrachtet und umgehend gefangen genommen wird. vom gefangenenlager wird er zunächst in seiner funktion als automechaníker in görings jagdanwesen abkommandiert und schließlich landet er in einer ausbildungsanstalt für jüngstes kanonenfutter. eine turbulente geschichte rund um den 2. weltkrieg? klingelt da was? oskar, ick hör dir trommeln. ja, die parallelen zur "blechtrommel" sind unübersehbar, aber leider auch die defizite. die story ist bei weitem nicht so grotesk und ausladend, wie sie sein möchte und zieht sich stellenweise. alles andere ist aber top notch. schauspielerisch sind noch volker spengler (als göring - göttlich!), armin müller-stahl, gottfried john, dieter laser und heino ferch lobend zu erwähnen, kamera, ausstattung, filmmusik auch alles super - so bleibt der film immerhin knapp auf der habenseite (zumal ich mich auch definititv nicht gelangweilt habe).
Stallone setzte mit seinem Drehbuch und seiner ikonischen Figur den Standard für Underdog-Helden.
"Rocky" ist nach wie vor eine zeitlose und auch inspirierende Geschichte. Der Cast liefert eine berührende und liebenswerte Darstellung, und zieht dabei eine auffällige Parallele zu Sylvester Stallones eigenem Weg vor seinem Durchbruch. Sicherlich der beste Teil der Rocky-Reihe.
Der Tod der menschlichen Empathie ist eines der frühesten und deutlichsten Zeichen dafür, dass eine Kultur gerade in Barbarei verfällt. (Hannah Arendt)
john malkovich! ja, auch nicht so dolle werke veredelt dieser mann mit seinem spiel. er verkörpert hier den etwas einfältigen franzosen abel, der zu unrecht im knast landet, von dort direkt an die front im 2. weltkrieg verfrachtet und umgehend gefangen genommen wird. vom gefangenenlager wird er zunächst in seiner funktion als automechaníker in görings jagdanwesen abkommandiert und schließlich landet er in einer ausbildungsanstalt für jüngstes kanonenfutter. eine turbulente geschichte rund um den 2. weltkrieg? klingelt da was? oskar, ick hör dir trommeln. ja, die parallelen zur "blechtrommel" sind unübersehbar, aber leider auch die defizite. die story ist bei weitem nicht so grotesk und ausladend, wie sie sein möchte und zieht sich stellenweise. alles andere ist aber top notch. schauspielerisch sind noch volker spengler (als göring - göttlich!), armin müller-stahl, gottfried john, dieter laser und heino ferch lobend zu erwähnen, kamera, ausstattung, filmmusik auch alles super - so bleibt der film immerhin knapp auf der habenseite (zumal ich mich auch definititv nicht gelangweilt habe).
Übrigens ist auch die Romanvorlage „Der Erlkönig“ von Michel Tournier sehr empfehlenswert.
… und apropos gute Literaturverfilmungen … The Quiet Girl Eine wirklich berührende kleine Geschichte (in fast schon ungewöhnlichen 90 Minuten bzw. hat die Erzählung „Foster“ von Claire Keegan 100 Seiten) über eine Mädchen, das von den Eltern aus finanziellen Gründen über den Sommer zu einem älteren Ehepaar abgeschoben wird und sich dort erstmals geliebt und als Kind fühlen darf. Sehr behutsam erzählt in wunderschönen Bildern – es ist auch immer wieder erstaunlich, wie die Iren es hinbekommen, eine eigentlich universelle Geschichte so untrennbar mit der Grünen Insel zu verbinden. Allerdings sollte man sich - wenn man das Buch nicht gelesen hat - den Trailer schenken, der sinnloserweise eine nicht ganz unwichtige Wendung verrät.
der wurde mir als der bessere film zum thema kampf gegen kindesmissbrauch - angesichts des hypes um "sound of freedom" - angedient. nun ja, letzteren kenne ich nicht, aber der hier ist auch nicht wirklich gut. fühlt sich an, wie einer dieser düsteren skandinavischen thriller, die am sonntag nach dem tatort gezeigt werden. protagonist*in ist fast immer ein*e polizist*in, der oder die ein trauma mit sich herumträgt, welches, dann auch meistens mit dem fall zu tun hat, tut irrationale, fragwürdige dinge, aber gelangt letztendlich so ans ziel und die, die redliche polizeiarbeit tun, legen ihm/ihr knüppel in den weg und sind zum schluss natürlich unendlich dankbar für das unorthodoxe vorgehen. nee, kinners, diesen scheiß hab ich jetzt oft genug erzählt bekommen. obendrein widerspricht dann hier die aufklärung/schuldfrage so offensichtlich den realen verhältnissen, dass es nur noch wütend macht. nee, nee, nee.
jimmy p.: psychotherapy of a plains indian (arnaud desplechin, 2013)
jimmy p. ist ein indigener amerikaner (guillermo del toro), veteran des 2. weltkriegs, der seit seiner rückkehr unter rätselhaften symptomen leidet (chronische kopfschmerzen, sehstörungen, usw.) und daher in eine spezialklinik für psychisch angeschlagene kriegsheimkehrer eingewiesen wird. dort wird bei ihm schizophrenie diagnostiziert, doch es soll ergründet werden, inwieweit das mindset des indigenen einfluss auf die erkrankung gehabt hat. deswegen wird der französische anthropologe georges devereux (mathieu amalric) - ein experte in punkto amerikanischer indigener - hinzugezogen. und - wow - die interaktion zwischen den beiden, die letztendlich auf eine psychoanalyse hinaus läuft, ist fantastisch dargestellt und gespielt. und es gibt noch vieles mehr, was an diesem film fasziniert. aber letztendlich ist es die interaktion der beiden hauptdarsteller, die diesen film so interessant und wertvoll machen. und der basiert übrigens auf den aufzeichnungen des realen georges devereux. großartig!
weird: the al yankovic story (eric appel, 2022)
hurra! es gibt sie noch - die groteske amerikanische komödie, die ohne pipikacka-humor auskommt und auch sonst nicht an die niedersten instinkte appeliert. weird al yankovic hat mit dem regisseur zusammen eine komplett gefälschte version seines lebens und seiner karriere zusammengezimmert, zwar immer wieder an die realität angelehnt, aber so absurd sich selbst und sein umfeld in den kakao ziehend, dass es eine wahre freude ist. daniel radcliffe (weird al), evan rachel wood (madonna), rainn wilson (dr. demento) und alle anderen beteiligten haben ganz offensichtlich einen dermaßenen spaß an diesem spiel, es reißt einen komplett mit. wir haben uns zeitweise gekringelt vor lachen. und wann bekommt man sowas in letzter zeit präsentiert? ich kann es nur allen empfehlen.
und so trägt arte kontinuierlich zur erweiterung meines horizonts in punkto western bei. hier geht es um die titelgebende kleinstadt, die immer wieder durch eine gangsterbande terrorisiert wird und deren oberste sich nicht anders zu helfen wissen, als 2 outlaws (henry fonda, anthony quinn) zu engagieren, um sich zur wehr zu setzen. die sind zwar umstritten, aber sorgen zunächst tatsächlich für eine gewisse friedhofsruhe. aber die ist durchaus fragil, zumal sich einer von der gang lossagt und zum hilfssherrif ernannt wird (richard widmark), der aber so einiges gegen die beiden hat und so entwickelt sich ein drei-fronten-kampf ... und der ist sehr spannend und v.a. deshalb so interessant, da hier keiner der protagonisten wirklich als sympathie-figur durchgeht, obwohl die jeweilige motivation für deren missetaten nachvollziehbar ist. für solche zwiespältigkeiten bin ich gerade im western-genre immer sehr dankbar.
two lovers (james gray, 2008)
joaquin phoenix mal wieder - mir fällt kaum jemand ein, der solche tragischen gestalten so überzeugend darstellen kann - hier einen depressiven, nicht mehr so jungen mann, der nach einem schicksalsschlag wieder bei seinen eltern (isabella rosselini, moni moshonov) wohnt und arbeitet, die ihn mit der tochter (vinessa shaw) eines befreundeten ehepaars und geschäftspartner verkuppeln möchten - und er ist durchaus nicht abgeneigt. aber da kommt die schöne, planlose nachbarin (gwyneth paltrow) ins spiel. die funken sprühen, aber sie ist mit einem verheirateten mann (elias koteas) verbandelt, der sich aber nicht wirklich für sie entscheiden möchte. es kommt zu einem hin und her in diesem liebesdreieck. sowohl der protagonist als auch der zuschauer durchlebt eine achterbahnfahrt der gefühle, bei der es schwerfällt, die sympathien klar zu verteilen. und schon wieder sind wir bei der ambiguität, die der erzählebene von filmen so gut tut. funktioniert auch hier blendend.
thief (michael mann, 1981)
und auch hier: die hauptperson (james caan) ist kein wirklicher sympathieträger. vordergründig autohändler und barbetreiber, knackt er nachts safes und zieht so sowohl die aufmerksamkeit eines verbrechersyndikats als auch der polizei auf sich. auf erstere lässt er sich ein, um einen letzten hochlukrativen coup zu landen und mit dem ertrag mit seiner angebeteten (tuesday weld) und ihrem adoptierten kind ein wohlhabendes, bürgerliches leben zu ermöglichen. klar, dass das nicht glatt läuft ... . nicht nur, dass der thriller-plot recht überzeugend ist, michael mann war in den 80ern einfach ein new wave-stilist sondergleichen. feuertreppen im regen, neonreklame, die sich auf der motorhaube spiegelt, funkenflug beim tresorknacken - das sieht alles so ungeheuer gut und stylish aus ... und dazu auch noch der brillante soundtrack von tangerine dream. woah!
Inside (2023) New York. Ein Kunstdieb bricht in die Wohnung eines offenbar sehr reichen Sammlers auf längerer Geschäftsreise ein, um diverse Kunstwerke zu stehlen. Etwas geht schief, der Mann wird in dem Apartment eingesperrt und muss nun monatelang (!) mit dem auskommen, was er findet - was außer unbezahlbaren Kunstwerken nicht besonders viel ist. Zum Glück spielt Willem Dafoe den Dieb, denn er schafft es wirklich eindrucksvoll, den Film zu tragen. Zweite Hauptrolle: Die Wohnung, sein Gefängnis. Von krassen architektonischen Groß- und Kleinigkeiten über die teils sehr schönen, teils sehr bizarren Kunstwerke bis hin zu einem Kühlschrank, der "Macarena" spielt, wenn die Tür zu lange geöffnet ist, kriegt man richtig viel zu sehen und erstaunlich viel Charakter vermittelt. Ein Film, über den ich gar nicht viel sagen kann, außer dass er wirklich beeindruckend, spannend und schön ist.
The Whale (2022) Brendan Fraser spielt Charlie, der sich vor lauter Trauer um eine verlorene Liebe und eine verlorene Familie zu Tode frisst - und zwar wortwörtlich, wir erleben mit ihm seine letzte Woche und seinen verzweifelten Versuch, sich mit der störrischen Teenager-Tochter auszusöhnen. Auch so ein schöner Film, wenn auch nicht im Sinne von "ästhetisch". (In Gegenteil; die Bilder sind trist bis ekelhaft.) Das Kammerspiel funktioniert über die Dialoge, die teils ein bisschen übertrieben sind, teils aber auch ganz schön in die Magengrube hauen. Fraser als unfassbar freundlicher, fast schon zu empathischer Charlie ist umwerfend. Eigentlich nichts für graue Novembertage, wenn man mit grauen Novembertagen eh nicht so gut kann.
Jungle (2017) Die wahre und absolut unglaubliche Geschichte des Yossi Ghinsberg, der 1981 volle drei Wochen auf sich allein gestellt im bolivianischen Dschungel überlebte - nachdem er und seine Mitstreiter bereits fast zwei Wochen von ihrem zwielichtigen Führer mitgeschleift wurden & allesamt sowieso schon unterernährt und erschöpft waren. Ein Survival-Film mit spektakulären Bildern, etwas übertriebenen Dialogen (Ohhh, das Pathos!) und unfassbaren Wendungen, von denen alle auf den Aussagen und Texten Ghinsbergs basieren. Was dieser Mann mitgemacht hat, ist unerträglich. Erfahren hab ich von der Geschichte und dem Film in meinem Lieblings-Podcast "Weird Crimes". Sonst hätte ich vermutlich nie von Ghinsberg erfahren, der nach seiner Tortur nicht nur nach Bolivien zurückgekehrt ist, sondern dort auch die erste Lodge für Ökotourismus begründete und der gesamten Region nachhaltig helfen konnte. Ein cooler Typ, scheint mir!
You all want the whole world to be changed so you will be different.
The Whale (2022) Fraser als unfassbar freundlicher, fast schon zu empathischer Charlie ist umwerfend.
Mich hat The Whale ebenfalls berührt. Ich habe es so verstanden, dass er seiner zu tiefst verletzten Tochter das Gefühl "bedingungslose Liebe" vermitteln wollte, damit sie ihren selbstzerstörerischen Anteilen etwas entgegenzusetzen hat. Für Ahab ist die hasserfüllte Phantom Jagd ja auch nicht unbedingt gut ausgegangen, dieses Schicksal wollte The Whale seiner Tochter ersparen.
Renfield (2023) Lose basierend auf der bekannten Dracula-Geschichte geht es in dieser Horrorkomödie mit Gangsterfilm-Elementen um den titelgebenden Gehilfen des Grafen, der auf der Suche nach Opfern für seinen Herrn in eine Selbsthilfegruppe für Menschen in toxischen Beziehungen gerät und beschließt, dass er sich langsam mal emanzipieren sollte. Der Film ist witzig - besonders die Szenen zwischen Nicolas Cages Dracula und Nicholas Hoults Renfield -, blutig (o jaaaaa!) und actionreich. Es gibt ein paar wenige Längen, die meist das Mafia-Syndikat betreffen, das Renfield aus Versehen zu Dracula lockt, aber die sind nicht allzu schlimm. Wer blutige Komödien und Nic Cage mag, ist hier definitiv gut bedient.
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Syrische Flüchtlinge werden in einer niedergegangenen Bergarbeiterstadt in England untergebracht, was erwartungsgemäß zu Konflikten führt. Ein Wirt baut daraufhin seinen alten Pub zur Begegnungsstätte um. Hier passiert nichts, was nicht auch gezeigt wird, man kann das alles simpel, naiv oder gar kitschig nennen, aber auf diese Weise gelingt es Ken Loach immer wieder, wahrhaftigen Humanismus auf die Leinwand zu bringen. Mich hat's bewegt, vielleicht auch, weil es wahrscheinlich sein letzter Film sein wird.
Ein paar Sachen habe ich dann in den letzten anderthalb Wochen gesehen:
West Side Story (USA/CDN 2021, R: Steven Spielberg, D: Ansel Elgort, Ariana DeBose, David Alvarez, Mike Faist, Rita Moreno, Rachel Zegler) Das Original habe ich nach ein paar Minuten abgebrochen. Der Grund: Die sollen sich auf die Schnauze hauen und nicht mit den Fingern schnippen. Hier habe ich dann doch durchgehalten. Besonders am Anfang fand ich einige Kameraeinstellungen großartig. Ein paar der Songs sind Klassiker. Die Schauspieler größtenteils unverbraucht. Sagen wir mal so: Ich würde das mit dem Original glatt nochmal versuchen. 7/10
Große Freiheit Nr. 7 (D 1944, R: Helmut Käutner, D: Hans Albers, Ilse Werner, Hans Söhnker, Gustav Knuth) Da habe ich den Klassiker auch mal gesehen. Aber irgendwie bin ich nicht richtig warm geworden damit. Albers ist der tragische Antiheld, der eigentlich zur See fahren will, sich stattdessen aber als Sänger in einem Club in St. Pauli die Nächte um die Ohren schlägt. Als er sich nach dem Tod seines Bruders um dessen Freundin kümmert, verliebt er sich in sie. Doch auch der jüngere Willem macht Gisa schöne Augen. Der Altersunterschied zwischen Albers und Werner ist gruselig. Es verwundert auch, dass Albers nicht erblindet ist, so extrem, wie seine Augen hier angestrahlt werden. Ansonsten ist sein Hannes Kröger trinkfest, aber nicht unbedingt sympatisch. Nun ja. Immerhin hat es gereicht, den Nazis nicht zu gefallen. Das ist ja immerhin etwas. 6/10
Gremlins - Kleine Monster (USA 1984, R: Joe Dante, D: Zack Galligan, Phoebe Cates, Hoyt Axton, Polly Holliday, Frances Lee McCain) Den Film habe ich bestimmt sein mehr als 30 Jahren nicht gesehen, folglich hatte er auch noch keine IMDB-Bewertung. Mit einem großen Nostalgie-Gefühl bin ich an die Sache rangegangen und wurde nicht enttäuscht. Der Film ist immer noch leicht und locker erzählt, die Horrorelemente sind allesamt komödiantischer Natur. Der Mogwai selbst ist sehr süß, die Gremlins mit anarchischen Elementen urkomisch. Mit Nostalgiebonus gibt es eine 8/10. Beste Unterhaltung!
Jenseits von Afrika (USA/GB 1985, R: Sydney Pollack, Meryl Streep, Robert Redford, Klaus Maria Brandauer) "Ich hatte eine Farm in Afrika, am Fuße der Ngong-Berge". Alter, aber das reicht doch! Da muss man doch keinen zweieinhalbstündigen Film drüber drehen! Nun gut, der Film ist eine absolute Schmonzette, die mit jeder Pore "Oscar!!!" schreit. Die Bilder sind tatsächlich toll, das muss man sagen. Man weiß auf jeden Fall, wo "Der englische Patient" gut zehn Jahre später vieles geklaut hat. Aber der Film ist auch furchtbar langatmig. Am meisten Charisma hat hier für mich übrigens Brandauer. Redford muss schön aussehen und ansonten nicht viel tun. Meryl Streep ist Meryl Streep. 5/10
Weiter geht's im Doku-Thread.
Die letzten Sechs in der Playlist: Nieve Ella - Watch It Ache and Bleed || Dawn Richard & Spencer Zahn - Quiet In a World Full of Noise || Flip Top Head - Up Like a Weather Balloon || Haley Heyndericks - Seed of a Seed || Idles - Joy As an Act of Resistance || Wild Nothing - Indigo
Zitat von JackOfAllTrades im Beitrag #5744West Side Story (USA/CDN 2021, R: Steven Spielberg, D: Ansel Elgort, Ariana DeBose, David Alvarez, Mike Faist, Rita Moreno, Rachel Zegler) Das Original habe ich nach ein paar Minuten abgebrochen. Der Grund: Die sollen sich auf die Schnauze hauen und nicht mit den Fingern schnippen. Hier habe ich dann doch durchgehalten. Besonders am Anfang fand ich einige Kameraeinstellungen großartig. Ein paar der Songs sind Klassiker. Die Schauspieler größtenteils unverbraucht. Sagen wir mal so: Ich würde das mit dem Original glatt nochmal versuchen.
puh, so viel ignoranz muss man erstmal verkraften. und dann die überlegenheit des remakes mit quatschargumenten rechtfertigen (kameraeinstellungen? da hatte das original schon einiges zu bieten, aber halt leider keine drohnenshots, songs sind klassiker? ja, eben, wegen des originals; unverbrauchte schauspieler? wow, was für ein argument und nebenbei hatte das original davon auch so einige [und nebenbei ist rachel zegler eine unsympathin vor dem herrn]). immerhin zeigst du dich im letzten satz willens, vielleicht nochmal darüber nachzudenken. ich bin normalerweise kein dogmatiker, was filmgeschmack betrifft, aber das raubt mir echt den atem.