Naja, schon ein Autor, dem man nicht gerade Schludrigkeit mit der Sprache vorwerfen würde. Man muss diese Formulierung nicht mögen, aber anhand dessen Bildungsbürger von Sprachbanausen zu trennen, fand ich schon des Öfteren übertrieben, auch wenn Max Goldt damit angefangen hat.
☟ smog in berlin. nichts wie hin. weil du mich küsst, bin ich kein tourist.
Ich sage das ständig und habe trotzdem Abitur und ein abgeschlossenes Hochschulstudium. Man kann also auch Bildungsbürger UND Banause gleichzeitig sein.
Ich mache mit Sicherheit auch sprachliche Fehler, aber wenn mich jemand darauf hinweist, gewöhne ich sie mir ab. Und ich werde mit Sicherheit nie ein abgeschlossenes Hochschulstudium haben; aber daß häufig Leute, denen man einen verantwortungsvollen Umgang mit Sprache zutrauen sollte, jeden Dreck übernehmen, ist zum Kotzen. Irgendwie ist da die Parallele zum Gendern; Leute beklagen sich über sprachliche Rigidität, aber wenn sie offensichtlich falsche Formulierungen benutzen und man sie darauf hinweist, ist es plötzlich egal, Vorbildfunktion hin oder her.
We don't believe in anything we dont stand for nothing. We got no "V" for victory cause we know things are tougher.
(Iggy Pop/James Williamson: "Beyond The Law")
---------------------------------------------------------------- From the river to shut the fuck up.
Ich würde da ja dem Duden vertrauen, der "Sinn machen" nicht als falsch sondern lediglich als umgangssprachlich bezeichnet: https://www.duden.de/rechtschreibung/Sinn
Bitte erklär mir nochmal wieso es verantwortungslos ist, eine Redewendung zu verwenden, die manche Leute aus irgendeinem Grund, den ich noch nie verstanden habe, für nicht ganz logisch halten.
"Sinn ergeben": die Bedeutung ist im Begriff inkludiert. Beispielsweise: Ich gehe jetzt einkaufen. "Sinn machen": es braucht einen neutralen Begriff von außen, der der Aussage einen Sinn verleiht. "Ich gehe jetzt einkaufen" ist eine sinnlose Aussage, bevor jemand "Hükstaprot" als sinnmachende Beigabe ruft.
Der Duden verbucht das als umgangssprachlich; in meinem Dialekt bezeichnet man eine Wolldecke als Teppich, und so verwende ich das, wenn ich mit meiner Mutter rede. Ich würde aber nie in einem Roman "ich deckte mich mit dem Teppich zu" schreiben.
Verantwortungslos ist es, falsche Begriffe in den Medien zu benutzen und somit dafür zu sorgen, daß ein hinreichend verdummtes Volk seine eigene Sprache ganz verlernt.
We don't believe in anything we dont stand for nothing. We got no "V" for victory cause we know things are tougher.
(Iggy Pop/James Williamson: "Beyond The Law")
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Unsinn kann man aber schon machen… Wieso dann nicht Sinn? Und mal ganz ehrlich: So logisch ist auch die deutsche Sprache nicht strukturiert. Sprachen gehen auch nicht kaputt, selbst wenn gängige Formulierungen nicht schön klingen. Ich habe bestimmt nichts gegen Sprachsensibilität - es gibt genügend Sprachverwurstungen (wie "zumindestens" oder "das aktuellste"), die mir auf den Zeiger gehen, aber diesen Kulturpessimismus teile ich einfach nicht.
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Ich würde ja auch nie einen Roman "Das macht Sinn" nennen. Aber lassen wir das.
Ich verstehe die Logik von "Sinn ergeben" schon. Warum "machen" aber im Vergleich dazu die Zugabe einer sinnstiftenden Beigabe impliziert, begreife ich leider noch immer nicht. "Machen" bedeutet für mich, aus Bestandteilen etwas formen. Warum das auf den Sinn nicht anzuwenden ist, verstehe ich nicht, denn es ist ja durchaus möglich aus vielen sinnlos erscheinenden Bestandteilen etwa sinnvolles zusammenzusetzen.
Aber das verkommt hier zur Rechthaberei und hat ja mit Gendern nicht mehr viel zu tun. Was mir eigentlich wichtig ist und was auch mit dem Thema Gendern wieder zusammenhängt, ist die Tatsache, die wir ja an anderer Stelle zu dem Thema schon einmal diskutiert haben: Die Annahme, es gäbe aus sich selbst heraus richtige und eine falsche Spracheh ist meiner Meinung nach einfach falsch. Es gibt nur Konventionen der Kommunikation, die Gegenstand von Aushandlungsprozessen und Gewohnheitsbildung sind und sich ständig ändern. Was heute "richtig" ist, war vor hundert Jahren vielleicht nicht richtig. Was in 100 Jahren "richtig" ist, ist es heute nicht. Dahingehend von einer Verdummung des Volkes zu sprechen halte ich nicht für gerechtfertigt.
Vor allem gibt es die Angst vor Verdummung schon mindestens jahrhundertelang. Gemessen daran müssten wir längst jenseits von Gut und Böse sein und unsere Vorfahren dagegen wahnsinnig schlau - so schlau, dass wir es wohl nie begreifen werden.
☟ smog in berlin. nichts wie hin. weil du mich küsst, bin ich kein tourist.
ich halte die diskussion, ob gendern die sprache verhunzt oder nicht, für eine scheindiskussion. ich glaube nicht, dass gegner:innen des genderns weniger probleme damit hätten, wenn es grammatisch/linguistisch simplere, elegantere wege als *, _ oder binnen-I gäbe, sprache inklusiv zu gestalten. gegner:innen von gendern wollen nicht, dass frauen und andere marginalisierte gruppen sichtbar werden, denn dies untergräbt ihre vormachtstellung und deutungshoheit. that's the point, meiner meinung nach. selbes gilt für das n-wort oder andere rassistische bezeichnungen. das waren meine zwei cent.