mit seiner, in den nassgrauen und todtraurigen berliner dauerherbst von 77 verlegten neuauflage, setzt luca guadagnino einen film in die welt, der mit beängstigender körperlichkeit und irrem sounddesign ein farbloses bild von scham und schuld malt. dazwischen wird getanzt und gestorben - beides so kunstoll wie selten zuvor. von beginn an ist klar, dass wir hier einen anderen film als das original sehen, wofür ich dankbar bin, schließlich kann ich jederzeit zu dem film greifen, der die farbe rot erfunden hat, wenn mir danach ist, mich von goblins anschreien zu lassen. so vergehen zweieinhalb stunden wie im fluge, der hälfte der zeit darf man dakota johnson beim tanzen zusehen und ich kann mir nicht vorstellen, dass das außerhalb eines kinos funktionieren kann*. und lutz ebersorf kann man mal für einen oscar im gedächtnis behalten.
* und deshalb feier ich amazon films auch dafür, dass sie filme nicht direkt auf den streamer schmeißen, sondern erst ganz normal ins kino bringen.
Kann ich nur bestätigen. Ich verstehe die Kritiken, dass der Film zu viel wollte. Das ist schon ziemlich viel auf einmal. Da ist ein hoher künstlerischer Anspruch, die RAF wird thematisiert, ebenso wie das dritte Reich, dazu gibt es Horror von intensiv bis eklig. Wer klassischen Horror sehen will, muss sich hier durch viele Dinge kämpfen, für die er möglicherweise nicht ins Kino gegangen ist. Wer zu sehr am Original hängt, wird ohnehin enttäuscht, was bei einer Kopie desselbigen natürlich auch passiert wäre. Kurzum - ich verstehe es, wenn jemand mit dem Film nichts anfangen kann, ich fand den aber großartig. Dabei ging aber auch ich mit dem Gefühl aus dem Kino, drei Filme auf einmal gesehen zu haben. Allein Tilda Swinton war den Kinobesuch wert. So grandios, wie in diesen beiden (!) Rollen, hab ich sie schon lange nicht mehr erlebt, und das liegt nicht daran, dass sie in den letzten Jahren geschwächelt hätte. Ob der Soundtrack von Thom Yorke die bestmögliche Wahl für diesen Film war, da bin ich etwas skeptisch. Für sich genommen mag ich den Soundtrack sehr, aber für einige Szenen hätte ich mir verstörendere Klänge vorstellen können.
☟ smog in berlin. nichts wie hin. weil du mich küsst, bin ich kein tourist.
Sehr liebevoll wie sich Jim Jarmusch dem Thema Dichtkunst hier annähert. Der Film ist wenig überraschend sehr meditativ gehalten, wird aber denoch in keinem Moment langweilig, was aber auch dem eindrucksvollen Spiel von Adam Driver geschuldet ist. Jedenfalls ein schöner und optisch sehr ansprechender Film.
Sehr liebevoll wie sich Jim Jarmusch dem Thema Dichtkunst hier annähert. Der Film ist wenig überraschend sehr meditativ gehalten, wird aber denoch in keinem Moment langweilig, was aber auch dem eindrucksvollen Spiel von Adam Driver geschuldet ist. Jedenfalls ein schöner und optisch sehr ansprechender Film.
War auch für mich der erste Jarmusch seit längerem, der mich voll überzeugte.
An American Tail Man kann sich darüber unterhalten, ob es eine gute Idee ist, ein derart ernstes Thema in einen derart fluffigen Film zu packen. Aber mein Problem ist eher die belanglose Albernheit, die hier aus dem Drehbuch suppt. Nicht Fleisch, nicht Fisch. Für eine Komödie zu ernst, für ein Drama zu seicht. Und irgendwie leider auch ziemlich langweilig. Top-Animation natürlich, ist ja Don Bluth. 6/10
Inferno Mein Gott, ist das ein schlechtes Drehbuch, ich musste oft lachen. Die ersten beiden Teile waren auch Schmu, aber unterhaltsamer als dieser Unsinn hier. Was den Film noch ein bisschen aus den Untiefen reißt, ist das absurde Schauspiel von Tom Hanks, der sich im vollen Nicolas Cage-Modus befindet. Ron Howard inszeniert dazu, als wäre er Paul Greengrass. Ist er aber nicht und sein stilistisches Gehampel wirkt sehr erzwungen. 5/10
... ist in vielen Aspekten ein bemerkenswerter Marvel-Film. Er funktioniert jenseits von allen Anknüpfungspunkten mit dem großen Brimboriums des MCU, er ist der erste (überhaupt? Marvel-?)-Superheldenfilm mit einem schwarzen Hauptcharakter und einem fast komplett schwarzen Cast, er ist gefühlt der erste Superheldenfilm, der einigermaßen interessante soziale Fragen stellt (von The Dark Knight vielleicht abgesehen). Black Panther macht sehr, sehr viel richtig. Und dabei habe ich noch gar nicht vom Kendrick-Lamar-Soundtrack, dem großartigen Michael B. Jordan, dem Witz und der unterhaltsamen Action geschrieben. Aber am Ende bleibt doch das Gefühl, dass dieser Film mehr für das gehyped wird, was er repräsentiert, als für das, was er ist. Es lässt einen das Gefühl nicht los, einen eigentlich recht unspäktakulären Film zu gucken, wäre hier nicht alles so selten und so hart erkämpft. Unterm Strich ist Black Panther ein Marvel-Film, wie man ihn sich wünscht, irgendwie auch wie man ihn kennt. Aber eben einer, der etwas mehr will und -ja- wohl auch etwas mehr bedeutet.
Ich habe ihn gestern (nach einem Durchgang auf einem Mini-Screen im Flugzeug) zum zweiten mal gesehen, diesmal auf Blu-Ray und in Originalsprache. Ich finde ihn auch sehr sehr gut, auch wenn man ein paar kleinere Kröten schlucken muss. Seltsam fand ich den Akzent der Wakandaner im Original. Und irittierend finde ich, dass ihr Wahlspruch "Wakanda forever" in der deutschen Version mit "Wakanda über alles" übersetzt wurde.
So sieht's wohl aus, wenn sich Autor, Regisseur und Produzent nicht auf ein gemeinsames Genre verständigen können, und der eine einen Thriller, der nächste eine Satire und der Dritte eine schwarze Komödie machen will, und das Filmstudio den Brei am Ende in der Not als Horrorfilm zu vermarkten versucht. Hinzu kommt, dass die Darstellung von Keanu Reeves, der seit "Matrix" gar nichts mehr auf die Reihe kriegt, sehr an die des Schwarzen Ritters aus "Die Ritter der Kokosnuss" erinnert. Ansonsten gibt's hier Nerviges, Absurdes, (unfreiwillig?) Komisches und zwischendurch Brüste. Geht grade noch so.
Ready Player One Ein sehr schwer zu bewertender Film. Ich fühle mich in dieser Videospielwelt nicht wohl, das ganze CGI-Geschnetzel ging mir zwischendurch massiv auf die Klötze und die Actionszenen sind zu schnell für einen alten Mann. Außerdem werden einem die ganzen Referenzen an popkulturelle Erzeugnisse nur so um die Ohren gehauen, schon sehr aufdringlich. In dieser Hinsicht ist der Film auch das maximal Kalkulierteste, was ich seit langer Zeit gesehen habe. Es gibt zwar auch Elemente aus anderen Jahrzehnten, aber die unvermeidlichen 80er sind allgegenwärtig. (Was man vermutlich dem Autoren der Vorlage vorwerfen muss, aber der Film entstand nicht durch Zufall gerade jetzt.) Aber Spielberg wäre nicht Spielberg, wenn er nicht doch ein paar nette Szenen zwischen den Figuren im echten Leben eingebaut hätte. Schön auch, dass es Ben Mendelsohn in einen Mainstream-Blockbuster geschafft hat, auch wenn seine Rolle an Eindimensionalität schwer zu überbieten sein dürfte. Ein mentaler Bonuspunkt geht an das Rush-Poster. 6/10
ganz schön seltsam, zu sehen, wie polanski das thema vergewaltigung von minderjährigen thematisiert (die tat, die er zu verantworten hat, geschah 2 jahre vor dem film). hat er damit versucht sein schlechtes gewissen zu beruhigen? denn er stellt sie nicht als kavaliersdelikt dar (wie er das mit seinem eigenen vergehen doch weitgehend getan hat) und damit interpretiert er recht eindeutig, was die romanvorlage offen lässt. abgesehen davon ist das ganz großes kino: große tragik, ein bilderreigen sondergleichen, tolle darsteller, kostüme, musik, kamera - da stimmt wirklich alles. aber ein bitterer nachgeschmack bleibt ...
andrea arnold goes america - und man hat das gefühl, amerikanischer geht's nicht, wie sie den white trash und seine minimal-version des amerikanischen traums porträtiert. anfangs hatte ich etwas probleme mit den generischen szenen, wenn die drücker-kids im bus rap-songs (oder auch mal springsteen) mitgrölen, aber man erkennt, das muss so und macht einen teil des reizes des films aus. dann ist da die unglaublich gute kamera-arbeit (gepaart mit der regie, natürlich) zu loben - all die close-ups, die absolut unnervige handkamera, die immer wieder eingestreuten naturaufnahmen, hach, ein visueller genuss. und sasha lane spielt die gebeutelte, rebellische, dann wieder träumerische junge frau absolut überzeugend und von shia laboeuf kann man halten was man will, seine darstellung des abgezockten, aber doch ganz schön verletzlichen verkaufsprofis, die hat er großartig hinbekommen. alles in allem ein toller film - ich habe keine einzige der 163 minuten bereut.
Ja, guter Hinweis ... stelle mich eh immer dumm an bei Prime was zu finden.
Heute Nacht "Suspiria" in der arte-Mediathek angeguckt. Größter Suspense-Moment: In dem Moment als der Hund sein Herrchen angreift, schreckt mein Hund angesichts der irren Goblin Klänge auf und fängt zu brummen an. Beim Rest des Films hat er friedlich geschlafen. Nein, ich hatte keine Angst, dass mir mein Hund an die Gurgel springt. Aber erschrocken bin ich dennoch ordentlich.