Gaia - Grüne Hölle (2021) Blöder deutscher Untertitel für einen wundervollen Film. Die Parkrangerin Gabi trifft in "ihrem" Nationalpark in Südafrika auf zwei Aussteiger, Barend und seinen Sohn Stefan, die hier ihrer ganz eigenen Naturreligion frönen. Immer wieder müssen sie sich allerdings gegen merkwürdige, menschenähnliche Wesen zur Wehr setzen, auf deren Körpern zahlreiche Pilze und Schwämme wuchern - das kommt von den Sporen, die überall in der Luft hängen. Ob die laut Barend unter der Erde des Parks hausende Göttin etwas damit zu tun hat? Meine Zusammenfassung klingt blöd, das ist mir klar, aber ich habe Angst, zu spoilern. Der Film ist eindeutig einen Blick wert, wenn man kein Problem mit einer gewissen Menge Blut und sehr psychedelischen Szenen hat. Es ist kein klassischer Horrorfilm, eher ein Ökothriller mit Horrorelementen. Die Bilder sind unfassbar schön - Dschungel in Südafrika eben - und die schauspielerische Leistung durchaus überzeugend. Auch Makeup und Effekte funktionieren gut, aber das Highlight ist eindeutig der sehr passende, athmosphärische Soundtrack. Wer Tarkowski mag, könnte auch an Gaia Freude haben. Kann man über Prime gegen ein bisschen Geld ausleihen.
The Happytime Murders (2018) In einem LA, in dem Muppet-ähnliche Puppen neben Menschen leben, werden plötzlich die Darsteller einer früher beliebten Unterhaltungsshow - The Happytime Gang - ermordet. Da Puppen als Bürger zweiter Klasse betrachtet werden, interessiert das kaum jemanden, aber der Ex-Cop und Puppen-Privatdetektiv Phil wird in die ganze Sache reingezogen und muss fortan mit der menschlichen Polizistin Connie - seiner früheren Partnerin - ermitteln. Trotz der Spannungen zwischen den beiden stellen sie schon bald fest, dass sie nach wie vor ein gutes Team sind - und dass der Fall viel verwickelter ist, als er anfangs schien. Wieder bemühe ich mich um Spoiler-Vermeidung ... Eine Parodie auf Film-Noir-Krimis. Der Film ist natürlich mega albern, aber er hat durchaus seine Momente. Meet the Feebles in weniger dreckig vielleicht. Die Puppen sind unflätig, nymphoman und teils auch ausgesprochen eklig, aber die Menschen, mit denen sie es zu tun kriegen, sind das auch. Die Rassismus-Kritik ist natürlich zu platt, aber insgesamt habe ich mich gut amüsiert. (Als einzige Zuschauerin vermutlich, wenn man sich die Kritiken so anschaut.) Allerdings bin ich auch ein großer Fan von Melissa McCarthy.
Bliss - Ein Trip in die Hölle (2019) Nein, nicht der Sci-Fi-Film von 2021! Die Künstlerin Dezzy steckt in einer Schaffenskrise und kommt und kommt nicht raus. Könnte daran liegen, dass sie seit einigen Wochen clean ist - eine neue Droge beim Dealer ihres Vertrauens soll das Problem aus der Welt schaffen. Nach einer durchzechten Nacht mit viel Alkohol, mehr Drogen, Sex und wasnichtalles weiß Dezzy nicht mehr viel, aber das große Gemälde, das längst verkauft, aber noch lange nicht fertig ist, nimmt endlich Gestalt an! Dezzy will mehr, nimmt mehr, malt mehr und gerät schnell in einen Strudel aus Blut, Gewalt, Sex, immer mehr Drogen und stetig größer werdenden Gedächtnislücken. Ihr Versuch, herauszufinden, was das alles soll, ist schließlich von Erfolgt gekrönt. Aber was sie findet, gefällt ihr gar nicht. Wieder arg psychedelisch, sehr, sehr, sehr blutig und mehr als nur bizarr. Wieder gewinnt der Film massiv durch den Soundtrack, wenn auch auf völlig andere Art als Gaia. Die Farben sind typisch für die Drogen-Trip-Horror-Psycho-Filmchen der 2020er-Jahre - viel rot, viel grün - aber irgendwie kommt das gut. Wer Mandy oder (zumindest ein bisschen) Die Farbe aus dem All mochte, wird auch von Bliss nicht enttäuscht sein.
You all want the whole world to be changed so you will be different.
viel richtiges wurde hier schon geschrieben, aber zu bond kann man sich ja keine nicht-meinung leisten:
mir hat das finale in vielen punkten eigentlich gut gefallen, schöne locations, hochwertige produktion (schnitt, musik, etc...), und mit so pathetischer musik am ende bekommt man mich immer, erst recht wenn damit eine kleine ära zu ende geht. casino royale war ein notwendiger schwenk von schmalzlocke brosnan zu etwas mehr dreck und schweiss, aber über die weitere entwicklung ist mir dieser testosteronbond, gleichzeitig traumatisiert, mit seinem ballast, seinen beziehungsproblemen etc. einfach eine zu grosse spassbremse geworden. klar muss bond nicht der chauvi aus den 60ern bleiben, aber für mich war die sequenz in cuba mit eyecandy ana de armas eins der highlights hier, gerade wegen der schussligkeit-badassery mischung von paloma, der lässigkeit von bond, da war für mich halt viel mehr chemie als mit seydoux. ausserdem wäre ich in zukunft wieder für ein bisschen mehr fokus auf das berufliche: so easy wie bond hier bond-things macht - spionage braucht man nicht wirklich, jeder schuss sitzt, ins bösewicht-hauptquartier kann man bequem einparken, am ende werden einfach ein paar raketen bestellt, da kommt für mich zu wenig spannung auf.
ich hoffe weder auf einen crossfit bond, eine jane bond, noch einen achtsamkeits bond - gebt uns einen hart arbeitenden agenten mit sprezzatura und britischem charisma, der die martinis wieder ein bisschen mehr geniesst statt runterkippt.
der könig des stils, der champion der genre-mash-ups ist zurück und enttäuscht (zumindest mich) nicht. v.a. die erste hälfte hat szenen, kameraeinstellungen, regieeinfälle für die ewigkeit und das ahnungslose herumtappen der landeierigen protagonistin im doch nicht ganz so glamourösen london, sowie in ihren swinging-sixties-phantasien hat charme, witz und spannung. etwa ab der hälfte verliert der film leider einen teil seiner magie, da der plot dann doch in etwas konventionellere whodunnit- bzw. horrorgefilde lappt, aber den, für manche kritiker und zuschauer verheerenden qualitätsabfall musste ich da nicht konstatieren. für mich blieb es konstant spannend und toll anzuschauen - allen voran die beiden hauptdarstellerinnen thomasin mckenzie und natürlich die fabulöse anya taylor-joy.
ready player one (steven spielberg, 2018)
vermutlich der schlechteste spielberg, den ich bisher gesehen habe. ein brunzhohler plot, der wohl auch für die meisten gamer zu primitiv und öde wäre, obwohl er sich genauso an sie ranwanzt wie an 80er-nostalgiker, denen er die referenzen nur so um die ohren haut. erinnert mich ein bisschen an "cabin in the woods", der sich ausschließlich an seiner eigenen schlauheit ergötzte, ohne irgendwas substanzielles zu erzählen oder zu zeigen zu haben. und ehrlich gesagt, fand ich nicht mal die optik oder die animation besonders anprechend. der generische 80er soundtrack war noch mit das beste.
ansonsten einige re-watches:
north by northwest (alfred hitchcock, 1959)
ein unsterblicher klassiker. kann ich immer wieder und wieder gucken. cary grant & eva marie saint:
golden eye (martin campbell, 1995)
doch, doch, es gibt einen guten pierce brosnan-bond und das ist er.
quantum of solace (marc forster, 2008)
und leider gibt es auch einen richtig schlechten daniel-craig-bond. ihr wisst schon ... nix gegen mathieu amalric - er ist eigentlich ein toller schauspieler - aber ich hab kaum einen weniger überzeugenden bond-villain erlebt als ihn und kaum ein farbloseres bond-girl als olga kurylenko - und davon lebt doch so ein film zu mindestens 50%.
arabesque (stanley donen, 1966)
spionage-farce mit sophia loren und gregory peck. muss ich wirklich mehr dazu sagen? (ach ja, doch: zieht gegen "spion in spitzenhöschen" knapp den kürzeren)
the godfather (francis ford coppola, 1972)
musste nur mal eben überprüfen, ob ich ihn noch auswendig kann (just kidding: natürlich bleibt das ein erzählerisches, wie atmosphärisches und schauspielerisches meisterwerk sonder gleichen).
Zitat von gnathonemus im Beitrag #4176north by northwest (alfred hitchcock, 1959)
ein unsterblicher klassiker. kann ich immer wieder und wieder gucken. cary grant & eva marie saint: [hart]
Zitat von gnathonemus im Beitrag #4176arabesque (stanley donen, 1966)
spionage-farce mit sophia loren und gregory peck. muss ich wirklich mehr dazu sagen? (ach ja, doch: zieht gegen "spion in spitzenhöschen" knapp den kürzeren)
ich bin ja großer "charade"-fan, kann der da mithalten?
Zitat von gnathonemus im Beitrag #4176last night in soho (edgar wright, 2021)
der könig des stils, der champion der genre-mash-ups ist zurück und enttäuscht (zumindest mich) nicht. v.a. die erste hälfte hat szenen, kameraeinstellungen, regieeinfälle für die ewigkeit und das ahnungslose herumtappen der landeierigen protagonistin im doch nicht ganz so glamourösen london, sowie in ihren swinging-sixties-phantasien hat charme, witz und spannung. etwa ab der hälfte verliert der film leider einen teil seiner magie, da der plot dann doch in etwas konventionellere whodunnit- bzw. horrorgefilde lappt, aber den, für manche kritiker und zuschauer verheerenden qualitätsabfall musste ich da nicht konstatieren. für mich blieb es konstant spannend und toll anzuschauen - allen voran die beiden hauptdarstellerinnen thomasin mckenzie und natürlich die fabulöse anya taylor-joy.
verdammt, den Namen edgar wright hab ich noch nie bewußt gehört/gelesen, dabei sind mir 6 seine Filme bekannt, und Last Night in Soho werde ich mir na klar auch ansehen.
@gnathonemus danke, für deinen Input hier, lese es gern, und marschiere dann nicht selten los um mir so manche der Filme auszuleihen.
Zitat von gnathonemus im Beitrag #4176arabesque (stanley donen, 1966)
spionage-farce mit sophia loren und gregory peck. muss ich wirklich mehr dazu sagen? (ach ja, doch: zieht gegen "spion in spitzenhöschen" knapp den kürzeren)
ich bin ja großer "charade"-fan, kann der da mithalten?
nicht ganz. im gegensatz zu "charade" - der ja oft als der beste hitchcock-film, den hitchcock nicht gemacht hat, durchgeht - ist das suspense-element deutlich zugunstendes komödiantischen runtergefahren. das lappt dann schon manchmal ins alberne. und das duo grant/hepburn funktioniert noch ein bisschen besser als loren/peck, aber höchst unterhaltsam ist er allemal. ich glaube nicht, dass du es bereuen wirst.
Zitat von Cohle im Beitrag #4178 @gnathonemus danke, für deinen Input hier, lese es gern, und marschiere dann nicht selten los um mir so manche der Filme auszuleihen.
Zitat von Cohle im Beitrag #4178 @gnathonemus danke, für deinen Input hier, lese es gern, und marschiere dann nicht selten los um mir so manche der Filme auszuleihen.
das freut mich. danke!
Sowas ähnliches vor vielleicht einem Jahr auch mal geschrieben. Dann die Aussage mal auffrischen und ein "+ 1" bei Cohles Posting drunter setzen
Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen Nach einem lustigen Scherz neulich ("Wussten Sie, dass die Schutzpatronin des Streamings Hildegard von Bingen heißt?") dachte ich, ich könnte mir mal den Film zur Person ansehen. Und: das war kein Fehler! Barbara Sukowa trägt die Titelrolle souverän und Alexander Held gibt mal wieder ein vortreffliches Arschloch. (Kann der eigentlich auch was anderes? Hat den mal jemand in einer sympathischen Rolle gesehen?) Ansonsten gibt es ein paar fragwürdige Casting-Entscheidungen, aber das tut dem Film keinen Abbruch. Es geht eher ruhig und meditativ zur Sache, mit kühlen, aber dennoch schönen Bildern. Die Musik von Chris Heyne finde ich toll, aber der Mann macht offenbar nichts mehr. Ich bin wirklich kein religiöser Mensch, aber dieser Film hat mich berührt. Zu sehen auf Netflix. (8/10)
http://www.last.fm/de/user/DerWaechter ehemaliger Influencer * Downtown * Radebrecht * "Die einzige Bevölkerungsgruppe, die man risikolos beleidigen kann, sind die Dummen. Da fühlt sich nie einer angegriffen." (Ronja von Rönne) “The sex and drugs have gone and now it’s just the rock ‘n’ roll” (Shaun Ryder)
Zitat von Olsen im Beitrag #4182 Alexander Held gibt mal wieder ein vortreffliches Arschloch. (Kann der eigentlich auch was anderes? Hat den mal jemand in einer sympathischen Rolle gesehen?)
viele schaue ich auch nicht, aber "münchen mord" ist für mich ein muss, eben wegen held, marcus mittermeier und bernadette heerwagen - ein unschlagbares trio. am samstag gibt's eine neue folge.