so blöd es klingt aber dieses planet of the apes- mann/frau gedankenspiel fand ich einen guten ansatz, ansonsten für mich ein zu unausgegorener mix aus metaebenen und focus-group-standardware. dass der hype die verschiedenen messages in die welt hinausträgt ist natürlich zu begrüssen, wer gern richtig gute filme schaut sollte besser auf richtig gute filme ausweichen.
3 surreale geschichten, die sich in tokio abspielen. und wie das halt immer so ist, mit episodenfilmen/anthologien: die ergebnisse sind durchwachsen, obwohl hier drei wirklich ausgezeichnete regisseure am werk waren. am besten hat mir die erste geschichte "interior design" von michel gondry gefallen, in der sich eine junge frau immer wieder in einen stuhl verwandelt. toll erzählt und sehr herzlich. leos carax hat mit "merde" den einäugigen, rabiaten, blumenessenden charakter (denis lavant) aus "holy motors" vorweggenommen, einen film den ich wirklich liebe, aber hier ist monsieur merde nicht in den kontext des films eingebettet und die um ihn konstruierte geschichte fand ich eher enervierend als erhellend. für mich der schwächste beitrag. irgendwo dazwischen siedle ich "shaking tokyo" von bong joon ho an, die geschichte eines "hikikomori", also eines menschen, der seine vier wände nicht mehr verlässt und jeglichen kontakt zu seinen mitmenschen vermeidet. eines tages kann er jedoch nicht verhindern, dass er in interaktion mit einer pizza-botin tritt, womit sich sein bisheriges leben umkrempelt. nette geschichte, auch gut erzählt, aber ein bisschen banal.
rotting in the sun (sebastian silva, 2023)
aberwitzige, düstere komödie über den regisseur selbst, der von dem influencer jordan firstman (auch er selbst) gestalkt wird, unbesehen von der öffentlichkeit zu tode kommt und fortan von letzterem in seiner heimatstadt mexico city gesucht wird. grandioser b-movie mit jeder menge explizitem sex, brillanten kommentaren zum social media-wahn, klassismus, kunst-vs.-kommerz und was nicht alles mehr. die absolute schau ist allerdings catalina saavedra, die die haushälterin silvas spielt, in seinen tod verwickelt ist und fortan versucht, die sache zu vertuschen. für mich eine oscar-reife performance, wenn sie denn mal jemand honorieren würde.
the last sunset (robert aldrich, 1961)
und arte versorgt uns weiterhin mit westernklassikern. hier ist das western-setting allerdings eher nebensache, denn in der hauptsache handelt es sich hier um ein dreiecks-liebesgeschichte, in der belle (dorothy malone), die gattin eines alkoholkranken viehbarons breckenridge (joseph cotten), von zwei männern umworben wird: ihrer jugendliebe, der delinquent o'malley (kirk douglas) und dessen verfolger stribling (rock hudson). die zwei stellen sich zunächst in den dienst von breckenridge und vertagen ihre rivalität, aber die spannungen verschärfen sich zusehends ... . das ist sehr spannend und ansehnlich inszeniert und lebt v.a. von den großartigen darstellungen von douglas und malone. kein meisterwerk, aber der film hat durchaus seinen platz im western-kanon verdient.
subway (luc besson, 1985)
tja, style vs. substance ist bei luc bessons filmen immer wieder ein thema. in diesem, seiner frühen "kult-filme" überwiegt leider mal wieder ersteres. christophe lambert spielt einen kleinkriminellen (behaupteten) punk, der sich im pariser u-bahn-labyrinth bewegt, die schöne und reiche helene (isabelle adjani) einerseits erpresst, andererseits hoffiert, dafür aber sowohl von der privat-armee ihres ehemannes, als auch von der polizei verfolgt wird. sieht, wie gesagt schick aus, hat aber lediglich eine äußerst simple story zu erzählen, in der es hakt und ächzt. das ist zwar hübsch anzusehen und auch nicht langweilig, aber gelungen ist dieser film leider überhaupt nicht.
The Element Of Crime - Immer noch sehr cool, ich habe den Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Ultrastylisch mit seinem goldenen Monochrom-Bild, traumhaft in der Atmosphäre, surreal in den Szenenkompositionen. Was ja auch Sinn ergibt, weil unser unzuverlässiger Erzähler sich die ganze Zeit unter Hypnose befindet. Die Handlung selbst versteht kein Mensch, sicherlich eine absichtliche Hommage an ähnlich undurchdringliche Film-Noir-Klassiker. Mein Lieblingsdialog ist noch genauso, wie ich ihn in Erinnerung hatte: "Do you like Halbestadt?" - "I'd rather live in a hole in the ground." Die anstrengende Letterboxd-Crowd wirft Lars von Trier stumpfes Kopieren seiner Vorbilder vor, aber mir gefällt das Ding. (8/10)
hach, jane campion. 5 ihrer filme hab ich jetzt gesehen und fast jeder ein volltreffer (mit ausnahme von "protrait of a lady - den fand ich "lediglich" sehr gut) und dieser gehört selbstverständlich dazu. sie erzählt darin die liebesgeschichte zwischen dem dichter john keats und der höheren tochter fanny brawne, kurz bevor er sehr jung verstarb. thematisiert wird neben der offensichtlichen poesie hauptsächlich der standesunterschied zwischen den beiden, der eine verbindung eigentlich unmöglich macht ... und dann kommt auch noch seine krankheit hinzu, aber sie kämpfen um ihre liebe und dabei geben die beiden hauptdarsteller*innen ben wishaw und abbie cornish tolle performances ab. ein leiser, wenig spektakulärer film, der mich aber emotional um so mehr gepackt hat. großartig!
petite maman (céline sciamma, 2021)
noch so ein leisetreter von einem film. die 8-jährige nelly trauert um ihre verstorbene oma und fährt mit ihren eltern in ihr verlassenes haus, um es auszuräumen. beim spielen im wald trifft sie auf ein gleichaltriges mädchen, mit dem sie sich sofort gut versteht. und schon setzt sciamma den twist der story, der auch klar erkennbar ist, was aber gar nix ausmacht ... ganz im gegenteil, denn was die beiden mädchen verbindet und wie sie sich dazu verhalten, das ist so wunderbar erzählt und gespielt, dass einem da herz aufgeht. das zwillingspaar jacqueline und gabrielle sanz, das die beiden mädchen spielt, ist schlicht und einfach eine sensation (und natürlich was sciamma aus den beiden rausgeholt hat).
the creator (gareth edwards, 2023)
dann kommen wir mal zum großen kino. und das ist ausnahmsweise mal keine hohle phrase, denn edwards, der uns ja bereits mit "rogue one: a star wars story" einen der besten blockbuster der letzten jahre beschert hat, beweist hier wieder, dass er es drauf hat. ich könnte mich jetzt episch darüber auslassen, wie toll dieser film aussieht - und das nicht trotz cgi, sondern - ja - auch wegen des cgi-einsatzes, weil er einfach so viel besser ist als in fast allem, was wir in letzter zeit gesehen haben. dann das world building: in letzter zeit hat man im sci-fi-bereich selten so etwas überzeugendes gesehen. die referenzen - nur vom feinsten: blade runner, apocalypse now, ex-machina, district 9 - alles erkennbar und doch macht edwards was eigenes daraus. die story ist am anfang auch hochinteressant - das thema, grob gesagt: mensch gegen k.i. (aber das weder plump gemacht noch vorhersehbar), hat aber dann doch nicht wahnsinnig viel dazu zu sagen und wird dann zur typischen heldenreise samt sieg über die bösen (interessanterweise die usa). das ist dann auch der einzige schwachpunkt an dem film, aber mir hat das den filmabend nicht weiters verdorben, weil er ansonsten so viel richtig macht. daher kann ich nur sagen: schaut euch den im kino an, denn das sind die blockbuster, die wir brauchen.
Ich habe noch was nachzuholen. Teilweise ist die Erinnerung schon etwas vage.
Ghost in the Shell (J/GB 1995, R: Mamoru Oshii) Das ist so ein typischer Fall von: Damals, als der Film Kult war, verpasst, heute hat er nicht mehr die Wirkung wie früher. Dabei ist das Thema immer noch spannend, ein paar der Zeichnungen sind sehr ikonisch. Was mich aber wirklich gestört hat, ist die schlimme Synchronisation bzw. die deutschen Stimmen. Leider hat Amazon keinen Originalton angeboten. Deshalb: 7/10.
Ipcress - streng geheim (GB 1965, R: Sidney J. Furie, D: Michael Caine, Nigel Green, Guy Doleman, Sue Lloyd) Damals, als 007 schon mit den ersten drei (oder vier?) Filmen etabliert war, stellte Ipcress mit Harry Palmer einen ganz anderen Geheimagenten-Typus dar. Zwar genauso britisch und mit genauso viel Stil, aber eben auch ein Agent, der kocht und Brille trägt. Unterhaltsam war es auch. Aber leider kann ich weitere Feinheiten nicht mehr nennen. Bewertet habe ich den Film mit 7/10.
Raya und der letzte Drache (USA 2021, R: Don Hall, Carlos López Estrada, Paul Briggs) Meine Abneigung gegen ein Gros der Animationsfilme der letzten Jahre habe ich hier schon öfter kundgetan. Immer zu viel vom Gleichen, jeden Gesichtsausdruck seit "Shrek" schon Dutzende Male gesehen, Storys oft viel zu albern oder belanglos. Vorhang auf für Raya. Schon lange hat mich kein Animationsfilm mehr so gut unterhalten, so fasziniert, so mitgenommen. Bitte schauen, ich kann den nur empfehlen. 8/10
Ekel (GB 1965, R: Roman Polanski, D: Catherine Deneuve) Was für ein verstörender Film! Es ist die Geschichte der jungen Carol, die dem Wahnsinn anheim fällt. Die zunächst eher unaufmerksam, still, abwesend wirkt, dann aber nach und nach Wahnvorstellungen bekommt. Von Wänden, die zerreißen. Von Vergewaltigungen. Dass der Film damals ab 18 Jahren freigegeben war, weil er den ersten hörbaren Orgasmus einer Frau beinhaltet, und nicht, weil es zwischendurch eine fiese Metzelszene gab, ist unfassbar. Wie die schöne Deneuve hier spielt, ist groß! Der Film ist es auch. (noch bis Ende Januar bei Arte in der Mediathek) 9/10
Die letzten Sechs in der Playlist: Nieve Ella - Watch It Ache and Bleed || Dawn Richard & Spencer Zahn - Quiet In a World Full of Noise || Flip Top Head - Up Like a Weather Balloon || Haley Heyndericks - Seed of a Seed || Idles - Joy As an Act of Resistance || Wild Nothing - Indigo
Einer nach dem anderen (N/DK/S 2014, R: Hans Petter Moland, D: Stellan Skarsgård, Bruno Ganz, Pål Sverre Hagen) Der Schwede Nils wird Bürger des Jahres irgendwo in Norwegen, weil er die Straßen von Schnee befreit. In der Nacht seiner Ehrung wird sein Sohn vom Handlanger eines Drogenbarons, genannt "Der Graf", ermordet. Nach und nach räumt Nils die Handlanger des Grafen aus dem Weg. Der Drogenboss selbst glaubt derweil an albanische Mafiosi, die eigentlich Serben sind, und beginnt seinerseits einen Rachefeldzug. Es kommt zum Krieg. Vielleicht könnte man "Einer nach dem anderen", im Original "Kraftidioten", als skandinavische Variante von "Bube, Dame, König, grAs" oder "Snatch" sehen. Natürlich skandinavisch unterkühlt, also mit echter Coolness statt der von außen erzeugten durch coole Musik. Hier regiert die Stille und wenn Musik kommt, dann ist es ruhiges Gitarrengezupfe. Aber der Bodycount, dieses Tohuwabohu zwischen verschiedenen Parteien, das erinnert doch sehr an Guy Ritchie - und ganz entfernt natürlich wegen des Settings auch an "Fargo". Eine Komödie, schwarz wie eine Winternacht in Norwegen. 7/10 (läuft noch bis 13. Oktober in der ZDF-Mediathek)
Die letzten Sechs in der Playlist: Nieve Ella - Watch It Ache and Bleed || Dawn Richard & Spencer Zahn - Quiet In a World Full of Noise || Flip Top Head - Up Like a Weather Balloon || Haley Heyndericks - Seed of a Seed || Idles - Joy As an Act of Resistance || Wild Nothing - Indigo
Zitat von gnathonemus im Beitrag #5611past lives (celine song, 2023)
hach, korea! wie schafft ihr es nur, am laufenden band filme in dieser qualität rauszuhauen? und das in allen denkbaren genres. drama, sci-fi, horror, action, komödie - alles dabei. hier ersteres über ein jungen und ein mädchen, die sich aus den augen verlieren, weil sie mit ihren eltern nach kanada auswandert. jahre später finden sie sich - online - wieder und es prickelt zwischen den beiden, doch dann ist wieder funkstille und nochmal jahre später besucht er sie - inzwischen verheiratet - in new york. und das ist so schön, wie traurig und lustig; gleichzeitig so wie das leben eben ist und bigger than life ... und wie ich anderswo schon schrub: noch nie war new york in einem film so schön. hach ...
Vielleicht kann man den Film auch eher egal finden, da das Erzähltempo langsam ist und häufig aus einer gewissen beobachtenden Distanz erzählt wird. Ich fand aber gerade diese unaufdringliche Erzählweise sehr toll. Man beobachtet Menschen, die sich selbst als eher langweilig bezeichnen und deren "normales" Leben. Doch es gibt hier so viele feine humorvolle und auch melancholische Zwischentöne zu sehen, dass es eine wahre Freude ist. Wie Gnatho schon schrieb, die Bilder sind unglaublich schön und ausdrucksstark, dass sie in manchen Momenten die Dialoge fast überflüssig machen.
letztens sah ich den trailer dazu und war sofort verliebt. gut zu hören, dass der film das versprechen zu halten scheint; dann muss ich da wohl dringend rein.
Zitat von tenno im Beitrag #5633letztens sah ich den trailer dazu und war sofort verliebt. gut zu hören, dass der film das versprechen zu halten scheint; dann muss ich da wohl dringend rein.
8mm - Wiedersichtung. Der Streifen ist weiterhin stumpf wie die Sau, aber dieses Mal hat er mich zumindest unterhalten. Nicolas Cages Manierismen helfen nicht, aber Peter Stormares stellt ihn mit seiner Komplett-drüber-Show sogar noch in den Schatten. Dem Thema wird diese reißerische Umsetzung natürlich nicht gerecht. Verdikt: 6 von 10 Armbrüsten.
scheißendreck, blöder. weil ich ein doofes pop up-fenster wegklicken wollte, hat es mir 3 filmkritiken, die fast fertig waren, weggeschossen. wann gewöhne ich mir endlich an, die erstmal offline zu schreiben? jetzt schreibe ich auf jeden fall nix mehr dazu und poste nur meine schnöden imdb-wertungen dazu:
Polizeiruf 110: Kreise (D 2015, R: Christian Petzold, D: Matthias Brandt, Barbara Auer, Justus von Dohnányi, Luise Heyer) Und aus der Musicbox läuft "I'm Not in Love" von 10cc... Von Meuffels (Brandt) und Hermann (Auer) versuchen den Mord an einer Firmenchefin aufzuklären. Der Ehemann (von Dohnányi) gerät schnell in Verdacht, auch weil es Zeugen gibt. Nur kommen die beiden nicht auf die richtige Spur. Viel interessanter als der Fall ist das Drumherum. Das erotische Knistern zwischen den beiden Ermittlern. Und dann noch der Verdächtige, der von seiner Frau spricht. Inhaltlich ist das tatsächlich fast schon alles. Und man hat auch schnell Ahnungen, wie das alles abgelaufen sein könnte. Aber den drei Hauptdarstellern beim (Zusammen-)Spiel zuzuschauen, die Chemie, die Drama-Regisseur Christian Petzold erzeugt, das gibt es normalerweise in Sonntagabendkrimis nicht. Dadurch wird dieser Polizeiruf eine unglaublich dichte Charakterstudie. Damit hätte ich nicht gerechnet. 9/10
Die letzten Sechs in der Playlist: Nieve Ella - Watch It Ache and Bleed || Dawn Richard & Spencer Zahn - Quiet In a World Full of Noise || Flip Top Head - Up Like a Weather Balloon || Haley Heyndericks - Seed of a Seed || Idles - Joy As an Act of Resistance || Wild Nothing - Indigo
Zitat von JackOfAllTrades im Beitrag #5631Einer nach dem anderen (N/DK/S 2014, R: Hans Petter Moland, D: Stellan Skarsgård, Bruno Ganz, Pål Sverre Hagen) Der Schwede Nils wird Bürger des Jahres irgendwo in Norwegen, weil er die Straßen von Schnee befreit. In der Nacht seiner Ehrung wird sein Sohn vom Handlanger eines Drogenbarons, genannt "Der Graf", ermordet. Nach und nach räumt Nils die Handlanger des Grafen aus dem Weg. Der Drogenboss selbst glaubt derweil an albanische Mafiosi, die eigentlich Serben sind, und beginnt seinerseits einen Rachefeldzug. Es kommt zum Krieg. Vielleicht könnte man "Einer nach dem anderen", im Original "Kraftidioten", als skandinavische Variante von "Bube, Dame, König, grAs" oder "Snatch" sehen. Natürlich skandinavisch unterkühlt, also mit echter Coolness statt der von außen erzeugten durch coole Musik. Hier regiert die Stille und wenn Musik kommt, dann ist es ruhiges Gitarrengezupfe. Aber der Bodycount, dieses Tohuwabohu zwischen verschiedenen Parteien, das erinnert doch sehr an Guy Ritchie - und ganz entfernt natürlich wegen des Settings auch an "Fargo". Eine Komödie, schwarz wie eine Winternacht in Norwegen. 7/10 (läuft noch bis 13. Oktober in der ZDF-Mediathek)
Die schönste Satire, die ich in jüngerer Zeit gesehen habe. Alternativ kann man sich auch das Remake mit Liam Neeson ansehen, das ist vielleicht ein Quentchen schlechter, aber im Prinzip identisch mit der Vorlage.